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Nach Wurzelkanalbehandlung

Wie gefährlich sind „tote Zähne“ für die Gesundheit?

Computer-Illustration von Zahnwurzelkanälen
Durch die Wurzelkanäle der Zähne verlaufen u. a. sensible Nervenfasern und BlutgefäßeFoto: Getty Images

Die Begriffe Wurzelkanalbehandlung und „toter Zahn“ lösen bei vielen Menschen ein Unbehagen aus. Nun kursieren auch noch vermehrt Gerüchte im Internet, dass wurzelbehandelte Zähne – im Volksmund als tote Zähne bezeichnet – der Gesundheit schaden könnten. Doch stimmt das wirklich? FITBOOK ist dem Mythos nachgegangen.

Auf fachliche Richtigkeit geprüft von
Dr. med. dent. M.Sc. M.Sc. Martin Jaroch, Zahnmediziner mit den Schwerpunkten Parodontologie, Implantattherapie sowie Kieferorthopädie bei Kindern und Erwachsenen

Viele Menschen haben es schon selbst erlebt: ein stechender oder pochender Schmerz im Zahn, den man kaum aushält. In diesem Fall hat sich wahrscheinlich der Zahnnerv (auch Zahnmark oder Pulpa genannt) im Inneren des Zahns entzündet. Eine Wurzelkanalbehandlung befreit Patienten nicht nur von dem Schmerz. Dieser hat außerdem noch die Chance, den Zahn zu erhalten. Die radikale Alternative dazu: den Zahn ziehen. Da der Verlust eines Zahns einen teuren Ersatz nach sich zieht, ist die Wurzelkanalbehandlung immer die erste Wahl. Was bleibt, ist ein sogenannter „toter Zahn“. Kann dieser zum gesundheitlichen Problem werden? Und ist er tatsächlich tot? Wir haben nachgeforscht. 

Wie kommt es zu einer Entzündung im Zahninneren? 

Wenn Zähne nicht gründlich gereinigt werden, können Bakterien den Zahn angreifen und führen so zu Karies. Bei einer unbehandelten Karies wandern die Bakterien weiter bis zur Zahnwurzel, die im Zahnfleisch sitzt. So können sie ins Zahninnere eindringen und eine Entzündung des Zahnnervs verursachen. Dieser Prozess ist schleichend und kann sich über Jahre hinweg ziehen. Umso wichtiger ist es, vorbeugend auf eine gute Mundhygiene zu achten – FITBOOK verrät 9 Tipps, um die eigene Mundflora zu verbessern

Woran erkennt man die Entzündung? 

In den meisten Fällen macht sich der von Bakterien befallene Zahn durch Schmerzen bemerkbar. Diese treten insbesondere beim Beißen sowie bei heißen und kalten Speisen/Getränken auf. Sie können sich aber auch unvermittelt im Ruhezustand bemerkbar machen, manchmal auch in Form von Kopf- und Kieferschmerzen manifestieren. Zudem ist der Zahn klopfempfindlich und es tritt eine Schwellung des umgebenden Zahnfleisches auf. Auch ein übler Mundgeruch oder Geschmack können Indizien dafür sein, dass Bakterien am Werk sind. 

Wichtig: Nicht immer treten Schmerzen bei einer Zahnwurzelentzündung auf, da es ein schleichender Prozess ist. Manchmal machen sie sich kurzfristig bemerkbar und verschwinden wieder, was leider nicht heißt, dass das Problem von alleine verschwunden ist. Deswegen sollte man auch bei leichten Zahnbeschwerden immer einen Zahnarzt aufsuchen. Idealerweise kann ein Röntgenbild über den Zustand einer Zahnwurzelentzündung Klarheit schaffen.  

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Was passiert bei einer Wurzelkanalbehandlung? 

Im Rahmen einer Wurzelbehandlung muss immer zunächst ein Röntgenbild erstellt werden. Nur so kann der Zahnarzt feststellen, wie weit die Entzündung vorgedrungen ist. Danach wird der Zahn aufgebohrt, um an die entzündeten Stellen zu gelangen. Mit winzigen Instrumenten und antibakteriellen Stoffen werden die Kanäle in der Zahnwurzel von den befallenen Bakterien gereinigt. Ist die Entzündung schon sehr fortgeschritten, muss der gesamte Zahnnerv entfernt werden. Nach dem Eingriff wird der Zahn dicht verplombt, damit keine weiteren Bakterien eindringen können. Da eine gute Wurzelkanalbehandlung aufwendig ist, müssen Kassenpatienten mit einer Zuzahlung von rund 400 Euro rechnen.

