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US-Studie liefert Hinweise

Haben ständig wütende Männer eine nicht diagnostizierte Depression?

Mann blickt wütend und hält ein Tablet in der erhobenen Hand
Statt durch Traurigkeit oder Einsamkeit kann sich eine Depression insbesondere bei Männern auch durch Wut äußernFoto: Getty Images

Anhaltende Müdigkeit, Lustlosigkeit, Hoffnungslosigkeit oder auch Angstzustände sind typische Symptome einer Depression. Laut einer neuen US-Studie rückt noch ein weiteres Anzeichen in den Fokus. Bei manchen Männern soll sich die Krankheit durch Wut bzw. Aggression äußern. Hat der ständig wütende Mann im Freundeskreis oder in der Familie also vielleicht eine nicht diagnostizierte Depression?

Wenn Ärzt*innen Betroffene auf eine mögliche Depression hin untersuchen, besteht offenbar das Risiko, dass so mancher Mann durch das Raster fällt. Der Grund: Typischerweise suchen Experten für ihre Diagnose nach Symptomen wie Einsamkeit, Angstgefühlen, Traurigkeit oder Antriebslosigkeit. Auch auf Zeichen wie Schlafstörungen oder einen Rückzug aus dem sozialen Leben achten sie. Dagegen wird kaum oder gar nicht gefragt: „Sind Sie häufig wütend?“ Dabei soll genau diese Frage bei manchen Männern entscheidend sein. Wie eine US-Studie herausfand, kann sich eine Depression bei Männern in Form von Wut und Aggression äußern.

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Studie erkennt Zusammenhang zwischen Wut und Depression bei Männern

Eine von Centers for Disease Control and Prevention (CDC) geförderte Studie ergab, dass die in den USA etablierte Methode zur Diagnose einer Depression bei Männern womöglich nicht ausreichen könnte. „Unsere Messmethoden für Depression untersuchen, ob man traurig und einsam ist und sich zurückzieht. Was, wenn sie sich bei Männern eher durch Wut und Gereiztheit äußert?“, so Jodi Frey, Leiterin der Studie im Interview mit „Insider“.¹ Die Professorin für Sozialarbeit an der Universität Maryland begleitete für ihre Studie 500 Männer im arbeitsfähigen Alter (25 bis 64 Jahre) aus Michigan über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Bei vielen von ihnen wurde ein Suizidrisiko festgestellt, dem Profil einer Depression entsprachen sie jedoch nicht. Stattdessen fand man bei ihnen ein moderates bis hohes Risiko für Wut. Die detaillierten Ergebnisse der Studie werden noch in diesem Jahr veröffentlicht.

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Bis zu 15 Prozent der depressiven Männer zeigen keine typischen Symptome

Wie die Daten andeuten, erfüllen 10 bis 15 Prozent der Männer, die an einer Depression leiden, nicht die Kriterien traditioneller Messmethoden. „Wir müssen anerkennen, dass Männer eine Depression womöglich anders erleben, als wir gelernt haben“, erklärt Frey. „Könnte es zum Beispiel sein, dass der wütende Kollege, den niemand mag, in Wahrheit depressiv ist?“

Während viele Menschen mittlerweile ein Bewusstsein für Depression und Symptome wie Einsamkeit oder Traurigkeit entwickelt haben, sieht das beim Thema Wut anders aus. „Ich denke oft an den Arbeitnehmer im mittleren Alter, der grundsätzlich wütend und sauer über alles ist“, so Frey. „Niemand möchte in seiner Nähe sein. Er nervt und wir haben kein Mitgefühl mit ihm. Zumindest nicht so, wie wir es für einen Kollegen haben, der auf typische Weise depressiv ist.“

Die Forschungsergebnisse legen also nahe, dass in Bezug auf die Diagnose von Depressionen – insbesondere bei Männern – umgedacht werden muss, um betroffenen Personen besser helfen zu können. Und auch Mitmenschen sollten sensibilisiert werden für Symptome wie Wut, um Betroffene aus dem nahen Umfeld besser zu verstehen und ggf. Hilfe anzubieten.

Quellen