Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Iron Cage Kraftübungen Alle Themen
Um bis zu 10 Prozent!

Fluchen beim Training kann laut Studie die Kraft steigern

Fluchen beim Sport – so wirkt es laut Studie
Fluchen Sie vor dem Anheben schwerer Gewichte? Wenn nicht, sollten Sie mal ausprobieren, wie es auf Ihre Leistung wirkt. Foto: Westend61
Artikel teilen
Anna Echtermeyer
Redakteurin

11. März 2026, 4:26 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ein Schimpfwort – und plötzlich mehr Power? Zwei Experimente zeigen: Wer vor einer kurzen Kraftanstrengung flucht, bringt messbar mehr Leistung. Fluchen wirkt offenbar wie ein schneller mentaler Schalter – es baut Hemmungen ab, stärkt das Selbstbewusstsein und mobilisiert kurzfristig körperliche Reserven. Und das ganz ohne Hilfsmittel, kostenlos und sofort verfügbar. Wie ist das zu erklären?

Studie: Fluchen steigert Kraft um bis zu 10 Prozent

Wissenschaftler der Keele University in Staffordshire, Großbritannien, haben untersucht, ob und warum das Wiederholen eines Schimpfworts die Leistung bei kurzen, intensiven Kraftaufgaben verbessern kann. Eines der Ergebnisse: Fluchen führt zu einer messbaren Steigerung der Kraft – bis zu zehn Prozent. Ein anderes: Fluchen steigert offenbar das Selbstbewusstsein. Die Studie wurde 2022 im „Journal of Experimental Psychology“ veröffentlicht.1

Hauptautor der Untersuchung ist Dr. Richard Stephens. Er ist Psychologe an der Keele University und hat in der Vergangenheit bereits mehrere Studien zu den positiven Effekten des Fluchens (z. B. zur Schmerzlinderung) veröffentlicht. Die Forscher wollten nicht nur herausfinden, ob das Fluchen einen positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und Risikobereitschaft hat, sondern auch, was für Mechanismen dahinterstecken.

So gingen die Forscher vor

An den Untersuchungen nahmen insgesamt über 170 Freiwillige an verschiedenen Tests teil. Die Forscher ließen die Teilnehmer in zwei Versuchsreihen verschiedene Aufgaben lösen: von Kraftübungen bis hin zu einem riskanten Computerspiel mit virtuellen Luftballons.

Zuerst mussten die Teilnehmer zwei Arten von Wörtern festlegen: Ein Schimpfwort, das sie beispielsweise benutzen würden, wenn sie sich den Kopf stoßen (wie „Fuck“ oder „Mist“) und ein neutrales Wort, mit dem man einen Tisch beschreiben kann (wie „hart“ oder „hölzern“).

Dann mussten sie zwei verschiedene sportliche Übungen absolvieren. Zur Messung der Griffkraft drückten sie so fest wie möglich auf ein spezielles Messgerät (Dynamometer). In einem zweiten Versuch stützten sie sich mit den Händen an der Sitzfläche eines Stuhls ab und mussten ihr gesamtes Körpergewicht so lange wie möglich in der Luft halten (Chair Push-up). Vor jedem Test wiederholten sie zehn Sekunden lang entweder ihr Schimpfwort oder das neutrale Wort.

Um zu sehen, ob Fluchen mutiger macht, spielten die Teilnehmer ein Computerspiel. Sie sollten virtuelle Luftballons aufpumpen. Für jeden Pumpstoß gab es Punkte bzw. Geld. Je voller der Ballon wird, desto eher platzt er. Wenn er platzt, ist der Gewinn für diesen Ballon verloren. Die Forscher maßen, ob die Testpersonen nach dem Fluchen öfter auf den Knopf drückten und somit mehr Risiko eingingen.

Um die Gefühle zu untersuchen, füllten die Teilnehmer nach den Aufgaben Fragebögen aus. Die Forscher wollten wissen, was genau im Kopf passiert: Fühlt man sich durch das Fluchen selbstbewusster, ist man abgelenkt oder findet man die Situation einfach lustig?

Vor der Übung 10 Sekunden lang Fluchen oder neutrales Vergleichswort wiederholen

Die Probanden wiederholten vor jedem Test zehn Sekunden lang entweder ein Schimpfwort oder ein neutrales Vergleichswort. Jeder Teilnehmer machte beide Durchgänge.

