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Studie zur Herzgesundheit

Was ist dran am schlechten Ruf der gesättigten Fettsäuren?

gesättigte fettsäuren gesundheit: Symbolbild mit Milchprodukten
Neben Fleisch und Fisch enthalten auch Joghurt und Käse gesättigte FettsäurenFoto: Getty Images

Wer Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugen möchte, der sollte in Sachen Ernährung vor allem eins beachten: gesättigte Fettsäuren vermeiden. Doch sind sie wirklich so schlecht wie ihr Ruf? Nein, nicht per se, lautet die Antwort einer aktuellen Studie.

Allein im Jahr 2019 starben knapp neun Millionen Menschen weltweit an einer chronischen Herzerkrankung.1 Herauszufinden, wie man das Herz schützen kann, ist daher ein großes Anliegen der Wissenschaft. Dabei rücken auch immer wieder gesättigte Fettsäuren und ihre Wirkung auf die Gesundheit in den Fokus. Laut einer neuen Studie aus England sind diese aber nicht per se schädlich. Eine große Rolle scheint zu spielen, woher die gesättigten Fettsäuren stammen, die wir zu uns nehmen.

Ungesättigte vs. gesättigte Fettsäuren

Die Unterscheidung zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren hängt mit ihrem chemischen Aufbau zusammen. Häufig heißt es, das erstere ungesund, die zweitgenannten dagegen gesund sind. Ungesättigte Fettsäuren wie Omega-3 und Omega-6 kommen unter anderem in Avocado, bestimmten Pflanzenölen, Eiern und Fisch vor. Gesättigte Fettsäuren sind vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch, Wurst, Butter, Joghurt und ebenfalls Fisch enthalten.

Nun entdeckten Forscher aus England, die sich den Zusammenhang zwischen gesättigten Fettsäuren und der Herzgesundheit genauer ansahen, dass es offenbar darauf ankommt, mit welchen Nahrungsmitteln man die gesättigten Fettsäuren zu sich nimmt. Je nach Quelle scheinen sie eine unterschiedliche Wirkung auf die Gesundheit zu entfalten – entweder eine negative oder im Gegenteil sogar eine positive.

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Studie zur Wirkung von gesättigten Fettsäuren auf die Gesundheit

In ihrer Studie betrachteten die Wissenschaftler Daten von Europäern mittleren Alters aus zehn europäischen Ländern, die im Rahmen der EPIC-CVD Studie der Universität Cambridge erhoben wurden.2 Sie analysierten sowohl die Daten von 10.529 Probanden, die während der Untersuchung Herzkrankheiten entwickelt hatten, als auch die Daten von 16.730 Teilnehmern, deren Herz gesund geblieben war. Diese setzten sie mit den ebenfalls erhobenen Ernährungsgewohnheiten der Personen in Zusammenhang.3

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Gesättigte Fettsäuren nicht per se schlecht

Nachdem die Forscher ihre Analyse um Faktoren wie Alter, Gewicht, Aktivitätslevel, Rauchen und Alkoholkonsum bereinigt hatten, kamen sie zu einem überraschenden Ergebnis. So stellten sie keinen allgemeingültigen Zusammenhang zwischen der Menge der konsumierten gesättigten Fettsäuren und dem Risiko für Herzerkrankungen fest. Ein anderes Bild ergab sich jedoch, als sich die Wissenschaftler genauer ansahen, aus welchen Lebensmitteln die Fettsäuren stammten.

Probanden, die mehr gesättigte Fettsäuren aus rotem Fleisch und Butter zu sich nahmen, wiesen ein höheres Risiko auf, eine Herzkrankheit zu entwickeln. Dagegen senkte sich das Risiko bei den Teilnehmern, die gesättigte Fettsäuren aus Käse, Joghurt und Fisch zu sich nahmen.

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Wirkung auf Gesundheit hängt von der Quelle ab

Daraus schließen die Studienautoren, dass die Wirkung der gesättigten Fettsäuren auf die Gesundheit in einem wesentlichen Maß von der Nahrungsquelle abhängt, aus der sie stammen.4 Die Vermutung: Während gesättigte Fettsäuren im Zusammenspiel mit manchen Inhaltsstoffen (z. B. in Fleisch) gesundheitsschädigend sind, können sie in Kombination mit Nährstoffen wie Vitaminen und Probiotika (z. B. in Joghurt) genau den gegenteiligen Effekt haben. Für eine gesunde Ernährung scheint es daher eventuell wichtiger zu sein, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, statt generell gesättigte Fettsäuren komplett zu vermeiden. Mit anderen Worten: Gerne mal Ja zu Käse und Joghurt, dagegen häufiger Nein zu Fleisch und Butter.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO). The top 10 causes of death. (aufgerufen am 30.11.2021)
  2. Danesh, J., Saracci, R., Berglund, G. et al. (2007). EPIC-Heart: The cardiovascular component of a prospective study of nutritional, lifestyle and biological factors in 520,000 middle-aged participants from 10 European countries. European Journal of Epidemiology.
  3. Steur, M., Johnson, L., Sharp, S.J. et al. (2021). Dietary Fatty Acids, Macronutrient Substitutions, Food Sources and Incidence of Coronary Heart Disease: Findings From the EPIC‐CVD Case‐Cohort Study Across Nine European Countries. Journal of the American Heart Association.
  4. Witchalls, C. (2021). Heart disease risk from saturated fats may depend on what foods they come from – new research. The Conversation.

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