31. Oktober 2026, 8:56 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
An Halloween gibt es für viele Kinder kein Halten mehr: Die Tüten sind voller Schokolade, Gummibärchen und Bonbons, und am liebsten würden sie alles sofort vernaschen. Für Eltern stellt sich dagegen die Frage, wie viel Süßes sie ihren Kindern erlauben sollten. Doch nicht nur die Menge spielt eine Rolle. Im Gespräch mit FITBOOK erklärt Kinderarzt PD Dr. med. Florian Babor, worauf es beim Naschen wirklich ankommt und warum gut gemeinte Regeln manchmal das Gegenteil bewirken können.
Süßigkeiten auf einmal essen oder lieber über mehrere Tage verteilen?
Nach Halloween sind die Süßigkeitentüten oft noch tagelang gut gefüllt. Viele Eltern teilen die gesammelten Leckereien deshalb in kleine Portionen auf, damit ihre Kinder nicht zu viel Zucker auf einmal essen. Doch zumindest für die Zahngesundheit ist das nicht unbedingt die beste Lösung. „Für die Zähne zählt vor allem, wie oft Zucker kommt, weniger wie viel“, erklärt Kinderarzt Florian Babor. „Jede Zuckerzufuhr löst eine Säureattacke auf den Zahnschmelz aus, die rund 20 bis 30 Minuten anhält. Wer den ganzen Tag immer wieder nascht, lässt dem Speichel keine Zeit, den Zahn zu reparieren.“ Das gelte vor allem für Lutschbonbons, Kaubonbons und saure Süßigkeiten. Denn durch den wiederholten Zuckerkonsum entstehen immer wieder Säuren, die den Zahnschmelz angreifen.
Wie sollten Eltern also mit den gesammelten Süßigkeiten umgehen? Babor empfiehlt: „Und wenn es am Halloween-Abend großzügiger war, dann sollten die Tage danach nicht wieder ein ähnliches Bild abgeben, nur weil die Reste noch nicht aufgenascht sind.“
Grundsätzlich sollten Kinder Süßigkeiten möglichst direkt nach einer Mahlzeit essen und nicht ständig zwischendurch. „Danach Wasser trinken und abends gründlich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen“, rät der Kinderarzt.
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Diesen Fehler machen Eltern bei Süßigkeiten besonders häufig
Doch nicht nur die Menge und der Zeitpunkt des Naschens spielen eine Rolle. Auch der Umgang mit Süßigkeiten kann das spätere Essverhalten von Kindern beeinflussen. Einen Fehler hält Babor dabei für besonders problematisch: „Süßigkeiten als Belohnung oder Trost einzusetzen. So lernen Kinder: Süßes ist etwas Besonderes, es hilft bei Kummer und es steht für Anerkennung. Diese emotionale Verknüpfung hält sich oft bis ins Erwachsenenalter.“
Werden Kinder beispielsweise nach einem anstrengenden Tag mit Schokolade getröstet oder für gute Leistungen mit Süßigkeiten belohnt, können sie lernen, süße Lebensmittel mit positiven Gefühlen oder emotionaler Entlastung zu verbinden. Doch auch das Gegenteil kann problematisch sein. Babor erklärt: „Der zweite Klassiker ist das strikte Verbot oder Verstecken. Studien zeigen, dass gerade das, was eingeschränkt wird, für Kinder attraktiver wird. Sie essen dann mehr davon, sobald sie Zugang haben, etwas in der Schule oder bei FreundInnen.“
Aber wie können Eltern es besser machen? Babor rät: „Besser funktioniert eine klare und entspannte Struktur. Die Eltern entscheiden, wann und wie viel es gibt. Das Kind entscheidet, was es aus seiner Tüte nimmt. Süßes sollte möglichst unaufgeregt behandelt werden: als normaler, begrenzter Teil des Essens, nicht als Waffe und nicht als Tabu.“
Was tun, wenn Kinder Essen verstecken oder heimlich naschen?
»Wie ich es schaffte, dass meine Kinder viel weniger Zucker konsumieren
Wie schlimm ist es, wenn Kinder an Halloween zu viel Süßes essen?
Babor gibt zunächst Entwarnung: „Für ein gesundes Kind ist das in aller Regel unproblematisch. Ein einzelner Abend macht weder krank noch dick. Entscheidend ist das Muster über Wochen und Monate, nicht ein Feiertag.“
Ganz ohne Folgen muss die Nascherei allerdings nicht bleiben. Babor erklärt: „Typische Beschwerden danach sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Völlegefühl und manchmal Erbrechen.“
Auch zuckerfreie Süßigkeiten können Beschwerden verursachen. „Bei zuckerfreien Süßigkeiten kann es zu Durchfall kommen, weil Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit abführend wirken. Das klingt meist innerhalb von Stunden von selbst ab.“
Bei diesen Symptomen sollten Eltern aufmerksam werden
Einige körperliche Veränderungen sollten Eltern allerdings nicht auf die Halloween-Nascherei schieben. Babor warnt: „Großer Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust und Müdigkeit über Tage sind keine Folge von zu viel Halloween-Süßem. Sie können aber auf einen Diabetes hinweisen und gehören zeitnah abgeklärt.“
Besondere Aufmerksamkeit ist bei Kindern mit bestimmten Vorerkrankungen gefragt. „Für Kinder mit bekanntem Typ-1-Diabetes oder Nahrungsmittelallergien gilt ohnehin: Planen Sie den Abend vorher mit ein und prüfen Sie die Beute genau. Nüsse verstecken sich in vielen Süßigkeiten“, so Babor.