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Neue Bewertung

Sucralose beim Backen – EFSA sieht offene Sicherheitsfragen

Neueinschätzung der EFSA zu Sucralose
Sucralose ist ein beliebtes Süßungsmittel – doch bei Hitze wird sie womöglich zum Problem Foto: Vadim Zakirov
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

24. Februar 2026, 14:47 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Ein Süßstoff, der 600-mal süßer ist als Zucker, gilt seit Jahren als sicher – zumindest in Getränken und Desserts. Doch sobald er in Form einer Backmischung in den Ofen kommt, wird es wissenschaftlich heikel. Jetzt hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Stellung bezogen. Der Industrie dürfte die aktuelle Einschätzung nicht schmecken.

Sucralose: Was genau unterscheidet die derzeit zugelassenen Verwendungen von den neu beantragten?

E 955 ist ein Süßungsmittel, das etwa 600-mal süßer ist als Zucker. In der EU ist Sucralose grundsätzlich zugelassen. Allerdings nicht pauschal für jede beliebige Anwendung, sondern nur für bestimmte Lebensmittelkategorien und mit Höchstmengen. Die Industrie wollte sich die zugelassenen Anwendungen nun von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit erweitern lassen für Produkte, die lange und bei hohen Temperaturen gebacken werden.

„Die neuen Verwendungen“, so die EFSA auf FITBOOK-Nachfrage, „würden es ermöglichen, Sucralose in einem breiteren Spektrum industrieller Lebensmittelprozesse mit längerer Einwirkung hoher Temperaturen einzusetzen.“ Konkret habe der Antrag darauf abgezielt, die Verwendung innerhalb der Kategorie „feine Backwaren“ zu erlauben – und zwar über die derzeit zugelassenen Anwendungen (d. h. in Oblaten sowie Waffeln/Eiswaffeln) hinaus.

15 Milligramm pro Kilogramm an Körpergewicht ist die Menge an Sucralose in Lebensmitteln oder Getränken, die laut der EFSA lebenslang täglich konsumiert werden kann, ohne ein nennenswertes Gesundheitsrisiko darzustellen.

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Kein grünes Licht für industrielle Backprozesse mit längerer, hoher Temperatur

Eine Backmischung im Regal (gibt es ja längst mit Sucralose) ist rechtlich zunächst ein Pulver. Die eigentliche Hitzeeinwirkung passiert beim Verbraucher – nicht zwingend im Werk. Bei abgepackten Protein-Keksen oder industriell hergestellten, haltbaren Kuchen wäre das aber anders. Hierfür bräuchte die Industrie grünes Licht für erweiterte Prozessbedingungen.

Doch dieses pauschale Sicherheits-Go hat die EFSA nicht gegeben.1 „Auf Grundlage der verfügbaren Daten konnte die EFSA keine abschließende Aussage zur Sicherheit dieser vorgeschlagenen neuen Verwendungen treffen“, teilte die EFSA jetzt mit.

Worauf sich die neue Sucralose-Bewertung stützt

Nach eigenen Angaben berücksichtigte die EFSA für ihre Einschätzung alle verfügbaren Daten, die öffentlich eingereicht wurden. Das umfasst Informationen, die auf einen offiziellen Aufruf hin eingesendet wurden, sowie zusätzlich noch weitere Unterlagen, die sie gezielt bei bestimmten Stellen angefragt hat. Außerdem sei die gesamte wissenschaftliche Literatur eingeflossen, die zwischen dem 1. Januar 1999 und dem 4. März 2025 veröffentlicht wurde. Ergänzend habe man auch das Dossier geprüft, das zur Unterstützung des Antrags auf eine Erweiterung der Verwendung von Sucralose in feinen Backwaren eingereicht worden war. Die Antworten darin reichten der Behörde aber offenbar nicht.

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Echtes Risiko? Oder nur eine Forschungslücke?

„Die vorliegenden Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Sucralose bei erhöhten Temperaturen, wie sie bei bestimmten Backprozessen erreicht werden, über längere Zeiträume nicht stabil ist“, so die EFSA zu FITBOOK. So sei es möglich, dass Chlor aus der Sucralose freigesetzt würde und chlorierte Verbindungen entstünden. Genau das könne die EFSA „auf Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen“ nicht ausschließen.

Die EFSA hat also kein Gesundheitsrisiko festgestellt. Sie sagt lediglich, dass auf Basis der vorhandenen Daten keine Entwarnung möglich ist.

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Was wäre erforderlich, um neue Anwendungen als sicher einzustufen?

„Die Stabilität von Sucralose im Hinblick auf die potenzielle Bildung chlorierter Verbindungen unter Bedingungen längerer hoher Temperatureinwirkung muss weiter untersucht werden“, lässt die EFSA wissen. Heißt: Um klar bestimmen zu können, welche Herstellungsprozesse für feine Backwaren mit Sucralose sicher sind und welche nicht, benötigt die EFSA mehr Daten.

Sollte ich mit Sucralose backen?

Auch wenn die EFSA kein konkretes Gesundheitsrisiko für Verbraucher festgestellt hat und industrielle Prozesse mit dem Backen zu Hause nicht gleichzusetzen sind, könnte die aktuelle Stellungnahme auch für Haushaltsbedingungen relevant sein. Denn auch beim Backen oder scharfen Anbraten entstehen hohe Temperaturen über längere Zeit.

So rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schon seit Jahren, Sucralose-haltige Lebensmittel wegen möglicher chemischer Reaktionen nicht auf Temperaturen zu erhitzen, wie sie bei Backen oder Braten üblich sind (über 120 Grad Celsius). Hintergrund sind Laboruntersuchungen, in denen sich unter bestimmten Bedingungen chlorierte organische Verbindungen bilden konnten. Darunter waren auch Stoffe mit gesundheitsschädlichem Potenzial wie polychlorierte Dibenzo-p-dioxine (PCDD), Dibenzofurane (PCDF) oder Chlorpropanole.2

Obwohl die Bildung dieser spezifischen Substanzen laut EFSA in den zur Bewertung eingereichten Studien ausgeschlossen wurde, könne die mögliche Bildung anderer chlorierter Verbindungen unter bestimmten Bedingungen beim Backen mit Sucralose im Haushalt nicht ausgeschlossen werden, heißt es. Die Lebensmittelbehörde empfiehlt nun der Europäischen Kommission, die Sache im Hinblick auf das Kochen im Haushalt zu prüfen.

Quellen

  1. EFSA: EFSA finds sucralose safe when used as currently authorised; cannot confirm safety of extending its use (aufgerufen am 24.02.2026) ↩︎
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). (2019). Süßstoff Sucralose: Beim Erhitzen von Lebensmitteln können gesundheitsschädliche Verbindungen entstehen. (aufgerufen am 24.02.2026) ↩︎

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