Kommentar

Eine kleine Liebeserklärung ans Schwimmengehen

Mann mit Bart schwimmt im Meer
Schwimmengehen ist eine Herzensangelegenheit für unseren Autor
Foto: Getty Images

Auch wenn viele bei Schwimmen an überfüllte Freibäder oder den lästigen Schulsport denken müssen, findet unser Autor: Nur wenige Sportarten können Schwimmen das Wasser reichen.

Ich kann nicht behaupten, dass ich ein großer Schwimmprofi bin, ich kann ja nicht mal richtig kraulen. Ich kann auch nicht behaupten, dass ich regelmäßig schwimmen gehe. Aber ich kann euch versichern: Jedes Mal, dass ich meinen faulen Hintern ins Freibad schleppe und seelenruhig meine Bahnen schwimme, stelle ich mir diese eine Frage. Warum zum Teufel war ich schon so lange nicht mehr schwimmen? Ihr seht also, Beziehungsstatus: kompliziert. Trotzdem soll das hier eine kleine Liebeserklärung an das Schwimmengehen werden. Und das aus guten Gründen.

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Wenn ich mich ins Wasser fallen lasse, steigt sofort meine Stimmung. Klingt kitschig, ist aber so. Langsam und bewusst bringe ich meine müden Arme und Beine in Bewegung und spüre, dass ich von meinem Körper nichts mehr spüre. Endlich wieder schweben, endlich wieder schwerelos. Langsam werde ich schneller und tauche ab. Jetzt habe ich nicht nur das Gefühl, fliegen zu können, ich höre auch nichts mehr. Absolute Stille.

Übrigens: Man sagt ja gerne, dass man vor seinen Problemen nicht davonlaufen kann. Bei mir stimmt das. Wenn ich joggen gehe, bin ich nur am Grübeln. Das hat fast schon was von Paarlaufen, weil die Probleme mir nicht von der Seite weichen. Beim Schwimmen hingegen kann ich buchstäblich abtauchen – außer meiner Atmung habe ich dann nichts auf dem Schirm.

Weil Freibäder in Berlin am Wochenende den Charme von testogeladenen Irrenhäusern versprühen, gehe ich gewöhnlich vor der Arbeit schwimmen. Das hat nicht nur den Vorteil, dass man Schlägereien unter Halbstarken aus dem Weg geht, man sichert sich so auch noch den perfekten Wachmacher-Start in den Tag. Und wer morgens schon schwimmen war, hat dann auch keine Gewissensbisse, wenn der Nachtisch nach dem Mittagessen mal wieder heftigst mit einem flirtet.

Und wenn ich dann doch mal am Wochenende im Freibad aufschlage, dann war ich die Nacht davor bestimmt mit meinen Landratten unterwegs. Nichts wirkt bei (meinem) Kater nämlich revitalisierender als ein paar Bahnen im kühlen Nass. Einmal Konterbecken, bitte.

Passend dazu: Das passiert im Körper, wenn wir restalkoholisiert trainieren

Doch damit nicht genug: Schwimmengehen hat noch einen weiteren klaren Benefit in meinen Augen. Man schwitzt nicht wie ein Bekloppter – oder kriegt es zumindest nicht mit. Das ist einer der größten Nervtöter beim Joggen. Ab einem bestimmten Punkt bin ich mehr damit beschäftigt, mir den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen, als auf die Strecke zu achten.

Und auch aus sportlicher Sicht ist Schwimmen bockstark, weil man damit seinen ganzen Körper trainiert (Arme, Beine und die Core-Muskulatur) und gleichzeitig Cardio pumpt. Außerdem schont man dabei noch seine Gelenke. Gerade für ältere Menschen ist das ein großes Plus.

Ihr seht also, es gibt gute Gründe, häufiger mal die Badehose einzustecken. Ob nun Wannsee oder woanders.

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