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Risiko im Alltag

Abgebrochen, ausgefallen – wie verhält man sich bei Zahnunfällen richtig?

Zahnunfälle: Junge Frau zeigt Zahnlücke in ihrem Mund
Abgebrochen oder ausgefallen – Zahnunfälle passieren. FITBOOK erklärt, wie man sich in so einem Fall richtig verhält.Foto: istock/Daria

Es läuft einem der Schauer den Rücken runter, wenn man sich einen Zahnbruch vorstellt. Dabei passiert es nicht nur Kindern beim Toben oder Sportlern am Limit, sondern auch völlig unverhofft zu Hause auf der Couch beim Nüsseknabbern. Ein gebrochener Zahn ist immer ein Schockmoment. Doch wie handelt man da am besten? FITBOOK hat alle Fragen und Antworten zu Zahnunfällen zusammengetragen.

Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahren treten Zahnunfälle sehr häufig auf. Laut der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) erleidet rund die Hälfte von ihnen einen Zahnbruch oder ausgeschlagenen Zahn. Denn egal, ob beim wilden Toben zu Hause, im Schwimmbad oder beim Sport, die Gefahr lauert überall dort, wo Kinder und Jugendliche besonders viel Spaß haben.  

Doch auch Erwachsene können unverhofft einen Zahnunfall erleiden – sowohl bei sportlichen Aktivitäten als auch bei einer Unachtsamkeit im Alltag. Vor allem beim Essen ist die Gefahr groß, denn wer kennt es nicht: Eine winzig kleine Nussschale, die sich zwischen den Nüssen in der Verpackung versteckt hat, ein Steinchen zwischen Salatblättern oder ein fieser Obstkern, auf den man unerwartet beißt – schnell ist der Zahn abgebrochen oder eine Zahnfüllung zerbröselt. Doch wie handelt man da richtig? Wir haben verschiede Szenarien für Sie aufgelistet und sagen Ihnen, wie Sie sich in der Notsituation am besten verhalten. 

Die Zahnfüllung ist herausgefallen

Da die Haltedauer von Zahnfüllungen zeitlich begrenzt ist, fallen sie früher oder später aus – egal ob beim Kauen von harten Lebensmitteln oder einfach aus heiterem Himmel beim Fernsehen auf der Couch. Je nachdem, welches Material verwendet und an welcher Stelle im Gebiss es eingesetzt wurde, kann eine Füllung vier bis 15 Jahre halten.  

In Vergleich zu anderen Zahnunfällen ist eine kaputte Zahnfüllung relativ harmlos, denn man muss das zerbröselte Stück nicht aufbewahren. Doch auch hier sollte man so bald wie möglich zum Zahnarzt. Denn zum einen können sich in dem offenen Zahn Speisereste und Bakterien sammeln und eine Entzündung hervorrufen. Zum anderen kann das offene Loch im Zahn so tief sein, dass auch die Zahnwurzel geschädigt wird.  

Außerdem ist man sich als Betroffener oftmals nicht sicher, ob nur eine Zahnfüllung herausgefallen ist oder vielleicht doch ein Stück vom Zahn abgebrochen ist. Auch hier kann nur ein Zahnarzt Gewissheit schaffen.  

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Der Zahn ist locker und verschoben

Besonders beim Sport oder beim Herumtoben zwischen Kindern kann es zu einem Schlag gegen die Zähne oder zu einem unglücklichen Sturz auf das Gebiss kommen. Je nachdem wie der Aufprall erfolgt, kann der Zahn eingedrückt oder verschoben sein. Manchmal ist er nach dem Unfall auch locker und lässt sich bewegen.  

Auf gar keinen Fall sollte man selbst Hand anlegen! Bloß nicht den Zahn zurechtrücken, herausziehen oder an dem lockeren Zahn herumspielen. Hier sollte man schnellstmöglich einen Zahnarzt aufsuchen. Dieser kann den Zahn wieder richtig positionieren und mit einer Schiene für rund zwei Wochen fixieren, bis er wieder fest im Zahnfleisch verwachsen ist.  Dann ist eine Nachkontrolle wichtig, um sicherzugehen, dass der Zahnnerv im Inneren des Zahns nicht geschädigt wurde.  

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Der Zahn ist abgebrochen (Zahnfraktur)

Ist ein kleines Stück vom Zahn abgebrochen, sollte man es möglichst wiederfinden und sofort feucht aufbewahren. Am besten eignet sich dafür eine sogenannte Zahnrettungsbox aus der Apotheke. Diese enthält eine spezielle Zellnährlösung und stabilisiert den pH-Wert des abgebrochenen Zahnstücks. Notfalls (für einen kurzen Zeitraum) eignen sich auch kalte H-Milch, Speichel oder eine Plastikfolie. Es ist wichtig, das abgebrochene Stück feucht zu lagern, da es binnen weniger Minuten austrocknet und sich verfärben kann.  

