6. April 2026, 8:13 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Mit zunehmendem Alter verliert der Körper an Muskelmasse und Kraft. Dieser als Sarkopenie bekannte Prozess kann nicht nur Kraft und Masse einschränken, sondern mindert oft schleichend die gesamte körperliche Leistungsfähigkeit und Mobilität im Alltag. Neben Krafttraining wird auch die Ernährung als Einflussfaktor diskutiert. Brasilianische Forscher haben analysiert, ob dabei Polyphenole aus etwa Trauben, grünem Tee oder Kurkuma eine Rolle spielen können.
Was hat die Studie untersucht?
Das Team um Guilherme Da Silva Rodrigues von der Universität São Paulo in Brasilien hat in einer Übersichtsarbeit experimentelle und klinische Studien zu verschiedenen Polyphenolen ausgewertet.1 Darunter waren etwa Resveratrol aus Trauben, Quercetin aus Äpfeln und Zwiebeln, Curcumin sowie EGCG aus grünem Tee. Die Forscher wollten herausfinden, wie diese Stoffe im Körper wirken und ob sie möglicherweise dazu beitragen können, die Muskeln im Alter kräftig und funktionstüchtig zu halten. Dabei ging es auch um sogenannte epigenetische Effekte. Das bedeutet: Diese Stoffe können beeinflussen, welche Gene im Körper aktiv sind – ohne die Gene selbst zu verändern.
Bestimmtes Obst soll Muskeln beeinflussen können
Die Wirkung von Granatapfel-Extrakt auf die Muskeln und Gefäße
Die Ergebnisse
Die ausgewerteten Studien zeigen mehrere mögliche Wirkungen von Polyphenolen:
- In verschiedenen Untersuchungen wurden niedrigere Entzündungsmarker und weniger oxidativer Stress beobachtet. Beides sind Prozesse, die mit zunehmendem Alter Muskelzellen schädigen können.
- Experimentelle Arbeiten beschrieben Verbesserungen der Mitochondrienfunktion. Mitochondrien gelten als die „Kraftwerke“ der Zellen.
- In Laborstudien beeinflussten die Substanzen Signalwege, die am Auf- und Abbau von Muskulatur beteiligt sind. Das könnte theoretisch dazu beitragen, Muskelverlust zu bremsen.
- Über epigenetische Effekte könnten sie möglicherweise Prozesse beeinflussen, die mit Wachstum und Reparatur von Muskulatur zusammenhängen.
- Einige klinische Studien berichteten über Verbesserungen bei Muskelkraft, Gehgeschwindigkeit oder Muskelmasse, etwa nach der mehrwöchigen Einnahme von Polyphenol-Extrakten als Nahrungsergänzungsmittel.
- In manchen Untersuchungen zeigte die Kombination aus Polyphenolen und Krafttraining größere Verbesserungen als die jeweilige Einzelmaßnahme.
Was bedeutet die Studie?
Die Ergebnisse der in „Frontiers in Aging“ veröffentlichten Studie deuten darauf hin, dass eine polyphenolreiche Ernährung und gezielte Nahrungsergänzung möglicherweise dazu beitragen können, altersbedingten Muskelabbau zu verlangsamen, insbesondere in Verbindung mit regelmäßiger Bewegung. Die Substanzen wirken nicht nur antioxidativ, sondern greifen auch in grundlegende Prozesse ein, die Energiegewinnung, Entzündung und Genaktivität steuern. Die Autoren heben allerdings auch hervor, dass die Darmflora entscheidend dafür ist, ob und wie die Polyphenole überhaupt aufgenommen werden.
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Allerdings sind viele der zugrunde liegenden Studien klein und methodisch sehr unterschiedlich. Etwa variierten die eingesetzten Mengen an Polyphenolen extrem. Zudem schwankt von Mensch zu Mensch erheblich, wie gut der Körper diese Stoffe aufnimmt und verarbeitet. Um klare Empfehlungen zu Dosierung und Anwendung geben zu können, sind deshalb größere und langfristige Untersuchungen notwendig.
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