19. März 2026, 11:30 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Tattoos oder nicht Tattoos – eine Frage der Persönlichkeit? Ist womöglich an den Klischees über Tätowierte etwas dran? Bei ihrer Suche nach Antworten machten Forscher aus Zypern interessante Entdeckungen.
Tattoos sind längst im Mainstream angekommen. Dennoch halten sich hartnäckig Vorurteile, etwa dass tätowierte Menschen impulsiver oder risikofreudiger seien. Sicher ist: Tätowierungen erfüllen soziale und psychologische Funktionen. Sie signalisieren Status, Zugehörigkeit, dienen der Selbstdarstellung sowie dem ästhetischen Ausdruck. Freigeist oder Rüpel? Forscher der Universität Nicosia wollten es genauer wissen und gingen der Frage nach, ob und in welchem Ausmaß Tattoos mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängen. Die aktuellen Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht wurden, zeichnen ein wesentlich differenzierteres Bild als die bisherige, doch recht dünne Studienlage.1
280 Männer und Frauen auf Zypern befragt
An der Untersuchung nahmen 280 Erwachsene im Alter zwischen 18 und 64 Jahren teil. Die Probanden wurden auf dem Universitätscampus sowie an nahegelegenen öffentlichen Orten wie Cafés rekrutiert. Knapp 60 Prozent von ihnen hatten mindestens ein Tattoo. Sie waren überdurchschnittlich gebildet, eher ledig und das Verhältnis von Männern und Frauen war ausgeglichen. Zur Erfassung der Persönlichkeit nutzten die Forschenden einen etablierten psychologischen Fragebogen (PID-5-BF), der fünf zentrale Persönlichkeitsdimensionen misst:
- Ungewöhnliche Denk- und Wahrnehmungsmuster
- Negative Emotionen (z. B. Ängstlichkeit, Unsicherheit)
- Sozialer Rückzug
- Antagonismus (z. B. Konfliktbereitschaft)
- Impulsivität (spontanes, aufbrausendes Verhalten)
Sagen Tattoos wirklich etwas über die Persönlichkeit aus?
Zunächst verglichen die Forscher tätowierte und nicht tätowierte Teilnehmer. Und tatsächlich: Menschen mit einem oder mehr Tattoos unterscheiden sich im Durchschnitt leicht von Menschen ohne Tattoos, insbesondere was Impulsivität betrifft. Die Abweichungen erwiesen sich jedoch als nicht besonders groß und sind daher nicht wirklich aussagekräftig. Die Forscher gingen bei ihrem Studiendesign jedoch noch etwas „tiefer unter die Haut“. Mithilfe eines sogenannten „Tattoo Coverage Tools“ markierten die Teilnehmenden zusätzlich auf einer Körperskizze, welche Bereiche genau tätowiert sind. Daraus wurde der prozentuale Anteil der tätowierten Körperoberfläche berechnet.
Überraschender Zusammenhang zwischen Tattoos und Hautkrebs
Gibt es die „Tattoo-Grippe“ wirklich?
Auf die Größe kommt es an
Dank dieses innovativen Blickwinkels wurde es doch noch interessant. Es machte weniger einen Unterschied, wie viele Tattoos jemand hatte, sondern wie viel Raum sie einnahmen. Je größer die tätowierte Gesamtfläche und damit die einzelnen Motive, desto eher zeigten sich zwei der bereits vermuteten Eigenschaften: Impulsivität und Konfliktbereitschaft. Die beteiligten Forscher erklären sich das so: Impulsivität, also die Neigung zu spontanem Verhalten, könnte der Grund dafür sein, dass man sich überhaupt tätowieren lässt. Die Neigung zu Konflikten könnte damit zusammenhängen, dass man sich immer wieder für weitere Tattoos entscheidet. Das ist jedoch nur eine Vermutung. Beweise dafür gibt es nicht.
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Keine Grundlage für Vorurteile!
Die Stichprobe ist begrenzt, wurde einmalig zu einem Zeitpunkt durchgeführt und beschränkt sich auf die Bevölkerung einer einzigen Insel. Zudem basieren die Daten komplett auf Selbstauskünften. Trotz interessanter Erkenntnisse sind Verzerrungen nicht ausgeschlossen. Fazit: Tattoos sind natürlich kein verlässlicher Indikator für die Persönlichkeit eines Menschen. Die Unterschiede zwischen tätowierten und nicht tätowierten sind im Durchschnitt gering und überschneiden sich stark. Dennoch könnten bestimmte Persönlichkeitsmerkmale dazu führen, dass sich Menschen tätowieren lassen. Schade, dass positive Aspekte von Tattoos für die Persönlichkeit, wie etwa Identität, Kreativität oder kulturelle Bedeutung, nicht berücksichtigt wurden.
Interessanter Ansatz, aber …
„Wir haben bei FITBOOK die vorliegende Studie mit Augenzwinkern betrachtet. Dass die Persönlichkeit etwas damit zu tun hat, ob man sich für Tattoos entscheidet oder nicht, ist meiner Meinung nach gar nicht so abwegig. Ich habe selbst zahlreiche Tattoos und finde mich, wenn ich ehrlich bin, bei der Zuschreibung der Eigenschaft Impulsivität wieder. Aber ich glaube, die Thematik ist wesentlich vielschichtiger, als sie in der Untersuchung abgebildet wird. Es ist doch nicht nur interessant, warum man überhaupt tätowiert und wie viel Haut von Tattoos bedeckt ist. Warum entscheide ich mich für diese Art von Tattoo und nicht für jene? Wieso für dieses Motiv und nicht für jenes? Warum verändere ich Jahre später ein Tattoo, vergrößere es zum Beispiel? Und warum mag ich Tattoos an den Armen, aber nicht an den Beinen? Sicher gibt es viele psychische Mechanismen sowie kreative Vorlieben, die ebenfalls eine Rolle spielen. Hier gibt es also noch viel Raum für Forschung.“