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Studie

Viele Menschen wachen nachts bis zu 100-mal auf, ohne es zu merken 

gesunder Schlaf: Frau im Bett
Laut einer neuen Studie sorgt ein bestimmtes Hormon für viel Aktivität in unserem Körper, während wir schlafenFoto: Getty Images

Ist häufiges Aufwachen ein Zeichen für schlechten Schlaf? Die meisten Menschen glauben, dass die Nachtruhe ununterbrochen sein muss. Falsch! Eine neue Studie hat nun herausgefunden, dass man während eines gesunden Schlafs bis zu hundertmal aufwacht – und das ist gut fürs Gehirn.

Dänische Forscher haben ein neues wichtiges Puzzleteil bezüglich der Frage entdeckt, was im Gehirn passiert, wenn wir schlafen. Wir schlummern nämlich gar nicht acht Stunden durch – auch wenn es sich manchmal so anfühlt – sondern wachen bis zu hundertmal pro Nacht auf. Dafür sorgt das Stresshormon Adrenalin. Klingt beunruhigend? Ist es aber nicht, denn die nächtlichen Adrenalinschübe sind wichtig für eine gesunde Hirnfunktion.

Wie das Stresshormon Noradrenalin uns aus dem Schlaf reißt

Stresshormone und gesunder Schlaf – das passt eigentlich nicht zusammen. Das dachte auch bis vor Kurzem die Wissenschaft. Denn frühere Untersuchungen deuteten darauf hin, dass Noradrenalin während des Schlafs inaktiv ist, heißt es in einer Mitteilung der Universität Kopenhagen.1 Daher waren die Forscher überrascht, zu sehen, wie aktiv Noradrenalin im Schlaf wirklich ist. Die neue Studie zeigt, dass der Noradrenalinspiegel im schlafenden Gehirn in einem wellenförmigen Muster ständig zu- und abnimmt. Hohe Noradrenalinspiegel bedeuten, dass das Gehirn kurz wach ist, während niedrige Noradrenalinspiegel bedeuten, dass man wirklich tief schlummert. Das Ganze passiert bis zu hundertmal pro Nacht. Und das sollte es während eines gesunden Schlafs sogar.

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Nächtliches Aufwachen kann bedeuten, dass man besonders gut geschlafen hat

In der Studie, die in der Zeitschrift „Nature Neuroscience“ veröffentlicht wurde, entdeckten die Wissenschaftler einen weiteren interessanten Aspekt: Je ausgeprägter sich die Wellen zeigten – also tiefe Täler und hohe Peaks –, desto gesünder der Schlaf.2 Hohe Peaks erhöhen allerdings die Wahrscheinlichkeit, bewusst zu erwachen. Ein gutes Zeichen, sagt Studienleiterin Celia Kjærby: „Dies legt nahe, dass kurzfristiges Erwachen ein natürlicher Teil der Schlafphasen im Zusammenhang mit dem Gedächtnis ist. Es kann sogar bedeuten, dass Sie wirklich gut geschlafen haben.“

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Dank der Mini-Wachmomente sind wir am nächsten Tag ausgeruht

Die allermeisten Wachmomente sind so kurz, dass der Schlafende es gar nicht merkt. Aber sie sind wichtig, um am nächsten Tag leistungsfähig zu sein, erklärt Mitautorin Dr. Maiken Nedergaard: „Wir haben die Essenz für den Teil des Schlafs entdeckt, der uns ausgeruht aufwachen lässt und uns befähigt, uns an das zu erinnern, was wir am Vortag gelernt haben. Wir haben herausgefunden, dass der erfrischende Teil des Schlafs von Noradrenalin-Wellen angetrieben wird. Und das ist wichtig für das Gedächtnis.“ Das kurze Erwachsen hilft dem Gehirn also, Erinnerungen zu speichern, bevor es wieder in den Tiefschlaf fällt.

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Nächtliche Adrenalinschübe sorgen bei Mäusen für ein „Supergedächtnis“

Schlaf tut uns bekanntlich gut – in mehrfacher Hinsicht. Es entfernt Abfallprodukte, beugt Alzheimer vor und verbessert unser Gedächtnis. Letzteres war auch ein Schwerpunkt dieser Studie, und die Ergebnisse legen nahe, dass die Probanden (in diesem Fall Mäuse) mit der höchsten Anzahl tiefer Noradrenalin-Täler auch diejenigen mit dem besten Gedächtnis waren. „Die Mäuse entwickelten ein ‚Supergedächtnis‘. Sie hatten weniger Probleme, sich an Dinge zu erinnern, die sie am Vortag gelernt hatten. Das deutet natürlich darauf hin, dass die Noradrenalin-Dynamik jene Schlafprozesse stärkt, die unser Gedächtnis beeinflussen.“ Das viele Aufwachen ist also Teil eines gesunden Schlafes, schlussfolgert die Studie.

Und auch wenn die Forscher Mäuse untersucht haben, lassen sich ihre Erkenntnisse aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Menschen übertragen, da sie sich auf grundlegende biologische Mechanismen konzentriert haben – also Mechanismen, die allen Säugetieren gemeinsam sind.

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