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Sexualstudie

Hoher Testosteronspiegel könnte schuld daran sein, wenn Männer fremdgehen

Mann und Frau küssen sich leidenschaftlich
Sowohl Männer als auch Frauen haben Testosteron im Körper – das Sexualhormon wirkt sich bei ihnen jedoch offenbar ganz unterschiedlich ausFoto: Getty Images

Eine große britische Studie liefert neue Erkenntnisse über das Sexualverhalten von Männern und Frauen. Im Mittelpunkt steht der Einfluss von Testosteron. So tendieren Männer mit hohem Testosteron-Level offenbar eher zum Fremdgehen. Bei Frauen hat es einen anderen Effekt.

Testosteron ist nicht nur als das männliche Sexualhormon bekannt, sondern auch recht unrühmlich als Anabolikum. Etliche Sportler haben schon mit dem Hormon gedopt, um ihre körperliche Leistung zu steigern. Insofern ist Testosteron ein viel diskutiertes Hormon, das jedoch zu jedem Menschen dazugehört. Nun hat eine britische Studie neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie der Testosteron-Level die Sexualität sowohl bei Männern als auch bei Frauen beeinflusst.

Das kleine Testosteron-Einmaleins

Das männliche Sexualhormon Testosteron wird hauptsächlich in den Hoden und teilweise auch in den Nebennieren produziert. Es leitet bei Jungs die Pubertät ein, sorgt für eine tiefere Stimme und die Körperbehaarung. Neben dem Sexualtrieb steuert es das Knochen- und Muskelwachstum sowie die Fettverteilung im Körper. Mit etwa 20 Jahren ist der Testosteronspiegel des Mannes am höchsten und sink im Regelfall langsam im Laufe des Lebens ab.

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Auch Frauen produzieren Testosteron, allerdings in wesentlich geringeren Mengen. Das geschieht in den Eierstöcken und ebenfalls in den Nebennieren. Die Gesamtmenge des Testosterons beträgt etwa ein Sechstel dessen, was ein Mann im Durchschnitt aufweist. Bei Frauen beeinflusst es die Fruchtbarkeit sowie das Knochen und Muskelwachstum.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

In einer aktuell veröffentlichten britischen Studie zum Sexualverhalten von Männern und Frauen, die jetzt im „The Journal of Sex Research“ erschien, haben 3722 Menschen teilgenommen.1 Davon waren 1599 Männer und 2123 Frauen im Alter zwischen 18 und 74 Jahren. Ihr Testosteron-Level wurde erstmals mittels eines neuartigen Verfahrens aus Speichelproben bestimmt. Anschließend mussten die Probanden Fragen zu ihrem Sexualverhalten beantworten, beispielsweise wie viele Partner sie in den letzten Jahren hatten, ob sie erst kürzlich Sex hatten und wie oft sie masturbieren. Die Antworten wurden dann in Verbindung mit dem ermittelten Hormonspiegel der jeweiligen Probanden gesetzt.

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So wirkt sich mehr Testosteron bei Männern aus

Die erste große Erkenntnis der Studie: Männer, die einem höheren Testosteron-Level aufwiesen, hatten in den letzten fünf Jahren mit größerer Wahrscheinlichkeit mehr als nur einen Sexualpartner zur gleichen Zeit. Ein Hinweis darauf, dass ein hoher Testosteronspiegel Männer eher dazu verleiten könnte, fremdzugehen. Zudem hatten diese Probanden erst kürzlich den letzten Sexualverkehr gehabt, was ihnen grundsätzlich eine höhere sexuelle Aktivität bescheinigt.

Zusätzlich verweisen die Autoren auch auf andere Studien, die zeigen, dass Männer in verschiedenen Lebensumständen einen unterschiedlich hohen Testosteronspiegel aufweisen. So haben tendenziell Männer in Beziehungen einen niedrigeren Testosteron-Level als Single-Männer. Auch Väter weisen weniger Testosteron auf als kinderlose Männer. Als Grund dafür wird die Challenge-Theorie angeführt, die besagt, dass Single-Männer durch den höheren Testosteronspiegel motivierter sind, Sexualpartner zu suchen und häufiger Sexualpartner wechseln.2

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So wirkt sich mehr Testosteron bei Frauen aus

Bei Frauen führte ein hoher Testosteronspiegel zu einer anderen Erkenntnis: Sie masturbierten häufiger. Zudem hatten jene Frauen mit einer größeren Wahrscheinlichkeit schon mal die Erfahrung einer gleichgeschlechtlichen Beziehung gehabt. Die starke Verknüpfung zwischen einem höheren Testosteron-Level und der weiblichen Sexualität überraschte die Studienautoren. Denn bislang assoziierte man Testosteron mit dem sexuellen Verlangen von Männern. Nun müsse man weiterforschen, um den Zusammenhang zwischen Testosteron und dem sexuellen Verlangen von Frauen besser zu verstehen.

Quellen

  1. W. G. Macdowall, S. Clifton, M. J. Palmer, et al. (2021) Salivary Testosterone and Sexual Function and Behavior in Men and Women: Findings from the Third British National Survey of Sexual Attitudes and Lifestyles (Natsal-3) The Journal of Sex Research
  2. Grebe, N. M., Sarafin, R. E., Strenth, C. R., & Zilioli, S. (2019). Pair-bonding, fatherhood, and the role of testosterone: A meta-analytic review.  Neuroscience & Biobehavioral Reviews