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Mit Erfahrungsbericht

Ayahuasca – Studie zur Wirkung des halluzinogenen Tranks auf die psychische Gesundheit

Ayahuasca
Ayahuasca wird bei Heilung-Suchenden zunehmend populärer. Eine Studie hat die Wirkung des Getränks auf die DNA untersucht.Foto: picture alliance / Zoonar | Eskymaks

Ayahuasca wird als halluzinogener Trank im Rahmen spiritueller Rituale zur Bewusstseinserweiterung und schlussendlich Heilung eingesetzt. Eine Studie hat jetzt untersucht, welchen Einfluss Ayahuasca auf die menschliche DNA hat. Bei FITBOOK schildert außerdem jemand seine ganz persönlichen Erfahrungen mit Ayahuasca.

Ursprünglich südamerikanischen Schamanen und Heilern vorbehalten, wird Ayahuasca zunehmend auch bei Europäern, Nordamerikanern und Australiern beliebt. Zahlreiche Reisende begeben sich jährlich nach Südamerika, um dort an traditionellen Ayahuasca-Zeremonien teilzunehmen und letztendlich Heilung für Themen zu erfahren, die sie belasten. Neugier spielt oft ebenfalls eine Rolle. Eine britische Studie mit 63 Probanden hat jetzt untersucht, wie sich Ayahuasca auf die menschliche DNA und die mentale Gesundheit auswirkt.

Was ist Ayahuasca?

Ayahuasca ist ein halluzinogen wirkendes Gebräu. Es wird im Rahmen spezieller, spiritueller Zeremonien getrunken, um das Bewusstsein zu erweitern. Ursprünglich machten die indigenen Bevölkerungsgruppen des westlichen Amazonasbeckens davon Gebrauch. Traditionelle Rituale sind in Brasilien, Bolivien, Peru, Venezuela, Kolumbien und Ecuador zu finden. Heute werden sie jedoch auch weit über den südamerikanischen Kontinent hinaus veranstaltet, etwa in Europa oder Australien.

Der rein pflanzliche Trank wird meistens aus der tropischen Lianenart Banisteriopsis caapi und dem Chacruna-Strauch oder Psychotria viridis gekocht. Der hauptsächliche Wirkstoff der Psychotria viridis ist das halluzinogene N,N-Dimethyltryptamin (kurz: DMT).

Körperliche Reaktionen auf Ayahuasca

Der Konsum von Ayahuasca führt zu einer Erweiterung des Bewusstseins. Die emotionale Wahrnehmung sowie die Selbstreflexion werden gefördert. Körperliche Reaktionen sind neben einem erhöhten Blutdruck oft Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Während der Konsum von Ayahuasca in vielen südamerikanischen Ländern sowie auch in den USA, Kanada und den Niederlanden im Rahmen der Zeremonien toleriert wird, ist der Besitz oftmals illegal. In Deutschland fällt DMT laut Betäubungsmittelgesetz unter die „nicht verkehrsfähigen Betäubungsmittel“, Besitz und Handel sind entsprechend strafbar.

Für Studie wohnten 63 Probanden Ayahuasca-Zeremonien bei

Forschende verschiedener britischer Universitäten und medizinischer Einrichtungen haben in ihrer Studie den Einfluss Ayahuascas auf die mentale Gesundheit untersucht. Das Ziel: herausfinden, „ob der zeremonielle Gebrauch von Ayahuasca mit positiven Auswirkungen auf die psychische Gesundheit verbunden sein kann, wenn er in einem indigenen Rahmen mit Grundlagen in den Shipibo-Traditionen des peruanischen Amazonas verwendet wird“. Untersucht wurden laut den Autoren „das Ausmaß von Depressionen, Angstzuständen, Selbstmitgefühl und globalem Stress bei gesunden Freiwilligen vor und nach einem Ayahuasca-Retreat“. Die Autoren erklären, dass jeder Teilnehmer vor der Aufnahme einen Online-Fragebogen ausfüllen musste, der Informationen zur psychischen und physischen Gesundheit sowie zur Einnahme von Medikamenten abfragte. Ausschlusskriterien waren demnach „bekannte Diagnosen von Psychose, Schizophrenie, bipolaren affektiven und Persönlichkeitsstörungen“.

