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Studie

Überraschend! Testosteron fördert wohl Kuschelbedürfnis bei Männern

Junger Mann umarmt und küsst Frau auf Couch
Kuscheln gilt oft nicht als sonderlich männlich – zu UnrechtFoto: Getty Images

Testosteron steigert bei Männern das Kuschelbedürfnis und fördert in Wahrheit ebenso soziales Verhalten? Eine neue Studie kommt zu dieser Erkenntnis. Das Hormon macht nicht nur aggressiv, sondern unter bestimmten Umständen äußerst anhänglich.

Testosteron wird eigentlich mit aggressivem Verhalten in Verbindung gebracht. Doch offenbar hat das Männer-Hormon komplexere, ja paradoxe Eigenschaften, wie US-Forscher der Emory University in Atlanta herausgefunden haben wollen. Testosteron steigert demnach auch das Kuschelbedürfnis und macht Männer sozial verträglicher – auch im Umgang mit Rivalen. Zumindest gilt dies für mongolische Rennmäuse, die übrigens monogam veranlagt sind. Da ein Großteil ihrer biologischen wie neuronalen Prozesse mit dem Menschen übereinstimmen, halten die Forscher ihre Erkenntnisse möglicherweise für übertragbar.

Eine neue Wahrheit über Testosteron?

Selbst der härteste Kerl ist hin und wieder lieb und anhänglich – das ist bekannt. Liegt das mitunter plötzlich auftretendes Kuschelbedürfnis vielleicht an einer Extra-Portion Testosteron? Die Mehrheit der Humanstudien zeigt, dass das Hormon aggressives Verhalten verstärkt. Aber ganz so simpel ist es wohl nicht. „Wir glauben, dass wir zum ersten Mal gezeigt haben, dass Testosteron neben Aggression auch nicht-sexuelles, prosoziales Verhalten bei ein und derselben Person direkt fördern kann“, erklärt Studienleiterin Prof. Aubrey Kelly in einer Universitätsmitteilung.1 „Das ist überraschend, denn normalerweise denken wir bei Testosteron an eine Steigerung des Sexualverhaltens und der Aggression.“ So fanden sie und ihr Team heraus, dass Testosteron mit dem Liebeshormon Oxytocin „zusammenarbeitet“, was den überraschenden Vorgang erklären könnte.

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Experimente mit mongolischen Rennmäusen

Mongolische Rennmäuse gehen dauerhafte Partnerschaften ein und ziehen ihre Jungen gemeinsam auf. Die Männchen gehen zudem sehr zärtlich mit ihrer Partnerin und ihren Nachkommen um, während sie gegenüber Eindringlingen sehr ungemütlich werden können. Eigenschaften, die den meisten Menschen sehr bekannt vorkommen dürften. In einem Experiment wurde männlichen Rennmaus bestimmten weiblichen Rennmäusen vorgestellt. Nachdem sie eine Paarbindung eingegangen waren und das Weibchen schwanger wurde, zeigten die Männchen das übliche Kuschelverhalten. Die Forscher verabreichten den verliebten Männchen eine Testosteron-Injektion in der Erwartung, dass es weniger anhänglich wird. Aber das Gegenteil trat ein: Das Testosteron steigerte sein Kuschelbedürfnis immens. „Er wurde ein sanfter, anschmiegsamer Superpartner“, fasst Kelly zusammen. Die Studie erschien aktuell in der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society Biological Sciences“ veröffentlicht.2

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Männliche Rivalen werden freundlich empfangen

Kelly und ihr Team gingen noch einen Schritt weiter: Sie entfernten die Weibchen aus den Käfigen, sodass jede männliche Rennmaus, die zuvor eine Testosteron-Injektion erhalten hatte, allein zurückblieb. Dann wurde ein unbekanntes Männchen gebracht. „Normalerweise jagt ein Männchen ein anderes Männchen, das in seinen Käfig kommt, oder versucht ihm auszuweichen“, so die Wissenschaftlerin. „Aber in diesem Fall wurde es freundlich empfangen.“

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Bei der zweiten Testosteron-Injektion war das Kuschelbedürfnis verschwunden

Das freundliche Verhalten änderte sich jedoch schlagartig, als den ursprünglichen männlichen Probanden eine weitere Testosteron-Injektion verabreicht wurde. Die Rennmaus wachte sprichwörtlich auf, so, als ob sie sich wieder daran erinnerte, dass es zu dem anderen Männchen gar nicht freundlich sein muss. Die zweite Dosis Testosteron erfüllte also wieder ihren alten bekannten Zweck.

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Je nach Kontext wirkt Testosteron offenbar anders

Einerseits steigert Testosteron bei Männern das Kuschelbedürfnis, andererseits macht es ablehnend und aggressiv. Wie ist das zu erklären? Anstatt nur einen „Ein“- oder „Aus“-Knopf zu drücken, um das Verhalten zu modulieren, spielen Hormone eine nuancierte Rolle. „Es scheint die Tendenz zu verstärken, kuschelig und beschützend oder aggressiv zu sein“, vermutet Prof. Kelly. Sie weiß aus früheren Forschungen, dass sich Oxytocin- und Testosteronsysteme im Gehirn überschneiden. Vermutlich arbeiten sie zusammen, da prosoziales Verhalten insgesamt für das Überleben förderlicher ist.

Quellen

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