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Stimmungsbooster

Süchtig nach „Wordle“? Warum das Lösen von Worträtseln gesund ist

Worträtsel Wordle auf einem Smartphone-Display
Millionen Menschen weltweit sind mittlerweile im „Wordle“-FieberFoto: picture alliance

Millionen Menschen spielen täglich „Wordle“ – was macht das simple Wortpuzzle eigentlich mit dem Gehirn? Laut Wissenschaft handelt es sich bei dem Spiel um ein stimmungsaufhellendes „Brain Food“.

Die ganze Welt scheint süchtig nach „Wordle“. Das 2021 entwickelte Worträtsel ist seit kurzem auch auf Deutsch verfügbar und erobert die Rate-Herzen im Sturm. Jeden Tag öffnen Millionen Menschen auf Neue ihren Browser, um das Wort des Tages zu lösen. Warum macht „Wordle“ so glücklich, und was passiert dabei im Gehirn? Die gute Nachricht: Diese Art von Spielsucht hält tatsächlich geistig fit und darf gerne zur Gewohnheit werden.

So funktioniert „Wordle“

Das Spielprinzip ist einfach wie genial: Ziel ist es, ein aus 5 Buchstaben bestehendes Wort herauszufinden. Dafür gibt es sechs Versuche und drei Hinweise. Ein grüner Hintergrund bedeutet, der Buchstabe ist an der richtigen Stelle, ein gelber heißt, der Buchstabe kommt im Wort vor, aber auf einem anderen Platz. Und grau bedeutet schließlich, dass dieser Buchstabe komplett ausgeschlossen werden kann. So knobelt sich der Spieler von Runde zu Runde ein Stück näher Richtung Lösungswort. Hat er es geschafft, muss er sich bis zum nächsten Morgen gedulden. Denn jeden Tag gibt es nur ein Wort und dieses ist für jeden das Gleiche – womit dieses Spiel obendrein ein verbindendes Element hat. Natürlich kann man sein Ergebnis stolz bei Social Media teilen, und zwar so, dass andere Spieler das Lösungswort nicht erfahren. Noch nicht auf den „Wordle“-Zug aufgesprungen? Hier geht’s zur deutschen Version.

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Was passiert im Gehirn, wenn wir „Wordle“ spielen?

Während des Spiels spielen sich im Gehirn zahlreiche Prozesse ab. Ähnlich wie bei dem Kultspiel „Scrabble“ müssen Buchstaben vor dem inneren Auge so hin und her geschoben und gemischt werden, bis es ein sinnvolles Wort ergibt. Mit ein bisschen Übung geht das irgendwann wie von selbst. So entdeckte eine Studie mit „Scrabble“-Freunden, dass diese in der Lage sind, Wortbedeutungen überdurchschnittlich schnell zu erkennen und zu verarbeiten. 1 Gehirn-Scans zeigten, dass beim Spielen andere Gehirnregionen als bei Neulingen genutzt werden – nämlich jene, die mit visueller Wahrnehmung verbunden sind. Sprich: Spiele wie „Scrabble“ und „Wordle“ sorgen dafür, dass das Gehirn blitzschnell kombiniert und Genauigkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit besser ausgeprägt ist als bei Nichtspielerin.

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Welche Vorteile bringen Worträtsel im echten Leben?

Was die „Wordle“-Sucht in Sachen Gehirngesundheit bringt, darüber ist sich die Wissenschaft noch uneinig. Allerdings gibt es Hinweise, dass besonders ältere Spieler von Worträtseln aller Art profitieren. Laut einer neueren Studie aus dem Jahr 2019 erkranken rätselnde Menschen seltener an Demenz und verfügen über ein stärkeres Gedächtnis beziehungsweise Erinnerungsvermögen.2 Indem sie täglich ihr logisches Denken trainieren und einer Aufgabe volle Aufmerksamkeit schenken, erweist sich die Gehirnleistung oft um Jahre jünger als das tatsächliche Alter. Damit sich der positive Effekt auch einstellt, scheint ebenso Freude am Rätseln ein bedeutender Faktor zu sein.

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Der Dopamin-Kick und der „Aha-Moment“

Wer bei „Wordle“ des Rätsels Lösung findet, wird mit einem kleinen Dopamin-Kick im Gehirn belohnt. Und genau dieses Dopamin lässt einem am Ball bleiben. Er sorgt dafür, dass ein neues Spiel gestartet wird und es einem nicht langweilig wird. Dabei spielt der sogenannte „Aha-Moment“ eine große Rolle. Die plötzliche Erkenntnis, der Lösung auf die Spur gekommen zu sein, ist ein großartiges Gefühl. Und sie trägt dazu bei, das Lösen von Problemen als eine angenehme Erfahrung abzuspeichern. Dies zeigte unter anderem auch eine brandneue Studie, die im Februar 2022 veröffentlicht wurde.3 Daraus könnte man schließen: Wer im Spiel Spaß hat, Probleme zu lösen, kommt vermutlich auch besser mit anderen kniffeligen Herausforderungen des Lebens zurecht.

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„Wordle“ ist eine wichtige Atempause in stressigen Zeiten

„Wordle“ nimmt nicht viel Zeit in Anspruch, da es jeden Tag nur ein Rätsel zu lösen gibt. Das macht es laut Experten wunderbar alltagstauglich. So ist das tägliche Spiel für Millionen Menschen zu einer wichtigen Atempause geworden, denn es blendet für einige Momente alle anderen Sorgen aus. Die amerikanische Hirnforscherin Renetta Weaver erklärt das in einem Interview mit dem US-Gesundheitsmagazin „veryWell“ so: „Wordle stellt eine Herausforderung dar, die unser Gehirn zu lösen motiviert ist. Wenn wir sie schaffen, bekommen wir einen Dopamin-Schub und wenn wir unsere Siege mit anderen teilen können, bekommen wir einen Oxytocin-Schub. Beide Hormone bringen Ruhe in unser Nervensystem und helfen dabei, uns zu entspannen. Wordle ist eine großartige Möglichkeit, Stress abzubauen. Der daraus resultierende Aha-Moment beruhigt unser Pandemie-gestresstes Gehirn.“

Quellen