Anschließend sollte man sich an einen Zahnarztnotdienst wenden, denn in vielen Fällen kann der Zahnarzt mit einem speziellen Kunststoffkleber das abgebrochene Stück wieder an seiner ursprünglichen Stelle befestigen.  

Ist ein großes Stück vom Zahn abgebrochen, besteht die Gefahr, dass der im Inneren befindliche Zahnnerv freigelegt wurde. Dieser ist mit der Blutbahn verbunden und versorgt den Zahn mit Nährstoffen. Wenn er sich entzündet oder geschädigt wird, führt das oft zum Absterben des ganzen Zahns. Deswegen muss in diesen Fällen sofort ein Zahnarzt aufgesucht werden. Auch hier sollte das abgebrochene Stück, wenn möglich, feucht oder in einer Zahnrettungsbox transportiert werden.

Der Zahn ist ausgeschlagen

Ein ausgeschlagener Zahn ist das Worst-Case-Szenario. Doch wenn man Ruhe bewahrt und richtig handelt, kann der Zahnarzt ihn wieder einsetzen und somit retten. Nur Milchzähne von Kindern werden meistens nicht wieder eingesetzt, um die darunter liegenden Zähne nicht zu beschädigen. 

So gehen Sie am besten vor, wenn ein Zahn ausgeschlagen wurde:

  • Falls eine Blutung aufgetreten ist, stillt man sie, indem man auf ein Stück sauberes Stofftuch oder einen sterilen Verband beißt  
  • Zusätzlich kann man die betroffene Stelle von außen kühlen, damit sie nicht anschwillt 
  • Den abgebrochenen Zahn nach Möglichkeit finden 
  • Den Zahn auf keinen Fall reinigen oder an der Zahnwurzel (wo die Zellen sitzen) anfassen, sondern nur an der Zahnkrone berühren 
  • Die Zahnwurzel kann binnen weniger Minuten austrocknen. Deswegen sollte man den Zahn sofort in eine Zahnrettungsbox legen (bekommt man in jeder Apotheke)  
  • So schnell wie möglich einen Zahnarzt aufsuchen 

Ist der Zahn noch in einem guten Zustand, kann er tatsächlich erhalten werden. Entscheidend ist hierbei, dass er nach dem Verlust sofort feucht aufbewahrt wird, um eine Austrocknung der Zahnwurzel zu verhindern. 

Kann der Zahn nicht mehr gerettet werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten beim Zahnarzt einen künstlichen Zahnersatz zu erhalten, der sich optisch von den übrigen Zähnen kaum unterscheidet. 

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So transportiert man den Zahn richtig

Ist ein Zahn abgebrochen oder ausgeschlagen, muss er sofort feucht aufbewahrt werden, damit er nicht austrocknet. Optimal geeignet ist hierfür die sogenannte Zahnrettungsbox. Diese gibt es in jeder Apotheke, aber auch Sportvereine, Schwimmbäder, Kindergärten und Schulen können oftmals über eine verfügen. Wenn man den Zahn innerhalb von 20 Minuten in die Box mit dem speziellen Nährstoff legt, können die Zellen an der Zahnwurzel bis zu 48 Stunden überleben. Nochmal ganz wichtig: Den ausgefallenen Zahn nie an der Zahnwurzel anfassen und auch nicht reinigen, da sonst die lebenden Zellen zerstört werden. 

Ungeeignet für einen Zahntransport sind die Trockenlagerung, Wasser, ein feuchtes Taschentuch sowie die Mundhöhle (Gefahr des Verschluckens). Im Speichel (in einem Gefäß gesammelt) oder in Plastikfolie eingewickelt, kann man den Zahn 15 bis 30 Minuten transportieren. Für bis zu 30 Minuten eignet sich eine Kochsalzlösung aus der Apotheke. In haushaltsüblicher H-Milch kann der Zahn ein bis zwei Stunden aufbewahrt werden und in der Zahnrettungsbox sind es bis zu 48 Stunden.   

Nach einem Zahnunfall sollten Sie zunächst schnellstmöglich den Zahnarztnotdienst kontaktieren.

Bundesweite Orte, die über eine Zahnrettungsbox verfügen, finden Sie hier: https://toothrescueconcept.info/ 

Quellen