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Meta-Studie aus den USA

Forscher entdecken überraschenden Risikofaktor für Demenz

Zahnausfall Demenz Risiko
Eine Analyse mehrerer Studien legt einen Zusammenhang zwischen Zahnausfall und Demenz naheFoto: Getty Images

Gesunde Zähne sorgen für ein schönes Lächeln und sind wichtig für die Gesundheit. Dass kranke oder abgestorbene Zähne in Verbindung gebracht werden mit einer Beeinträchtigung des Immunsystems und sogar Herzkrankheiten und Schlaganfällen, ist schon länger bekannt. Auch der Zusammenhang zwischen schädlichen Mundbakterien und Demenz wurde kürzlich untermauert. Jetzt haben US-Forscher zudem speziell Zahnausfall als Risikofaktor für kognitive Erkrankungen und Demenz identifiziert.

Erwachsene, die an Zahnausfall leiden, sollen ein 1,48 Mal höheres Risiko haben, kognitive Krankheiten zu entwickeln. Ihr Risiko, an Demenz zu erkranken, soll 1,28 Mal höher sein als bei Personen ohne Zahnausfall. Darüber hinaus spielt es offenbar auch eine Rolle, wie umfassend der Zahnausfall ist. Menschen, denen mehr Zähne ausgefallen sind, sollen gefährdeter sein als Menschen, die weniger Zähne verloren haben. Das legen Studienanalysen von Forschenden des „Rory Meyers College of Nursing“ der New York University nahe.

Faktoren für Demenz besser verstehen

Immer mehr Menschen leiden an Demenz. Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben (Stand Juni 2020) allein hierzulande 1,6 Millionen Menschen mit Demenz – die meisten von ihnen sind an Alzheimer erkrankt.1 Eine Heilmethode ist noch nicht in Sicht. Umso wichtiger ist es, mehr über Risikofaktoren und die Vorbeugung kognitiver Erkrankungen zu lernen. „Angesichts der unglaublich vielen Menschen, die jedes Jahr mit der Alzheimer-Krankheit und Demenz diagnostiziert werden und der gleichzeitigen Möglichkeit, die Mundhygiene im Lauf eines Lebens zu verbessern, ist es wichtig, die Verbindung zwischen schlechter Mundhygiene und kognitivem Zerfall besser zu verstehen“, erklärt die leitende Studienautorin Bei Wu in einer Pressemitteilung der NYU.2

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Studienanalysen zur Beziehung zwischen Zahnausfall und Demenz

Wu und ihre Kolleg*innen analysierten einer Reihe von Langzeitstudien zur Beziehung zwischen Zahnverlust und kognitiven Beeinträchtigungen. Die Ergebnisse wurden jetzt im „Journal of Post-Acute and Long-Term Care Medicine“ veröffentlicht. In ihrer Analyse betrachteten sie 14 Studien mit insgesamt 34.074 erwachsenen Proband*innen und 4.689 Personen mit verminderten kognitiven Funktionen. Mit in Betracht gezogen wurde auch der Einfluss von Zahnersatz. Darüber hinaus analysierten die Forschenden acht Studien, um herauszufinden, ob die Menge ausgefallener Zähne eine Rolle spielen könnte.

Zahnausfall erhöht Risiko für Demenz um Faktor 1,28

Die Daten deuten daraufhin, dass Zahnfleischerkrankungen – der Hauptgrund für Zahnverlust – kognitiven Zerfall begünstigen. Erwachsene Probandinnen und Probanden, die an Zahnausfall litten, zeigten ein 1,48 Mal erhöhtes Risiko für kognitive Beeinträchtigungen. Ihr Risiko, an Demenz zu erkranken, sei 1,28 Mal höher als bei Erwachsenen ohne Zahnausfall.

Positive Wirkung von Zahnersatz

Interessant ist jedoch, dass der Faktor Zahnersatz ebenfalls eine Rolle zu spielen scheint. Die Wahrscheinlichkeit, kognitive Beeinträchtigungen zu erfahren, war größer, wenn Erwachsene die Zähne verloren und keinen Zahnersatz bekommen hatten (23,6 Prozent). Bei Teilnehmenden mit Zahnersatz lag der Prozentsatz etwas niedriger (16,9). Mehr noch: Letztere hätten kein signifikant erhöhtes Risiko für kognitive Beeinträchtigungen gezeigt. Es wird deshalb vermutet, dass eine frühzeitige Behandlung mit Zahnersatz das Risiko für kognitiven Zerfall und Demenz reduzieren kann.

Jeder Zahn, der ausfällt, erhöht das Demenzrisiko

Wu und ihr Team wollten es noch genauer wissen und analysierten die Studienlage daher auch mit Blick auf die Menge ausgefallener Zähne. Sie kamen zu dem Schluss, dass dies tatsächlich von Bedeutung für die Gesundheit ist: Mit jedem verlorenen Zahn erhöhe sich das Risiko einer Demenzdiagnose um 1,1 Prozent, heißt es.

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Mundhygiene wichtig für kognitive Funktionen

Die vorliegenden Ergebnisse belegen, dass eine gute Mundhygiene wichtig für den Erhalt der kognitiven Funktionen ist. „Der Zusammenhang zwischen der Anzahl fehlender Zähne und dem Risiko minimierter kognitiver Funktionen bestärkt gleichzeitig die Belege für die Beziehung von Zahnverlust und kognitiven Beeinträchtigungen. Außerdem gibt es Anzeichen dafür, dass Zahnverlust kognitiven Zerfall sogar vorhersagen könnte“, wird Xiang Qi, Doktorand der NYU Meyers, zitiert.

Quellen