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Ärztlicher Bereitschaftsdienst

116117 statt Notaufnahme – schneller zur richtigen Hilfe

Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 ist empfehlenswert, anstelle der Notaufnahme.
Die 116117 hilft auch bei Notfällen – und auch bei Therapieplätzen Foto: Getty Images/imageBROKER RF
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Michel Winges
Alina Freund,

3. Dezember 2025, 4:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Sie haben starke Beschwerden, es ist spät am Abend oder Wochenende – und gefühlt gibt es nur zwei Optionen: 112 wählen oder direkt in die Notaufnahme fahren. Dort wartet allerdings oft stundenlanges Warten. Doch das muss nicht sein. Sobald keine Lebensgefahr besteht, ist die 116117 häufig die bessere Wahl. Hier bekommen Sie schnelle medizinische Einschätzung, Beratung und vor allem einen passenden Termin bei einer Praxis oder einem Facharzt. FITBOOK klärt Sie über den ärztlichen Bereitschaftsdienst auf.

Was ist der ärztliche Bereitschaftsdienst und wie erreiche ich ihn?

Der ärztliche Bereitschaftsdienst in Deutschland der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KVB) stellt jederzeit medizinische Hilfe bereit. Über die Telefonnummer 116117 können Sie rund um die Uhr, an jedem Wochenend- oder Feiertag mit einem geschulten Mitarbeiter sprechen, Ihre Symptome schildern und werden je nach Bedarf an einen Arzt weitervermittelt. Entweder per Telefon, zum Besuch in einer nahegelegenen geöffneten Bereitschaftspraxis oder per Hausbesuch des Arztes. Auf der Internetseite des Patientenservice der 116117 können Sie sich über deren Leistungen informieren, Bereitschaftspraxen oder Fachärzte finden und Termine vereinbaren.

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Wann und wobei hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst?

Der ärztliche Bereitschaftsdienst der 116117 ist geeignet bei Krankheitsformen, die keine Lebensgefahr darstellen, der Patient jedoch nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten kann. Dazu können unter anderem starke Magen-Darm-Infekte mit Durchfall und Erbrechen oder akute Harnwegsinfekte, hohes Fieber, starke HNO-Beschwerden sowie akute Rücken- oder Bauchschmerzen gehören.

Kann jeder den ärztlichen Bereitschaftsdienst rufen?

Beim ärztlichen Bereitschaftsdienst können sich sowohl Kassen- als auch Privatpatienten melden.

Leistungen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes

Zu den Leistungen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes zählen:

  • Medizinische Beratung per Telefon rund um die Uhr, an allen Wochen- und Feiertagen
  • Bei Bedarf Vermittlung an einen Arzt, eine geöffnete Bereitschaftspraxis oder Vereinbarung eines Hausbesuchs
  • Beratung über geeignete Ansprechpartner und zuständige Fachärzte
  • Suche nach Fachärzten, Hausärzten, Psychologen und Bereitschaftspraxen in Ihrer Nähe
  • Termine bei Ärzten und Psychotherapeuten (online oder telefonische Terminvereinbarung)
  • Online-Patienten-Navi mit Einschätzung und Handlungsempfehlung
  • Gesundheitliche Information rund um Covid-19 (Tests, Impfungen…)

Hilfe bei psychischen Problemen

Einen Therapieplatz zu finden, ist eine Herausforderung. Auch hierbei kann der Patientenservice der KVB unter der Nummer 116117 helfen! Sie vermitteln sowohl Kennenlernstunden bei Vertragspsychotherapeuten oder -ärzten als auch Akutbehandlungen und klären auf über verschiedene Therapiearten. Gut zu wissen: Der ärztliche Bereitschaftsdienst garantiert, innerhalb einer Woche einen Termin zu vermitteln. Dieser darf maximal fünf Wochen (in akuten Fällen drei Wochen) in der Zukunft liegen. Das ist zwar noch keine Garantie für einen Therapieplatz, aber zumindest eine große Hilfe in dringenden Fällen.

Wobei hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst nicht?

Zu den Leistungen zählt kein zahnärztlicher Notdienst. Für die Versorgung von Zahnproblemen oder für Kontakt zu einem Zahnarzt oder einem zahnärztlichen Notdienst wenden Sie sich an die regionalen Dienste der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen.

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Wann sollte man den Notruf 112 wählen, statt der 116117?

Der Notdienst über die 112 ist zu verständigen bei Fällen von Bewusstlosigkeit oder Bewusstseinstrübung, Herz- und starken Atembeschwerden, Vergiftungen, Suizidversuchen, Krampfanfällen, Schwangerschaftskomplikationen oder sehr starken andauernden Schmerzzuständen. Bei Notfällen und Verdacht auf bspw. einen Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie bei starken Blutungen sollten Sie nicht zögern, den Rettungsdienst zu alarmieren. Ertrinkungsunfälle, Unfälle im Zusammenhang mit Stromschlägen sowie bei Verletzungen durch etwa einen Autounfall, sollten ebenfalls vom Notdienst behandelt werden. Schnitt- und Platzwunden können in der Notaufnahme genäht und behandelt werden, ebenso wie Knochenbrüche oder starke Verbrennungen. Wie man in Notfallsituationen Erste Hilfe leistet in 5 Schritten, erfahren Sie hier.

Überlastete Notaufnahmen

Eine aktuelle Befragung in bayerischen Notaufnahmen zeigt ziemlich deutlich, wie groß die Lücke zwischen subjektiver Wahrnehmung und tatsächlicher Dringlichkeit ist. Zwar kennen knapp 62 Prozent der Befragten die 116117, aber vielen ist gar nicht bewusst, dass dort nicht nur der ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar ist, sondern auch Termine in Praxen vermittelt werden können. 1

Gleichzeitig stufen 88 Prozent ihre eigenen Symptome als „dringlich“ oder „Notfall“ ein – ein Wert, der zeigt, wie stark Angst, Unsicherheit oder schlicht Unwissenheit unsere Einschätzung beeinflussen können. Das ist menschlich, führt aber dazu, dass viele Menschen in der Notaufnahme landen, obwohl ihr Anliegen oft auch ambulant behandelbar wäre.

Für all diese Gründe – und selbst wenn einer davon auf Sie zutreffen sollte – gilt: Es ist völlig normal, Symptome erst einmal als bedrohlich zu empfinden. Wichtig ist nur, die richtigen Anlaufstellen zu kennen. Die 116117 kann einschätzen, beraten und weitervermitteln – oft schneller, als viele denken, und bevor es nötig wird, eine Notaufnahme aufzusuchen.

Quellen

  1. Witt, K., Osliso, S., Hagelskamp, J., et al. (2025). Patientenbefragung in bayerischen Notaufnahmen: Inanspruchnahme aufgrund hoher subjektiver Dringlichkeit bei moderater Bekanntheit der 116117. Springer Nature. ↩︎

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