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Kein Scherz

Wer beim Sport flucht, kann Kraft und Selbstbewusstsein steigern 

fluchen sport: Junge Frau beim Krafttraining
Sie schimpfen bzw. fluchen beim Training gerne? Gut so, besagt jetzt eine Studie.Foto: Getty Images

Zugegeben, das klingt ein wenig nach einem Aprilscherz. Aber eine Studie fand tatsächlich heraus, dass das Fluchen positive Effekte auf uns hat. Vor allem beim Sport treibe es uns an, ans körperliche Limit zu gehen. Doch auch im Alltag könne es uns helfen, so die Studien-Forscher.

Das Fluchen ist verpönt. Wer flucht, der hat sich nicht gut unter Kontrolle oder zumindest schlechte Umgangsformen. Und so hört man in unserer Gesellschaft, die Selbstbeherrschung und Selbstoptimierung zu einem hohen Gut erhob, immer seltener Schimpfwörter fallen. Nun belegt eine Studie, dass Fluchen auch nützlich sein kann – auch beim Sport. Britische Forscher von der Keele University in Staffordshire haben nämlich untersucht, welche Auswirkungen das Fluchen auf die körperliche Leistung hat.1

Einfluss des Fluchens mit drei Experimenten untersucht

Die Wissenschaftler wollten nicht nur herausfinden, ob das Fluchen einen positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und Risikobereitschaft hat, sondern auch, was für Mechanismen dahinterstecken. So wurden für die Studie 56 Studenten der Keele University rekrutiert. 24 von ihnen waren männlich, 32 weiblich.

Für die Studie mussten die Probanden an drei Experimenten teilnehmen:

  1. Zunächst wurde die Griffkraft der Studenten gemessen. Dabei sollten sie zehn Sekunden lang ein Schimpfwort wie „Fuck“ aussprechen, bevor mit einem Gerät ihre Griffstärke gemessen wurde. Zum Vergleich wurde das gleiche Experiment mit einem neutralen Wort durchgeführt, das einen Tisch beschreiben sollte.
  2. Im zweiten Versuch sollten sie zehn Luftballons einzeln per Knopfdruck aufblasen. Für jeden Aufblasvorgang eines Ballons erhielten die Studenten 0.25 Punkte. Je voller sie die Ballons aufbliesen, ohne das diese platzten, sammelten sie mehr Punkte, die später als Geld ausgezahlt wurden. Platze ein Ballon, bevor man auf den Knopf „Geld einsammeln“ drückte, gingen die gesammelten Punkte und somit das Geld verloren.
  3. Beim dritten Experiment wurde die körperliche Stärke gemessen. Dazu sollten die Studenten einen Liegestütz am Stuhl ausführen, indem man sich mit den Händen an der Sitzfläche abstützte. Auch hier sollte vorher zunächst ein Schimpfwort zehn Sekunden lang ausgesprochen werden. Zum Vergleich wurde das Experiment auch mit einem neutralen Wort durchgeführt.

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Fluchen steigert Leistungsfähigkeit und Risikofreude

Bei der Auswertung der Daten fanden die Forscher bei allen drei Experimenten starke Einflüsse des Fluchens. So hatten die fluchenden Probanden nicht nur eine stärkere Griffkraft, sondern waren risikofreudiger und pumpten mehr Luft in die Luftballons. Das Risikoverhalten stieg um acht Prozent, wenn vor dem Aufpumpen des Ballons ein Schimpfwort ausgesprochen wurde im Vergleich zu einem neutralen Wort. Und die Studenten hielten auch länger im Liegestütz am Stuhl durch, wenn sie vorher schimpften. Es zeigt sich also: Fluchen kann ein Weg sein, im Alltag oder beim Sport das Beste aus sich herauszuholen.

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Mögliche Gründe für den positiven Einfluss des Fluchens

„Das Fluchen scheint einen Zustand der sogenannten ‚Hot Cognition‘ hervorzurufen, der uns hilft, alltägliche Ängste und Sorgen herunterzuspielen. Dies kann in einigen Situationen zu Vorteilen führen zum Beispiel bei der körperlichen Stärke, die sich darin zeigt, dass unsere Teilnehmer den Liegestütz auf dem Stuhl nach dem Fluchen länger halten können“, erklärt der Hauptautor der Studie Dr. Richard Stephens.

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Tipp: Fluchen mit Humor nehmen

Zudem spiele der humorvolle Aspekt des Fluchens eine wichtige Rolle. Es sei ein psychologischer Weg zur Steigerung der körperlichen Stärke. „Wir haben Beweise für mehrere mögliche psychologische Wege geliefert, auf denen dies geschehen kann, die alle mit der Verringerung der Selbstbeherrschung oder dem ‚Loslassen‘ zusammenhängen – aber Humor, die lustige Seite des Fluchens, stellte sich als der wichtigste der von uns bewerteten Faktoren heraus“, sagt Dr. Stephens.

So würden zum Beispiel Comedians längst den Zusammenhang zwischen dem Lachen und einem richtig platzierten Schimpfwort kennen und bei ihren Auftritten nutzen, behauptet der Wissenschaftler. Und genau das könne auch uns im Alltag helfen. Einfach mal ein Schimpfwort fallen lassen, damit wir etwas weiter ans Limit gehen können. Und es ist auch völlig okay, zu fluchen, wenn man sich irgendwo gestoßen oder verletzt hat. Dieses Dampfablassen lässt uns den Schmerz besser verkraften. Dabei staunt man manchmal über sich selbst, was einem aus dem Mund entwichen ist. Wenn man dann darüber selbst lachen kann, ist das ein durchaus positiver Effekt, der uns loslassen lässt.

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