Die Kriterien legte die Ayahuasca Foundation fest. Das Ayahuasca-Retreat- und -Forschungszentrum liegt im amazonischen Regenwald nahe Iquitos in Peru. Hier wohnten die 63 Probanden auch den Ayahuasca-Zeremonien bei. An der Studie nahmen 35 Männer und 25 Frauen zwischen 19 und 63 Jahren teil. 42 von ihnen gaben laut der Studie an, keine diagnostizierten psychiatrischen Störungen zu haben. 15 berichteten jedoch von Depressionen, 15 von Angstzuständen, fünf von Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) und fünf von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD). 27 Teilnehmer gaben außerdem an, bereits einen problematischen Konsum von Substanzen erlebt zu haben, einschließlich Alkohol, Tabak oder Koffein.

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Angewandte psychologische Testverfahren

Zu den Methoden der Studie gehörten verschiedene, standardisierte psychologische Testverfahren. Darunter das Beck-Depressions-Inventar (BDI-II), State-Trait-Anxiety-Inventory (STAI), Self-compassion Scale (SCS) und Clinical Outcomes in Routine Evaluation-Outcome Measure (CORE-OM). Außerdem gab es Messverfahren zu autobiografischem Gedächtnis und Kindheits-Traumata sowie Erhebungen zu subjektiven, mystischen Erfahrungen. Die Messungen erfolgten direkt vor und nach dem Retreat sowie erneut nach sechs Monaten. Die Teilnehmer gaben zudem Speichelproben zur epigenetischen Analyse vor und nach dem Ritual ab.

Ergebnisse der Studie

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Frontiers in Psychiatry“ veröffentlicht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass sowohl Depressionen, Angstzustände als auch globaler Stress nach dem Gebrauch von Ayahuasca im zeremoniellen Rahmen signifikant abnahmen. Gleichzeitig stieg das Selbstmitgefühl an. Die Verbesserungen hielten auch nach sechs Monaten weiterhin an, sodass die Autoren auf „ein Potenzial für dauerhafte therapeutische Wirkungen schließen“. Die epigenetischen Befunde waren laut den Studien-Autoren zweideutig und bedürfen weiterer Untersuchungen. Hinsichtlich des autobiografischen Gedächtnisses gab es keine signifikanten Veränderungen, jedoch eine positive Tendenz.

Forscher warnen vor „Ayahuasca-Tourismus“

Trotz der durchweg positiven Ergebnisse sprechen die Forscher eine klare Warnung aus. Da das Interesse an Ayahuasca weiter wächst, rücken Themen wie Sicherheit und kulturelle Aneignung laut den Autoren in den Vordergrund. Die fehlende Regulierung in Peru habe dazu geführt, „dass sich Personen ohne entsprechende Ausbildung und Erfahrung als ,Schamanen‘ bezeichnen“. Das führe möglicherweise „zu gefährlichen Praktiken“, heißt es in dem Papier. Obwohl Ayahuasca traditionell als Sakrament angesehen werde, befänden sich viele Retreat-Zentren im Amazonas im Besitz von Westlern. Dass diese Ayahuasca und andere Pflanzen nutzten, um mit dem Gebrauch finanzielle Gewinne zu erwirtschaften, sei fragwürdig. „Angesichts der Risiken in Bezug auf die Sicherheit und die kulturelle Sensibilität der jeweiligen Praktiken, ist es von entscheidender Bedeutung, dass Wissenschaftler und Öffentlichkeit gleichermaßen vorsichtig vorgehen”, mahnen die Forscher.

