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Songs von Taylor Swift besonders tückisch

Vor dem Schlafen besser keine Musik mit Ohrwurm-Potenzial hören

Ein junger Man hört Musik mit Kopfhörern
Musikhören vor dem Zubettgehen kann unter Umständen den Schlaf störenFoto: Getty Images

Musik am späten Abend sorgt für einen schlechten Schlaf – zumindest wenn es sich dabei um Popsongs mit Ohrwurm-Potenzial handelt. Das geht aus einer neuen Studie hervor. Brennen diese sich nämlich nach dem Hinlegen ins Hirn ein, ist an Ruhe nicht mehr zu denken.

Taylor Swifts Musik raubt Ihnen den Schlaf! Nicht, dass etwas gegen sie persönlich einzuwenden wäre. Allerdings haben ihre Songs – allen voran „Shake It Off“ – die Macht, sich als tückischer Ohrwurm im Gehirn festzusetzen. Und genau solche Musik, die sich gegen den Willen in Endlosschleife im eigenen Kopf abspielt, stört einer aktuellen Studie der Baylor University (Australien) zufolge den Schlaf – das Einschlafen sowie Durchschlafen. Wer spät abends noch auf die Playtaste drückt, sollte bei der Songauswahl also Vorsicht walten lassen.

Warum eine „Überdosis“ Musik den Schlaf stört

Musik hat ja im Allgemeinen den Ruf, die Stimmung zu heben und damit die Lebensqualität zu verbessern. Das stimmt auch, bestätigt Schlafforscher und Studienleiter Prof. Michael Scullin in einer Pressemitteilung1: „Aber manchmal ist es auch zu viel des Guten. Je mehr Musik man hört, desto wahrscheinlicher ist es, einen Ohrwurm zu bekommen. Wenn dieser bis zum Abend nicht verschwindet, leidet sehr wahrscheinlich der Schlaf darunter.“ Da er selbst oft von Ohrwürmern wach gehalten wurde, beschloss er der Sache auf den Grund zu gehen. Der komplettee Studienbericht erschien aktuell im Fachblatt Psychological Science. 2

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Schon ein nächtlicher Ohrwurm pro Woche hat negative Auswirkungen

Scullins erste Erkenntnis: Menschen, die nachts regelmäßig Ohrwürmer haben – ein oder mehrmals pro Woche – haben sechsmal häufiger eine schlechte Schlafqualität als Menschen, die selten von ihnen gequält werden. Überraschenderweise fand die Studie heraus, dass manche Instrumentalmusik doppelt so häufig Ohrwürmern führt als lyrische Musik. Gute Nachricht für Techno-Fans: Auch ihr Musikgeschmack dürfte diesbezüglich kaum negative Auswirkungen auf ihre Nachtruhe haben.

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Laborexperiment mit 50 Personen

Die Untersuchung umfasste ein Laborexperiment und eine Umfrage.  An der Umfrage nahmen 209 Teilnehmer*innen teil, die Fragen zu Schlafqualität, Musikhörgewohnheiten und Ohrwurmhäufigkeit während des Tages und nachts beantworteten. Ins Schlaflabor wurden 50 Personen geschickt. Während bei ihnen Gehirnströme, die Herzfrequenz sowie die Atmung gemessen wurden, versuchte ein Forschterteam ihnen in der Einschlafphase Ohrwürmer zu induzieren. Dafür verwendeten sie vor allem drei Songs: Taylor Swifts „Shake It Off‘“, Carly Rae Jepsens „Call Me Maybe“ und Journeys „Don’t Stop Believin“. Sie alle brachten die erwartete Wirkung, indem sich ein Ohrwurm im Schlaf als verlangsamte Schwingung bemerkbar machte, so Scullin: „Wir dachten, dass Menschen vor dem Schlafengehen Ohrwürmer haben würden, wenn sie versuchen einzuschlafen, aber wir wussten sicherlich nicht, dass die Leute berichten würden, dass sie regelmäßig mit einem Ohrwurm aus dem Schlaf aufwachen. Das haben wir sowohl in der Umfrage als auch in der experimentellen Studie gesehen.“

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Wer viel Musik hört, hat auch öfter Ohrwürmer im Schlaf

Die Studie ergab, dass Personen mit ausgeprägteren Musikhörgewohnheiten zu anhaltenden Ohrwürmern und einer Verschlechterung der Schlafqualität neigen. Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zur Vorstellung, dass Musik beim Einschlafen hilft. Gesundheitsorganisationen empfehlen im Allgemeinen, vor dem Zubettgehen leise Musik zu hören. In dieser Untersuchung hat Scullin dagegen objektiv gemessen, dass im schlafenden Gehirn auch dann noch Musik „spielt“, wenn der Player längst verstummt ist. Sein Tipp: Intensiven Musikgenuss lieber auf morgens verschieben – besonders, wenn es sich um Popsongs handelt.

Quellen:
1: Pressemitteilung der Baylor Universität (2021): Music listening near bedtime disruptive to sleep, Baylor study finds
2: Scullin, M. et al. (2021): Bedtime Music, Involuntary Musical Imagery, and Sleep