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Frauen betrifft es nicht

Häufige Trennungen machen Männer körperlich krank

Trennungen Männer: Ein Mann sitzt nachdenklich auf dem Sofa
Männer scheinen mit Herzschmerz und dem Alleinsein weniger gut klarzukommen als Frauen – mit Folgen für ihre GesundheitFoto: Getty Images

Von wegen einsamer Wolf – Männer brauchen Liebe! Und zwar eine, die von Bestand ist. Denn einer neuen Studie zufolge machen Einsamkeit und häufige Trennungen Männer nicht nur seelisch zu schaffen, sondern körperlich krank. Interessant: Frauen betrifft das nicht.

Scheidung, Trennungen, Alleinleben – für Männer mittleren Alters nicht nur psychischer Stress, sondern womöglich eine tödliche Gefahr. Denn bei Betroffenen entdeckte ein Forscherteam der Universität Kopenhagen einen besonders hohen Anteil bestimmter Entzündungsmarker im Blut. Diese werden unter anderem mit Herzinfarkt, Schlaganfällen, Krebs, Demenz und somit einem drohenden frühen Tod in Verbindung gebracht.

Untersuchung mit 4800 Männern und Frauen zwischen 48 und 62 Jahren

Dass Menschen, die jahrelang allein leben oder eine Trennung durchmachen, womöglich schneller krank werden, wird schon länger vermutet. Für die aktuelle Studie wollten die Forscher daher herausfinden, wie sich eine gehäufte Anzahl von Trennungen beziehungsweise die Jahre des Alleinlebens auf die Gesundheit auswirken. Und auch, ob Geschlecht und Bildungsstand Einfluss darauf haben. Die Untersuchung stützt sich daher auf Informationen von 4835 Männern und Frauen aus der „Copenhagen Aging and Midlife Biobank (CAMB)“, die alle zwischen 48 und 62 Jahre alt sind.

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Entzündungsmarker in Blutproben gemessen

Neben Häufigkeit von Trennungen oder Scheidungen wurden die allein gelebten Jahre wie folgt kategorisiert: unter einem Jahr, definiert als Referenzgruppe, da dies sehr häufig vorkommt und als normal angesehen wird; zwei bis sechs Jahre; und sieben oder mehr Jahre. Außerdem dokumentierten die Forscher neben Alter und Bildungsstand auch Gewicht, größere Lebensereignisse, Medikamenteneinnahme und Krankengeschichte der Probanden. All das wurde mit den beiden im Blut messbaren Entzündungsmarkern Interleukin 6 (IL-6) und C-reaktives Protein (CRP) in Verbindung gebracht. Diese führen wiederum zu kleinen Entzündungen, von denen angenommen wird, dass sie bei mehreren altersbedingten Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes eine Schlüsselrolle spielen, heißt es in der im  „Journal of Epidemiology & Community Health“ veröffentlichten Studie.1

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Für welche Männer sieht es besonders schlecht aus?

Eine oder mehrere Trennungen hat jeder zweite durchgemacht und auch die Hälfte der Untersuchten lebt alleine. Das verhielt sich bei beiden Geschlechtern ähnlich. Auffallend: Bei Männern, die besonders viele Trennungen hinter sich haben und überdurchschnittlich gebildet sind, wurden die meisten Entzündungsmarker gefunden. Sie wiesen 17 Prozent höhere Werte auf als diejenigen in der Referenzgruppe.  In ähnlicher Weise waren die Entzündungsmarker in der Gruppe, die die meisten Jahre alleine gelebt hatte (7 oder mehr), um bis zu 12 Prozent höher. Und in beiden Fällen betraf es nur die Männer, bei Frauen fanden sich keine solchen Assoziationen.

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Warum machen Trennungen Männer krank?

Leider gibt es bislang nur Mutmaßungen, warum Einsamkeit und Beziehungsabbrüche die körperliche Gesundheit speziell von Männern anzugreifen scheint. Nach Ansicht der Studienautoren könnte der geschlechtsspezifische Unterschied darauf zurückzuführen sein, dass Entzündungen bei Männern tendenziell öfter auftreten als bei Frauen. Und dass dieser Unterschied sowohl mit dem Alter als auch mit der emotionalen und körperlichen Belastung wie Einsamkeit oder Ablehnung zunimmt. Außerdem, so heißt es in der Medienmitteilung der Universität, neigen Männer nach Trennungen zu selbstzerstörerischem Verhalten wie z.B. übermäßigem Alkoholkonsum, während Frauen anders leiden oder Halt in ihren Frauenfreundschaften suchen.2

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Das männliche Immunsystem leidet mit steigender Anzahl von Beziehungsabbrüchen

„Sich zu trennen oder ein paar Jahre alleine zu leben, stellt kein höheres Krankheitsrisiko dar“, schreiben die an der Studie beteiligten Forscher. „Aber die Kombination von vielen alleine verbrachten Jahren und mehreren Trennungen hat in unserer Studie gezeigt, dass sie sowohl den CRP- als auch den IL-6-Spiegel beeinflusst.“ Darüber hinaus betonen die Wissenschaftler: „Die Entzündungswerte in unserer Studie sind niedrig, aber sie sind auch signifikant, klinisch relevant und höchstwahrscheinlich ein Risikofaktor für eine erhöhte Sterblichkeit.“ Besonders in den westlichen, einkommensstarken Ländern nimmt die Zahl der Einpersonenhaushalte immer weiter zu. Während Frauen damit vermutlich etwas besser zurechtkommen, ist Einsamkeit und wiederholt erlebter Trennungsschmerz für Männer also offenbar ein weiterer Risikofaktor von vielen.

Quellen

  1. Davidsen K, Carstensen S, Kriegbaum M, et al. (2022) Do partnership dissolutions and living alone affect systemic chronic inflammation? A cohort study of Danish adults. Journal of Epidemiol & Community Health 
  2. BMJ. (2022). Years lived alone and/or serial break-ups strongly linked to inflammation in men