Ayahuasca – eine persönliche Erfahrung

Peter C., ganzheitlicher Coach und Personal Trainer beschreibt bei FITBOOK seine Erfahrung mit Ayahuasca:

„Ich habe knapp 30 Mal Ayahuasca genommen. Jedes Mal war es anders, aber das erste Mal war wohl das intensivste. Einfach zusammengefasst hat es mich auf emotionaler Ebene mit meinem tiefsten Trauma konfrontiert, dem Tod meiner Mutter als ich neun Jahre alt war. Und es hat mir nicht mehr erlaubt, wegzuschauen. Ich habe da erst realisiert, dass ich das mein Leben lang gemacht und den Schmerz immer so gut wie möglich vermieden hatte. Das Ayahuasca hat mich zurück in meine Vergangenheit gebracht. Ich war plötzlich wieder der neunjährige Junge, mit derselben Verwirrtheit und Angst, dem Schmerz, der Trauer und der Sehnsucht. All die Erfahrungen kamen zurück, die ich damals nicht verarbeiten konnte, weil ich selbst nicht dazu in der Lage war und von außen nicht die Unterstützung bekam, die ich gebraucht hätte. Das Ayahuasca wurde sozusagen diese Unterstützung und auch das Bewusstsein, das ich damals nicht hatte. Aber eigentlich ist man es selbst beziehungsweise das eigene Unterbewusstsein. Deshalb funktioniert es wahrscheinlich auch, weil es einen sehr direkt mit den eigenen Ressourcen verbindet, um durch diese schwierigen Emotionen oder Dinge, die geheilt werden müssen, gehen zu können.

Vorbereitung ist wichtig

Praktisch und physisch haben mich bei diesem ersten Mal zwei Freunde unterstützt, die mit mir da waren. Die beiden hatten schon Erfahrung und waren wirklich für mich da, mit allem was hochkam. Viel mehr als der Schamane, dessen Aufgabe das eigentlich war. Idealerweise ist es natürlich der Schamane oder der Mensch, der die Zeremonie eben leitet, der den Raum für alles schafft, was da hochkommt und natürlich auch Erfahrung mit der Medizin selbst hat. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass er oder sie Ayahuasca versteht. Deshalb finde ich auch eine gewisse Vorbereitung wichtig, wenn man Ayahuasca probieren möchte. Ich empfehle, mit der Person im Vorhinein zu sprechen und ein Gefühl für sie zu entwickeln.

Ich weiß, dass viele Leute da quasi einfach reinspringen, ohne es je ausprobiert zu haben und ohne sich mit jemand Erfahrenem auszutauschen. Die fliegen dann nach Südamerika, weil sie glauben, man müsse die ganz traditionelle südamerikanische Ayahuasca-Zeremonie erleben, um es „richtig“ zu machen. Und dann landen sie in Zirkeln mit 80 Leuten, da ist die Chance, dass man wirklich Unterstützung bekommt, eher gering. Ich glaube nicht, dass allein, weit weg von zu Hause und der eigenen Kultur unbedingt das beste Umfeld ist, in dem man es das erste Mal probieren sollte. Ich denke, Vertrautes und eine Art Fundament und soziales Netzwerk in der Nähe zu haben, ist der bessere Weg. Und man sollte bereit sein und das Gefühl haben, dass es richtig für einen ist.

Keine pauschale Empfehlung

Ich war bei meinem ersten Mal Ayahuasca in der wohl tiefsten Depression meines Lebens. Trotzdem würde ich es nicht jedem mit Depressionen einfach pauschal empfehlen. Ich glaube nicht, dass es für jeden der richtige Weg ist. Ich glaube allerdings, dass Ayahuasca Menschen mit Depressionen helfen kann (solange sie keine Antidepressiva oder ähnliche Medikamente nehmen!). Es gibt diesen Spruch, dass du nicht Ayahuasca, sondern Ayhuasca dich findet. So war es bei mir auch. Ich habe schon ein Jahr, bevor ich es ausprobiert habe, davon gehört. Und an dem Punkt, an dem ich es versucht habe, fühlte es sich richtig an, obwohl ich auch Angst hatte. Letzten Endes war Ayahuasca für mich der Start, der mich zu anderen Heilmethoden wie etwa Meditation gebracht hat. Der Startpunkt für mich, mich mit mir und meiner Geschichte auseinanderzusetzen und alte Traumata zu heilen.“