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Laut Forschung

HIIT ist nicht nur gut für den Körper, sondern auch fürs Gedächtnis

Frauen auf dem Fahrrad
HIIT ist zwar sau anstrengend, scheint aber gut für unser Gedächtnis zu seinFoto: Getty Images

Dass Bewegung dem menschlichen Gedächtnis guttut, ist an sich noch keine „Breaking News“. Aber Fitness-Freunde aufgepasst: Laut der Wissenschaft sollen insbesondere HIIT-Workouts die Gedächtnisleistung verbessern können. Umso mehr übrigens, wenn sie mit Gehirnjogging-Übungen kombiniert werden.

Mit Intervalltraining das Gedächtnis in Schwung bringen? Dies dürfte nicht nur für junge Leute interessant sein, sondern vor allem auch für aktuelle und zukünftige Senioren. Schließlich entwickeln sich Demenzformen wie Alzheimer immer mehr zu einer Volkskrankheit, was frühzeitige Prävention noch wichtiger macht. Grund genug, uns einmal genauer anzuschauen, was die Wissenschaft zum Thema HIIT-Training zur Verbesserung des Gedächtnisses zu sagen hat.1

Wie lief die HIIT-Studie ab?

Wissenschaftler der kanadischen McMaster University haben untersucht, inwieweit körperliches Training die Erinnerungskapazität fördern kann. Ihre Workout-Wahl fiel dabei auf HIIT, also High Intensity Interval Training. Schließlich könne man bei HIIT besonders schnelle und ausgeprägte Trainingsreize erwarten, so Prof. Jennifer Heisz, Leiterin der Studie.

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Insgesamt 95 Probanden konnten für die Untersuchung gewonnen werden, denen gemein war, dass sie zuvor keinem Sport nachgingen. Die Studienteilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt. Die ersten beiden Gruppen mussten drei Mal pro Woche für ein 20-minütiges HIIT-Workout aufs Ergometer steigen. Mit dem Unterschied, dass die zweite Gruppe zusätzlich noch 20 Minuten Gedächtnisübungen machte. Die dritte Gruppe diente als Kontrollgruppe und hatte lediglich zur „Aufgabe“, an ihrem Lebensstil nichts zu ändern.

Signifikant verbessertes Gedächtnis bei HIIT-Trainierenden

Vor Beginn der Studie wurden die Probanden in puncto Fitness- und Gedächtnisleistung untersucht. Außerdem wurde ihr BDNF-Spiegel getestet (BDNF steht für brain-derived neurotrophic factor und ist ein Eiweiß, das im Zusammenhang mit dem Wachstum und der Funktionsweise von Gehirnzellen steht). Nach sechs Wochen wurden die Probanden erneut untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass Gruppe 1 und 2 zum Teil erheblich besser bei den Gedächtnistests abschnitten.

Bei den Tests handelte es sich um sogenannte high-interference memory tasks, bei denen man sich ähnliche Gesichter einprägen und anschließend voneinander unterscheiden musste. Und die Gedächtnisleistung (auch in Sachen BDNF-Wert) stieg desto deutlicher an, je mehr sich auch die Fitnesswerte in der Zeit verbessert hatten. Gleichzeitig war der Gedächtnis-Boost bei Gruppe 2 insgesamt am höchsten – also bei der Gruppe, die neben körperlichem Training auch Gedächtnisübungen absolvierte.

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Stresshormone hemmen Gedächtnisverbesserung

Übrigens gab es auch Ausnahmen in Gruppe 1 und 2, also Personen, deren Gedächtnisleistung sich nicht nachweislich verbesserte. Hier glauben die Wissenschaftler, dass die betroffenen Personen einfach nicht geschaffen waren für HIIT-Workouts. Und zwar dergestalt, dass bei diesen Probanden der sportliche Teil der Untersuchung zur Ausschüttung von Stresshormonen führte – die bekanntlich für unser Hirn mehr Hemmschuh als Hilfe sind. Das Hormon blockiert eine mögliche Verbesserung des Gedächtnisses während des HIIT-Workouts.

Darum planen Prof. Heisz und ihre Kollegen eine Folgestudie, bei der auch weniger intensive Trainingsformen Berücksichtigung finden sollen.

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Vergesslichkeit im Alter bekämpfen

Die Erkenntnisse sind Prof. Heisz zufolge dennoch wichtig, weil sich die Gedächtnisleistung in der Studie schon nach so kurzer Zeit verbessert hatte. Zudem haben die Probanden – vor allem aus Gruppe 2 – bessere Leistungen auch bei solchen Gedächtnisübungen gezeigt, die nicht Teil des Trainings waren. Jetzt gilt es herauszufinden, inwieweit die Ergebnisse auch älteren Menschen im Kampf gegen altersbedingte und pathologische Vergesslichkeit helfen könnten.

Trainingstipps der Studienautoren

Gegenüber der New York Times gab Prof. Heisz allen Lesern noch einen Tipp mit auf den Weg, wie sie die Erkenntnisse der Studie beim nächsten Workout nutzen können: „Ich würde vorschlagen, sich die Einzelheiten eines Bildes oder einer Landschaft einzuprägen.“

Also, holen Sie vorm nächsten Training einfach das schönste Bild Ihrer Liebsten oder Ihres Liebsten raus und versinken Sie in all seinen herzerwärmenden Details. Ihr Gedächtnis kann vom gekoppelten HIIT-Training nur profitieren.

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HIIT als Anti-Aging Waffe

HIIT-Training könnte allerdings nicht nur das Gedächtnis verbessern und damit dem geistigen Altern entgegenwirken, sondern auch beim körperlichen Verfall die Bremse drücken. Laut einer Studie aus dem Jahr 2019 hält HIIT-Training nämlich die Zellen jung, wie die Forscher anhand von Untersuchungen an den Enden von Chromosomen – die sogenannten Telomere – ihrer Probanden feststellen konnten. Telomere sind die Schutzkappen an unseren Zellen, die sich verkürzen, je älter wir werden. Kurze Telomere werden mit einer Vielzahl von Alterskrankheiten in Verbindung gebracht.

Bei der Studie wurden 124 Probanden in vier Gruppen unterteilt: eine Lauf-Gruppe, eine HIIT-Gruppe, eine (gerätegestützte) Krafttraining-Gruppe und eine Kontrollgruppe, die keinen Sport machte. Sechs Monate lang mussten die Probanden dreimal die Woche für 45 Minuten trainieren. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Telomerlänge bei Probanden der Krafttraining-Gruppe und der Kontrollgruppe nicht verändert hatten, während bei Probanden der Lauf- und HIIT-Gruppe die Telomerase-Aktivität um das Zweifache zunahm. Noch ein Grund mehr, das Intervalltraining ins tägliche Sportprogramm zu integrieren.2

Quellen