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Wie man merkt, dass man Vorhofflimmern hat

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Anna Echtermeyer
Redakteurin

10. November 2025, 20:17 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung – und schlimmstenfalls folgt darauf ein Schlaganfall. Schätzungsweise bei jedem Zweiten tritt Vorhofflimmern ohne Beschwerden oder mit kaum spürbaren Symptomen auf. Eine einfache Methode kann die Diagnose erleichtern.

Dr. Christopher Schneeweis, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, prüft Texte von FITBOOK auf inhaltliche Richtigkeit
Auf fachliche Richtigkeit geprüft von Dr. Christopher Schneeweis, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

Häufigkeit

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Arrhythmie und die Inzidenz sowie Prävalenz nehmen weltweit zu. Gründe hierfür sind die Alterung der Bevölkerung und die damit einhergehende Zunahme der Menschen mit kardiovaskulären Risikofaktoren und Komorbiditäten. Hinzu kommt noch, dass Vorhofflimmern immer besser erkannt wird. Laut der Deutschen Herzstiftung haben schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen Menschen in Deutschland Vorhofflimmern.1 Die genaue Zahl ist nicht bekannt, da die Symptome oft unspezifisch sind – was zu einer Untererfassung führen kann.

Was Vorhofflimmern so gefährlich macht

Vorhofflimmern erhöht deutlich das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden: Bei etwa jedem fünften Schlaganfall (20 bis 30 Prozent) ist Vorhofflimmern die Ursache. Leider kann ein Schlaganfall auch Erstsymptom eines Vorhofflimmerns sein.

Was bei Vorhofflimmern genau passiert

Das Vorhofflimmern entsteht in den sogenannten Vorhöfen des Herzens. Durch unterschiedliche Ursachen (Alter, Geschlecht, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes mellitus sowie weitere Herzvorerkrankungen) kommt es in den Vorhöfen zu unrhythmischen elektrischen Impulsen, die dann den eigentlichen rhythmischen Herzschlag stören und so das Herz aus dem Takt bringen. Unter anderem kann Vorhofflimmern durch elektrische Störimpulse aus den Lungenvenen verursacht werden, die in den linken Vorhof einmünden.

Falls Sie tiefer eintauchen möchten: Der Kardiologe Dr. med. Christopher Schneeweis erklärt das Thema verständlich in einer seiner „Herzcheck“-Podcastfolgen.

Auch interessant: Herzstillstand, Herzinfarkt und akutes Herzversagen – so erkennen Sie den Unterschied

Mögliche Symptome und begleitende Beschwerden

Ist das Herz aus dem Takt, kann es mitunter sehr schnell unrhythmisch schlagen – teilweise mit über 160 Schlägen pro Minute. Selten kann es dabei aber auch ganz langsam werden. Zur Einordnung: Normal sind 60 bis 100 Schläge pro Minute.

Kommt es zum anfallsartigen, plötzlichen Vorhofflimmern, nehmen Betroffene häufig einen schnellen, unregelmäßigen oder chaotischen Herzschlag wahr. Manche Betroffene versetzt das regelrecht in Panik.

Andere mögliche Symptome für Vorhofflimmern sind:

  • unregelmäßiger und beschleunigter Puls (oft bis zu 160 Schläge pro Minute)
  • chaotischer Herzschlag
  • Unruhegefühl
  • Luftnot bei Belastung
  • Schwindel
  • Schmerzen in der Brust
  • kurzzeitiger Bewusstseinsverlust (Synkope)

Verlauf der Symptome

Meist beginnt die Herzrhythmusstörung plötzlich und hört innerhalb von 24 Stunden ebenso plötzlich wieder auf. Die Symptome zeigen sich auch häufig nachts im Schlaf. Bei manchen wird Vorhofflimmern aber auch durch Stress oder zu viel Alkohol ausgelöst. 

Risikofaktoren für Vorhofflimmern

Es gibt ein breites Spektrum an Risikofaktoren für das Vorhofflimmern. Dazu zählen:

  • fortgeschrittenes Lebensalter
  • arterielle Hypertonie
  • Diabetes mellitus
  • Herzinsuffizienz
  • koronare Herzerkrankung
  • chronische Niereninsuffizienz
  • chronische entzündliche Erkrankungen
  • Adipositas
  • obstruktives Schlafapnoesyndrom
  • männliches Geschlecht
  • Gehäufter Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • mögliche genetische Veranlagungen2

Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt Bluthochdruckpatienten ebenfalls das Pulsmessen zur Vorsorge sowie allgemein Männern und Frauen ab dem 65. Lebensjahr. Die Stiftung bietet eine kostenlose Pulskarte an, auf der erläutert wird, wie man misst.

