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Neue Studie liefert Gründe

Warum sterben mehr Männer als Frauen am Coronavirus?

Coronavirus Geschlechterunterschied
Es zeichnet sich ab, dass Frauen eine Corona-Infektion besser überstehen als Männer

Frauen und Männer erkranken fast gleich häufig am Coronavirus. Doch Frauen überstehen die Infektion mit SARS-CoV-2 häufig leichter als Männer, die eher daran sterben. Eine neue Studie der Yale Universität liefert nun Hinweise, warum das so sein könnte.

Eine Infektion mit dem Coronavirus kann ganz unterschiedlich verlaufen. Während die einen so gut wie keine Symptome zeigen, kämpfen andere ums Überleben. Männer sterben zum Beispiel häufiger als Frauen an Covid-19. Wissenschaftler vermuten schon länger, dass Frauen im Gegensatz zu Männern schneller auf Krankheitserreger wie das Coronavirus reagieren. Womöglich, um so ungeborene oder neugeborene Kinder zu schützen. Wie ein Forscherteam um den Immunologen Akiko Iwasaki von der Yale Universität (Connecticut, USA) nun herausgefunden hat, spielt das körpereigene Abwehrsystem tatsächlich eine gewichtige Rolle im Kampf gegen das Coronavirus.

Immunantwort bei Männern und Frauen unterschiedlich

In einer im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichten Studie kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass Männer im Gegensatz zu Frauen eine schwächere Immunantwort auf das Virus ausbilden. Männer über 60 Jahren seien demnach womöglich stärker auf einen Impfstoff angewiesen, um sich vor einer Infektion durch das Coronavirus zu schützen. Die Wissenschaftler schränken jedoch ein, dass ein überreagierendes Immunsystem unter Dauerbeschuss wiederum schädlich sein kann für jeden Körper, besonders aber für den weiblichen. Befindet sich das Immunsystem im permanenten Alarmzustand, können sich beispielsweise Autoimmun-Erkrankungen bilden. Davon sind nach Ansicht der Forscher Frauen weitaus häufiger betroffen.

Wie gingen die Forscher vor?

Iwasaki und sein Team nahmen die Immunantworten von 17 männlichen und 22 weiblichen Patienten genauer unter die Lupe. Diese waren kurz nach der Infektion mit dem Coronavirus in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Alle drei bis sieben Tage sammelten die Wissenschaftler Proben von Blut, Speichel, Urin und Stuhl. Zusätzlich nahmen sie einen Nasenabstrich. Um sicherzustellen, dass nur natürliche Immunantworten aufgezeichnet wurden, haben die Forscher keine Patienten untersucht, die an ein Beatmungsgerät angeschlossen worden oder medikamentös eingestellt gewesen waren. Zusätzlich wurden Daten von weiteren 59 Frauen und Männern aufgenommen, die nicht den Kriterien entsprachen, eine sogenannte Kontrollgruppe.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die untersuchten Frauen mehr sogenannte T-Helferzellen produzierten. Diese Zellen verhindern die Ausbreitung der Infektion, indem sie Zellen abtöten, die mit dem Virus infiziert sind. Männer hingegen zeigten eine deutlich schwächere Produktion von T-Zellen. Signifikant war in dem Zusammenhang, dass je kränker und je älter die männlichen Probanden waren, desto schwächer zeigte sich die Abwehr-Reaktion mit T-Zellen.

Frauen und Männer: Chinesische Studie deutete bereits auf den Unterschied bei Corona hin

Ausgewertete Fallzahlen der Corona-Pandemie deuteten schon früher an, dass es einen Unterschied bei der Immunabwehr zwischen den beiden Geschlechtern gibt. Die Zahlen aus einer Studie des chinesischen Zentrums für Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC), die kurz nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Wuhan vorlagen, waren ein erster Anhaltspunkt.

Schon bei SARS zeigte sich ein Geschlechterunterschied

Ein Geschlechterunterschied unter den Todesopfern wurde schon beim Ausbruch der SARS-Epidemie 2003 in Hongkong festgestellt. Ein internationales Team an Wissenschaftlern hatte damals zu dem Thema rund 1755 Krankheitsfälle ausgewertet. Bekannt ist auch, dass bei einer regulären Grippe Männer heftigere Krankheitssymptome aufweisen als Frauen. Stichwort „Männergrippe“.

Woran es liegt, dass die Sterberate bei Männern signifikant höher ist als bei Frauen, ist noch nicht eindeutig belegt. Die Wissenschaftler nehmen jedoch an, dass zwei Aspekte eine Rolle spielen.

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Männer achten weniger auf die eigene Gesundheit als Frauen

2014 veröffentlichte das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Studie, die nahelegt, dass Männer generell ungesünder leben als Frauen. Kernaussage des RKI: „Anhand epidemiologischer Daten kann seit Langem konsistent gezeigt werden, dass sich Männer und Frauen in Bezug auf Gesundheit und Krankheit deutlich unterscheiden.“

Ein ungesünderer Lebenswandel bei Männern beschränkt sich jedoch nicht nur auf Deutschland. So sollen – auch diese Zahlen stammen aus dem Reich der Mitte – mehr als die Hälfte der chinesischen Männer rauchen, wohingegen nur rund drei Prozent der Frauen in China zum Glimmstängel greifen. Bekannt ist, dass Raucher mit einer geschwächten Lunge zur Hauptrisiko-Gruppe unter den Coronavirus-Infizierten gehören.

Das Coronavirus kann zu schweren Atemwegssymptomen und Lungenentzündung führen und im schwersten Fall der Erkrankung zum Lungenversagen (ARDS). Hier könnte also ein Grund für die erhöhte Sterblichkeitsrate unter Männern liegen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben.

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Hormoneller Unterschied spielt eine Rolle

Ein weiterer Grund, weshalb Frauen mit einer Corona-Infektion eher klar kommen als Männer, liegt womöglich am unterschiedlichen Hormonhaushalt der Geschlechter. Auch hierzu wurde eine Studie veröffentlicht. So fand ein Forscherteam aus Montreal (Kanada) heraus, dass das Hormon Östrogen eine Rolle bei der besseren Immunabwehr von Frauen spielt. Östrogen soll vor Infektionen schützen, Frauen könnten Krankheitserregern daher effektiver abwehren als Männer.

Und auch in Deutschland zeichnet sich eine Tendenz ab. Das Robert-Koch-Institut veröffentlichte eine Statistik, wonach 56 Prozent der am Coronavirus Erkrankten männlich sind. Allerdings kann der Unterschied kaum mit dem Rauchverhalten begründet werden. Denn hierzulande raucht jeder vierte Mann und jede fünfte Frau.

 

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