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Faktencheck

Wie lange schützt eine Alltagsmaske?

Eine Frau in einem Büro trägt eine Alltagsmaske
Der Mund-Nasen-Schutz ist längst ein treuer Begleiter geworden. Nach drei bis vier Stunden Tragezeit am Stück sollte die Maske getauscht werden.Foto: Getty Images

Ob selbstgenähte Maske oder Einweg-Variante: Mund-Nase-Bedeckungen behalten nur ihre Wirkung, wenn sie regelmäßig gewechselt werden. Doch wie lange hält der Schutz an? Muss man sie nach jedem Tragen waschen? FITBOOK hat den Faktencheck und klärt außerdem darüber auf, warum es unsinnig ist, den Mund-Nasen-Schutz unter der Nase zu tragen.

In Corona-Zeiten sollte ein Mund-Nasen-Schutz unser treuer Begleiter sein. Doch manche ziehen ihn bei Bedarf aus der Hosentasche, andere tragen ihn unterm Kinn oder lassen ihn lose am Handgelenk baumeln, wenn er nicht gebraucht wird. Dabei bleibt die Hygiene oft auf der Strecke. Wie lange schützt so eine Maske?

Muss die Alltagsmaske nach jedem Tragen sofort erneuert oder gereinigt werden?

Nicht unbedingt. Spätestens nach drei bis vier Stunden Tragezeit am Stück sollte die Maske jedoch getauscht werden.

In Deutschland gilt bundesweit Maskenpflicht in Handel und Nahverkehr. Oft zu sehen sind dabei einfache Alltagsmasken. Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bieten diese zwar keine nachgewiesene Schutzwirkung gegen das Virus, dienen aber als Barriere für den Tröpfchenauswurf des Maskenträgers. Sie können damit Studien zufolge die Gefahr einer Übertragung zumindest ein Stück weit verringern.

„Die Masken sollten nach einmaliger Nutzung idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden“, heißt es vom BfArM auch. Infektiologen wie Sebastian Lemmen von der Uniklinik Aachen werfen die Frage auf, wie das im Alltag umzusetzen wäre – und zweifeln an der Praxistauglichkeit. Viele tragen ihre Maske sicherlich mehrmals, ohne sie jedes Mal zu reinigen.

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Filterwirkung der Alltagsmaske lässt mit zunehmender Feuchte ab

Das sei erstmal kein Problem, sagt der Infektiologe Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg. Dem Experten zufolge kann die Alltagsmaske in einem gewissen Zeitfenster durchaus beliebig oft getragen werden. Wie lange am Stück man einen Mundschutz tragen kann, hängt vor allem von der körperlichen Aktivität ab. Absetzen und auswechseln sollte man ihn sofort, wenn er feucht ist, empfiehlt das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Spätestens aber nach drei bis vier Stunden.

Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik, das die Tragedauer von Schutzmasken untersuchte, lässt die Filterwirkung mit zunehmender Feuchte nach. Runter muss die Maske demnach „spätestens bei einer kompletten Durchfeuchtung“, denn dann bestehe „die Gefahr einer Infektionsbrücke zwischen tragender Person und der Umgebung“.

Soll heißen: Beim Husten oder Niesen könnten dann Tröpfchen von der Außenfläche der durchfeuchteten Maske in die Umgebung geschleudert werden – und andere möglicherweise mit dem Erreger anstecken.

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Warum gehört die Alltagsmaske auch über die Nase?

Neben der Tragedauer ist noch ein anderer Faktor für den Schutzfaktor der Alltagsmaske entscheidend: die korrekte Verwendung. Ob in der U-Bahn oder im Supermarkt – immer wieder ziehen Menschen die Schutzmaske zur Eindämmung des Coronavirus nur über den Mund, nicht aber über ihre Nase. Erfüllt sie dann noch ihren Zweck? Natürlich nicht, sagt der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit. „Es steht außer Frage, dass die Maske korrekt verwendet werden muss.“

Eigentlich verrät das schon die korrekte Bezeichnung der Gesichtsmaske, die Mund-Nasen-Bedeckung lautet. Ihr Zweck: Sie soll kleine Tröpfchenpartikel, die ihr Träger beim Sprechen, Husten oder Niesen abgibt, abfangen – um damit andere Menschen vor einer möglichen Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Virus schützen. Ihren Träger soll sie außerdem ein Stück weit davor schützen, die Tröpfchen von anderen einzuatmen. Ist die Nase frei, haben Tröpfchen freie Bahn. Dann könnte man die Maske auch gleich weglassen.

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Korrekte Verwendung von Alltagsmasken entscheidend

Zur korrekten Verwendung zählt dem Experten zufolge auch, dass man die Maske nicht mit den Händen berührt und zum Aufsetzen und Abnehmen nur an den Tragebändern anfasst. Schmidt-Chanasit hält das Tragen der Maske vor allem in Situationen für sinnvoll, in denen man längere Zeit mit anderen Menschen enger zusammen ist, beim Bahnfahren zum Beispiel. Er betont auch, dass im schnellen Vorbeigehen eine Ansteckung sehr unwahrscheinlich ist. „Es geht um die Zeit, die man zusammensteht – etwa 10 bis 15 Minuten gilt als kritische Marke.“

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Kaum Schutz vor Aerosolen durch Alltagsmasken

Der Professor für Arbovirologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin betont aber auch die Grenzen der Alltagsmasken, also der nicht-medizinischen Gesichtsbedeckungen. Sie bremsen den Ausstoß und halten größere Tröpfchen von anderen Menschen von den eigenen Mund- und Nasenschleimhäuten fern. Doch bei Aerosolen – das sind kleinste Schwebeteilchen in der Luft – helfen sie nur bedingt, weil sie oft nicht eng genug anliegen. Aerosole können dann an den Seiten aus- und eintreten, wie der Virologe erläutert. Generell gilt ohnehin: Auch mit Maske sollte man die Abstands- und Hygieneregeln beachten und in geschlossenen Räumen öfter lüften.