Auch interessant: Warum wir mit uns selbst reden – und was das über uns verrät

Hauptergebnis: Fluchen steigert körperliche Kraft um 8 bis zu 10 Prozent

Das zentralste Ergebnis der Studie ist, dass Fluchen die körperliche Leistung bei kurzen, intensiven Kraftanstrengungen zuverlässig verbessert. Die Probanden erzielten signifikant höhere Griffkraft, wenn sie ein Schimpfwort wiederholten, im Vergleich zu neutralen Wörtern. Durchschnittliche Steigerung: Acht Prozent. Beim Halten des Körpergewichts (Chair Push-up) hielten die Teilnehmer nach dem Fluchen im Schnitt zehn Prozent länger durch.

„Das Fluchen scheint einen Zustand der sogenannten ‚Hot Cognition‘ hervorzurufen, der uns hilft, alltägliche Ängste und Sorgen herunterzuspielen. Dies kann in einigen Situationen zu Vorteilen führen zum Beispiel bei der körperlichen Stärke, die sich darin zeigt, dass unsere Teilnehmer den Liegestütz auf dem Stuhl nach dem Fluchen länger halten können“, erklärt der Hauptautor der Studie Dr. Richard Stephens.

Allerdings: Die Forscher konnten keine Steigerung der autonomen Erregung (wie z. B. erhöhten Herzschlag) feststellen, die den Kraftzuwachs erklären würde. Warum genau der Körper stärker reagiert, bleibt auf rein physischer Ebene weiter ungeklärt.

Die Forscher liefern stattdessen psychologische Erklärungsversuche.

Woran liegt’s? Humor laut Forschern wichtiger Faktor

Es zeigte sich, dass Humor (erfasst über ein einzelnes VAS-Item: „Das Wiederholen des Wortes war lustig oder humorvoll“) den Zusammenhang zwischen Fluchen und Chair-Push-up-Leistung statistisch vermittelte. Teilnehmer, die das Fluchen als lustig oder humorvoll empfanden, konnten offenbar die größte Kraft mobilisieren.

Auch interessant: Beim Lachen schaltet das Gehirn auf glücklich

Mehr zum Thema

Weitere Ergebnisse: Selbstvertrauen, Risikobereitschaft, Emotionen

  • Besonders interessant ist auch, dass Fluchen offenbar das „Zustands-Selbstvertrauen“ (State Self-Confidence genannt) erhöht! Also das momentane, situative Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, das sich im Gegensatz zu stabilen Persönlichkeitseigenschaften schnell ändern kann. Die „State Self-Confidence“ misst, wie sicher man sich in einem bestimmten Augenblick – etwa vor einer Prüfung oder Präsentation – fühlt.
  • Fluchen steigerte überdies die Risikobereitschaft (gemessen an dem Test, bei dem virtuelle Ballons aufgepumpt werden).
  • Weiterhin steigerte das Wiederholen von Schimpfwörtern das Empfinden positiver Gefühle wie Begeisterung, schreiben die Forscher. Und: Schimpfwörter wirkten stärker ablenkend als neutrale Wörter, was theoretisch zur Enthemmung beiträgt, aber im Test keinen direkten Einfluss auf die Kraftleistung zeigte.

Bedeutung der Studie und Schwächen

Die Studie zeigt zwar robuste Effekte bei der Kraft – Fluchen kann offenbar als effektives Werkzeug zur Überwindung innerer Barrieren in physischen Belastungssituationen dienen.

Die genauen Hintergründe dieses Effekts stehen aber noch auf wackeligen Beinen. Mit nur 56 Teilnehmern war die Stichprobengröße in der ersten Versuchsreihe relativ gering. Die Daten für Experiment (Griffkraft und Chair Push-up) stammten aus zwei verschiedenen Studien mit unterschiedlichen Abläufen. In einem Teil bekamen die Probanden das Wort „Fuck“ vorgegeben, im anderen durften sie selbst ein Wort wählen. Auch die Dauer der Wort-Wiederholungen variierte zwischen den Aufgaben. Der Faktor Humor, der als wichtigster Vermittler für die Kraftsteigerung identifiziert wurde, wurde lediglich über eine einzelne, einfache Skala abgefragt. Die Forscher geben selbst zu, dass diese Methode „unbeholfen“ war und es ihr an Validität mangeln könnte.

Quellen

  1. Stephens R, Dowber H, Barrie A, et. al. (2022): Effect of swearing on strength: Disinhibition as a potential mediator. Quarterly Journal of Experimental Psychology. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.