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EU-Zulassung für Insekten

Mehlwurm ist jetzt ein Lebensmittel – Verbraucherschützer haben Bedenken

Mehlwurm EU: Die Larve eines gelben Mehlwurms
Mehlwürmer sollen ein leicht nussiges Aroma habenFoto: dpa picture alliance

Mehlwürmer sind jetzt als Lebensmittel in der EU zugelassen. Studien und Verbraucherschützer weisen jedoch auf mögliche Gesundheitsgefahren hin.

In Zukunft ist es in der EU offiziell erlaubt, den gelben Mehlwurm im getrockneten Zustand als Lebensmittel zu verarbeiten. Mögliche Produkte mit Mehlwürmern wären beispielsweise Pasta oder Kekse. Hier darf der Anteil an pulverisiertem Wurm jedoch nur zehn Prozent betragen. Ein Snack mit ganzen Larven ist auch denkbar. Doch sind die neuen Nahrungsmittel wirklich so gesund, wie viele denken?

Ist das Lebensmittel Mehlwurm sicher?

Davon gehen zumindest die Experten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aus. Die Wissenschaftler haben eine Bewertung abgegeben, auf Grund derer die Europäische Kommission nun grünes Licht für den Mehlwurm in der EU gegeben hat.

Ihrer Meinung nach steht es jedem frei, Insekten zu essen oder nicht. Die EU-Experten weisen darauf hin, dass Insekten als alternative Protein-Quelle dienen. Zudem esse man in vielen Teilen der Welt Insekten.

Mehlwurm als Lebensmittel – Warnung vor Allergien

Die Verbraucherzentrale zeigt sich bzgl. der EU-Zulassung des Mehlwurms als Lebensmittel skeptisch. Die Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass das Allergiepotential bei Insekten insgesamt noch wenig erforscht ist. Und auch Dr. Georg Schreiber vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sagt: „Der Verzehr des gelben Mehlwurms kann bei empfindlichen Personen zu allergischen Reaktionen führen.“

Auch die EFSA kommt zu dem Schluss, dass der Verzehr des gelben Mehlwurms möglicherweise zu allergischen Reaktionen führen kann. „Dies kann insbesondere bei Personen mit bereits bestehenden Allergien gegen Krebstiere und Hausstaubmilben der Fall sein. Zusätzlich können Allergene aus dem Futter (z. B. Gluten) in das verzehrte Insekt gelangen“, sagen die Wissenschaftler. Sie merken an: „Die Zulassung dieses neuartigen Lebensmittels verdeutlicht dieses Problem und legt spezifische Kennzeichnungsanforderungen hinsichtlich der Allergenität fest.“

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Falsche Zubereitung von Insekten durch fehlerhafte Kennzeichnung

Auch Schreiber fordert, das Etikett müsse bei Mehlwürmern einen Hinweis auf mögliche Kreuzreaktionen zu Allergien gegen Krustentiere oder Hausstaubmilben tragen. Das wäre wohl auch dringend nötig. Denn wie die Verbraucherzentrale Hessen herausgefunden hat, sind Lebensmittel mit Insekten häufig fehlerhaft gekennzeichnet.

Neben Allergenhinweisen fehlten oftmals wichtige Hinweise auf das korrekte Erhitzen. Oder eine Kennzeichnung, ob die Produkte überhaupt schon vorab erhitzt wurden. Bedenklich: Meist werde der Darm der Insekten nicht entfernt. Die Experten gehen von einer hohen Keimbelastung aus.

Was viele nicht wissen, Insekten gibt es schon länger auf dem EU-Markt. Zwar sind die neuen Nahrungsmittel bis auf den Mehlwurm noch nicht zugelassen. Dafür gelten bislang Übergangsregeln. Die EFSA prüft derzeit die Zulassung von weiteren elf Insekten-Arten.

Studie zeigt Kontamination von Mehlwürmern mit Pestiziden auf

Insekten können zudem mit Schwermetallen, Toxinen und Hormonen belastet sein. Laut einer belgischen Studie von 2016 sind Mehlwürmer und Grashüpfer stark mit Pestiziden belastet, die mit Pflanzenabfällen gefüttert werden. Die Studie wurde im Fachmagazin „Food Chemistry“ publiziert.

Auch Proteingehalt von Insekten wird überschätzt

Viele erwarten von Insekten einen hohen Proteingehalt. Deshalb würden sie als Fleischersatz in Frage kommen. Das wollten die Experten der Verbraucherzentrale genauer wissen. In ihrem Auftrag wurde eine Forsa-Umfrage bei Verbrauchern und Allergikern durchgeführt. Was den Probanden spontan zu Insekten einfiel? „Exotisch“, „Proteine“, „gesund“ und „Fleischersatz“.

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Laut der Experten erwarten sportliche, männliche Teilnehmer auf Grund der Werbung, dass insektenhaltige Lebensmittel mehr Protein enthalten als herkömmliche Lebensmittel. „In der Regel erfüllen die Produkte zwar die Voraussetzungen für die Angabe „proteinreich“. Die Angabe ist aber bereits zulässig, wenn 20 Prozent des Energiegehaltes auf Proteine entfallen. Dies trifft auch auf viele herkömmliche Lebensmittel zu“, schreiben die Verbraucherschützer in einer Kurzmitteilung zur Studie.

Nährwerte des Mehlwurms (Tenebrior molitor)
(gefroren, mit ursprünglichem Wasseranteil) pro 100 Gramm

Energie 244 kcal

  • Fett 15,7 Gramm (davon gesättigte Fettsäuren 3,9 Gramm)
  • Kohlenhydrate 2,6 Gramm (davon Zucker 2,6 Gramm)
  • Proteine 22 Gramm
  • Salz 0,1 Gramm

Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

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