Smartwatches können helfen, Vorhofflimmern zu erkennen

Üblicherweise wird bei Vorhofflimmern ein Langzeit-EKG über ein oder mehrere Tage durchgeführt. Da das Vorhofflimmern aber nicht dauerhaft vorhanden sein muss, ist die Entdeckungsrate auch in der Langzeit-EKG-Untersuchung nicht unbedingt hoch. Hier können die modernen Devices unterstützend sein: Wearables, wie beispielsweise Smartwatches oder spezielle Apps, können helfen, Vorhofflimmern zu entdecken. Laut der Deutschen Herzstiftung werden weniger als zehn Prozent der Ereignisse mit Vorhofflimmern von einer Smartwatch fälschlicherweise als normal diagnostiziert. Auch die Zuverlässigkeit, einen normalen Rhythmus zu erkennen, liege über 90 Prozent.3

Die Auswertung sollte dabei aber von einem Spezialisten überprüft werden, im Regelfall von einem Kardiologen.

WICHTIG: Häufig können Patienten mit Bluthochdruck vom Vorhofflimmern betroffen sein. Bei der Blutdruckmessung kann auch der Puls mitgemessen werden und unrhythmischer Puls (dies geben die meisten Geräte mittlerweile an) sollte ernst genommen sowie weiter abgeklärt werden!

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Ermittlung des Schlaganfall-Risikos

Ist die Diagnose gestellt, ist es zunächst wichtig, das Risiko für einen Schlaganfall zu ermitteln. Dies erfolgt mittels eines Risikorechners (CHADS2Vasc Score), in welchem neben Alter und Geschlecht auch Vorerkrankungen eine zentrale Rolle spielen. Danach wird entschieden, ob eine blutverdünnende Therapie eingeleitet werden muss.

Diese ist wichtig, weil die Vorhöfe sich nicht mehr an der Pumparbeit des Herzens beteiligen. Dadurch können sich in einer kleinen Ausstülpung (dem Vorhofohr) Blutgerinnsel bilden. Diese wiederum können – vom Blutstrom mitgeschleppt – unter anderem im Gehirn landen und so einen Schlaganfall auslösen.

Dr. med. Christopher Schneeweis: „Herzrhythmusstörungen können prinzipiell auch geheilt werden“

Behandlungsmöglichkeiten

Medikamentöse Therapie

Neben der Blutverdünnung können dann auch Medikamente eingesetzt werden, um den Herzrhythmus zu stabilisieren. Sollten rein medikamentöse Maßnahmen nicht helfen, kann das Herz mittels eines Elektroschocks wieder in den normalen Rhythmus gebracht werden.

Katheterablation

Neben der medikamentösen Option ist eine sogenannte Katheterablation die Chance, die Herzrhythmusstörungen in den Griff zu bekommen. Bei diesem Eingriff werden Herzmuskelzellen im Übergangsbereich von Lungenvenen und linkem Vorhof mit Hitze oder Kälte verödet, damit rings um die Venen kleine Narben entstehen. Den störenden elektrischen Impulsen aus den Lungenvenen wird dadurch der Weg abgeschnitten.

Erfolgsquote der Ablation

Nicht bei allen Patienten ist die Ablation gleich beim ersten Mal dauerhaft erfolgreich: Die Erfolgsrate beim ersten Mal liegt zwischen 60 und 70 Prozent. Die Narben könnten sich zurückbilden und das Vorhofflimmern kann zurückkommen, sodass manchmal ein erneuter Eingriff notwendig werden kann. Dann liegt die Erfolgsquote höher, und zwar bei bis zu 85 Prozent.

Wann ist eine Katheterablation geeignet und wann nicht?

Allerdings ist dieser Eingriff nicht für jeden Patienten geeignet. Bei einigen haben sich die Vorhöfe bereits deutlich verändert und vergrößert, oder es besteht schon ein dauerhaftes Vorhofflimmern, sodass dann der Eingriff wenig Erfolg versprechend ist. Für wen welche Therapie am besten geeignet ist, entscheidet häufig ein Kardiologe im Einklang mit den Wünschen des Patienten.

Auch wenn das Herz dann wieder im Takt ist, mit Medikamenten oder der Ablation: Eine blutverdünnende Medikation ist in den meisten Fällen dennoch dauerhaft notwendig.

Quellen

  1. Deutsche Herzstiftung: Vorhofflimmern kann Schlaganfall auslösen (aufgerufen am 10.11.2025) ↩︎
  2. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: S3-Leitlinie Vorhofflimmern Version 1.1 (14.04.2025, aufgerufen am 10.11.2025) ↩︎
  3. Deutsche Herzstiftung: Mit der Smartwatch Vorhofflimmern erkennen (aufgerufen am 10.11.2025) ↩︎

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