Ist ein toter Zahn wirklich tot? 

Wenn die Entzündung im Zahninneren nicht rechtzeitig beseitigt wird, stirbt der Zahnnerv ab. Dadurch kann der Zahn nicht mehr von innen mit Nährstoffen versorgt werden. Deswegen wird er leider fälschlicherweise als tot beichnet. Allerdings ist die Zahnwurzel von außen immer noch mit Nerven und Blutgefäßen verbunden, wodurch der Zahn weiterhin am Leben erhalten wird. Wäre er tatsächlich komplett tot, würde ihn der Körper abstoßen wollen.

Ob ein entzündeter Zahn entfernt werden sollte oder nicht, entscheidet der Zahnarzt. Dabei ist die Wurzelkanalbehandlung die letzte Möglichkeit den Zahn im Kiefer zu erhalten. Oft ist der Zahn noch in einem guten Zustand, wodurch er nach einer erfolgreichen Wurzelkanalbehandlung über viele Jahre voll funktionsfähig bleibt.

Allerdings müssen Patienten mit einem am Wurzelkanal behandelten Zahn im Mund etwas vorsichtiger sein, da er durch den Eingriff anfälliger für Brüche sein kann. Deswegen sollte man an dieser Stelle im Mund extrem harte Lebensmittel wie Bonbons oder Nüsse vermeiden. Wer dies beachtet, der kann noch viele Jahre den behandelten Zahn im Mund behalten und sich einen teuren Zahnersatz sparen.  

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Ist ein am Wurzelkanal behandelter Zahn gefährlich? 

Wenn der Zahnarzt akribisch gearbeitet hat, alle Bakterien und befallenen Stellen vollständig entfernte, reinigte und den Zahn hinterher dicht mit einer Füllung verschlossen hat, kann der behandelte Zahn im Kiefer verbleiben – ohne negative Auswirkungen auf den Körper.

Allerdings können nach einer Wurzelkanalbehandlung immer noch Rückstände des entzündeten Gewebes im Zahninneren zurückbleiben. Entweder, weil die Kanäle schwer zugänglich sind oder weil der Zahnarzt Bahandlungsfehler begangen hat. Dies führt dann dazu, dass der Zahn anfängt, salopp gesagt „vor sich hin zu faulen“. Und genau hier lauert die Gefahr.

Wann Nachbehandlungen nötig sind

Macht sich der Zahn nach einer Wurzelkanalbehandlung durch Schmerzen weiterhin bemerkbar, sollte man den Zahnarzt unbedingt erneut konsultieren. Eventuell braucht es eine Nachbehandlung, die sogenannte Revision. Durch ein Röntgenbild kann der Zahnarzt erneut feststellen, ob und wo eine Entzündung vorhanden ist.

Kompliziert ist es jedoch, wenn kein Schmerz von dem Zahn ausgeht. So kann sich eine Entzündung unbemerkt über einen längeren Zeitraum ausbreiten. Ähnlich wie bei einer Parodontitis könnten nämlich die giftigen Ausscheidungen der Bakterien aus dem Zahn in die Blutbahn gelangen und so an anderen Stellen des Körpers für Probleme sorgen. Deswegen sehen einige Menschen den „toten Zahn“ als ein mögliches Giftdepot an, das am besten entfernt werden sollte.

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Gesundheitsrisiko „toter Zahn“ nicht ausreichend erforscht

In Bezug auf Zähne, die am Wurzelkanal behandelt wurden, sind etwaige negative Einflüsse auf den Körper leider nicht ausreichend erforscht. So gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die einen direkten Zusammenhang zwischen dem sogenannten „toten Zahn“ und einer anderen Erkrankung im Körper aufzeigen. Zu beachten gilt: Nur weil keine Studien dazu vorhanden sind, heißt es nicht automatisch, dass keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit existieren. 

Am besten also, man vermeidet eine Wurzelkanalbehandlung, indem man seine Zähne gut pflegt und jährlich zur professionellen Zahnreinigung beim Zahnarzt vorbeischaut.  

Quellen

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