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Natürliches Aphrodisiakum: Das taugt die Lustpflanze Yohimbe

Yohimbe
Der Wirkstoff Yohimbin bringt das Blut sprichwörtlich in Wallung
Foto: Getty Images

Sex-Mittelchen, die dem Mann bei „Standschwierigkeiten“ helfen oder einfach nur einen kleinen Extra-Kick bescheren, gibt es ungefähr so lange, wie es Menschen gibt. Klar, viele der angepriesenen Elixiere, Pülverchen und Kapseln entpuppen sich als wirkungslos. Doch in Afrika wächst ein wundersamer Baum mit einem Stoff, dessen luststeigernde Wirkung heute als wissenschaftlich belegt gilt – Yohimbe. Auch Experten raten: ausprobieren!

Casanova soll bis zu 50 Austern am Tag geschlürft haben, andere schwören auf Vanille, Sellerie oder rohen Kakao. Aber hilft das auch wirklich? Der Münchner Urologe und Sexualmediziner Dr. Axel-Jürg Potempa weiß, dass die Wirkung von sogenanntem „Lust Food“ höchstens sehr unterschwellig daherkommt oder auf den berühmten Placebo-Effekt zurückzuführen ist. „Wer nicht auf chemische Präparate, sondern auf natürliche Mittel zurückgreifen möchte, ist mit Yohimbe tatsächlich am besten beraten. Außerdem ist es rezeptfrei in der Apotheke erhältlich“, rät der Experte. Wie bitte, Yohimbe? Noch nie gehört? Dann wird es vielleicht höchste Zeit.

Tropische Potenzkraft

Der Yohimbe-Baum stammt ursprünglich aus den Regenwaldgebieten Kameruns, also direkt vom Äquator. Im 19. Jahrhundert beobachteten Missionare, wie die dort lebenden Volksgruppen aus den Blättern und der Rinde des Yohimbe-Baumes eine Substanz gewannen. Diese Substanz, Yohimbin, schien es Männern wie Frauen zu ermöglichen, selbst nach langen, extrem heißen Tagen voller Jagen und Arbeiten lustvoll in den Hütten zu verschwinden. Das Interesse war geweckt.

So brachten Pioniere die geheimnisvolle Pflanze nach Europa, wo sich zahlreiche Chemiker, Ärzte und Pharmazeuten an ihre Untersuchungen und Versuche machten – zunächst an Tieren. So heißt es in einem Bericht von 1886: „Bei Hunden hingegen übte Yohimbin eine unzweifelhafte Wirkung auf die Genitalien aus. Es traten sehr lebhafte Erektionen auf …“ Ein anderer Tierarzt stellte „denkbar günstige Wandlungen bei deckfaulen Hengsten und Bullen“ fest. Mittlerweile sind natürlich auch Studien an Menschen durchgeführt wurden, von denen viele zu ähnlich vielversprechenden Ergebnissen kamen.

Yohimbe

Die Rinde eines Yohimbe-Baums, der den Wirkstoff Yohimbin enthält

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Wie Yohimbe auf Körper und Gehirn wirkt

„Schuld“ daran ist hauptsächlich das nach dem Baum benannte Yohimbin, das gleich auf zwei Ebenen wirkt. Zum einen hemmt es Bereiche im Gehirn, die für Stress verantwortlich sind, so dass weniger Versagensängste und sorgenvolle Gedanken entstehen können. Auch kommt es zu einer leicht vermehrten Ausschüttung der Glücksbotenstoffe Serotonin und Dopamin. Zum anderen lässt es das Blut vom ganzen Körper aus in den Beckenbereich und damit in die Schwellkörper strömen, was beim Mann für die Erektion und bei der Frau für eine gut durchblutete Klitoris sorgt. Ergo, alles fühlt sich intensiver an. Und das ganz ohne Chemiekeule à la Viagra und Co.

Yohimbin wirkt aber nicht bei allen

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber doch, wie Potempa anmerkt. „Yohimbe, beziehungsweise Yohimbin, wirkt nur bei jedem Zweiten. Warum das so ist, ist nicht geklärt. Allerdings sollte es einen nicht davon abhalten, es einmal auszuprobieren.“ Obwohl viele Frauen positive Erfahrungen mit der Substanz gesammelt haben, gibt es bis jetzt nur aussagekräftige Studien, die sich ausschließlich mit Männern befasst haben. „Was Forschung und weibliche Lust betrifft, da hängen wir ganz klar 15 Jahre zurück, zum Glück ändert sich das langsam.“

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Lust entsteht im Kopf und das lässt sich nutzen

Lust ist eine ziemlich komplexe Sache. Mal will der Kopf nicht, aber der Körper sagt was anderes, mal will der Kopf, aber der Körper spielt nicht mit. Yohimbe kann einen Beitrag dazu leisten, beides wieder mehr in Einklang zu bringen. Es kann aber auch bei Paaren, bei denen es im Bett gut läuft, für einen netten Extra-Kick sorgen. „Ob therapeutisch über den Tag verteilt oder einmalig als etwas höhere Dosis nur zum Spaß, beides ist absolut in Ordnung. Yohimbe ist relativ risikofrei, sofern man nicht übertreibt. Deshalb sollte man sich auch langsam herantasten. Bleiben Nebenwirkungen wie Herzrasen, Überreiztheit, Kopfschmerzen oder Schwindel aus, steht einem genussvollen und verantwortungsbewussten Gebrauch nichts im Weg“, so der Experte.

Eine gute Idee sei es außerdem, aus der Yohimbe-Einnahme ein sinnliches Ritual zu machen. Man blickt sich dabei tief in die Augen und ist offen für all das, was auch immer kommen mag. So entsteht ein Gefühl der Verschworenheit und damit auch Verbindung. Allein das sei schon luststeigernd, ganz unabhängig von Substanzen. Dr. Potempa weiter: „Libido ist Kopfsache, und Begehren nehmen wir besonders intensiv über die Augen des anderen wahr. Deshalb ist es auch so wichtig, sich anzuschauen. Denn so entsteht Harmonie und ganz plötzlich schaukeln sich die Partner in ihrer Lust gegenseitig hoch. Ein klassischer Feedback-Mechanismus.“ Wo also nichts ist, kann Yohimbe auch nicht viel machen, es ist kein magischer Liebestrank, der sich selbst oder den anderen von alleine in die wildesten Lustwelten katapultiert. Es kann sich aber als tolles Helferlein erweisen, wenn es darum geht, sich einfach mal wieder dem Liebesvergnügen hinzugeben, ohne dass Kopf und Körper – sei es durch negative Gedanken, Ängste, Selbstzweifel oder müde Lenden – sich als Spielverderber erweisen.

Zum Abschluss: Eine sogenannte erektile Dysfuntion kann viele Gründe haben und ist in der Regel nicht mit ein paar Pillen zu beheben. So ist es ratsam, bei tief sitzenden Problemen, die Selbstwertgefühl und Partnerschaft bereits stark belasten, immer einen Arzt aufzusuchen. Spontane Selbstmedikationen, die an dem Kern der eigentlichen Ursache vorbeigehen, helfen da nicht. Es handelt sich bei Yohimbe um ein natürliches Produkt, das lediglich einen „sexy Anstoß“ in die richtige Richtung geben kann.

Dr. Axel-Jürg Potempa ist Urologe, Androloge, Sexual- unf Partnerschaftsmediziner sowie Buchautor und lebt und arbeitet in München. Mehr Informationen über ihn finden Sie auf seiner Website und seinem öffentlichen Facebook-Profil.