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Nach steigenden Infektionszahlen in China

Kann man sich durch Lebensmittel mit dem Coronavirus anstecken?

Übertragen Lebensmittel das Coronavirus?
Viele Neuinfektionen in China sollen auf einen Großmarkt in Peking zurückzuführen sein. Genauer gesagt: auf ein Schneidebrett, auf dem importierter Lachs verarbeitet wurde.
Foto: Getty Images

Peking vermeldet wieder steigende Infektionszahlen. Das Coronavirus soll sich von einem Großmarkt aus verbreitet haben – und konkret womöglich über ein Schneidebrett, auf dem Lachs portioniert wurde, bevor er in den Handel gelangte. Das beunruhigt natürlich, immerhin konsumierten zuletzt wohl die meisten von uns Lebensmittel aus dem Supermarkt oder Restaurant relativ unbesorgt. FITBOOK hat mit einer Expertin gesprochen.

In China haben sich so viele Menschen mit dem Coronavirus angesteckt wie seit nunmehr zwei Monaten nicht mehr. Dabei schien das Land, in dem die Pandemie vermutlich ihren Ursprung hatte, die Krise überwunden zu haben. Umso mehr sorgen die neuen Entwicklungen (u.a. die „Tagesschau“ berichtete Samstagnacht darüber) für Verunsicherung.

Virus auf Schneidebrett nachgewiesen

Im Fokus des erneuten Ausbruchsgeschehens steht der Xinfadi-Großmarkt – der bedeutendste Lebensmittel-Umschlagpunkt der Hauptstadt – und dort ein Schneidebrett, auf dem das Virus nachgewiesen wurde. Auf dem Brett soll nach China importierter (womöglich norwegischer) Lachs verarbeitet worden und von dort aus in den Handel gelangt sein.

Der Markt und umliegende Schulen wurden bis auf Weiteres geschlossen und mehrere Pekinger Viertel unter Quarantäne gestellt. Zudem haben viele Supermärkte Lachs jeglicher Importländer aus dem Sortiment genommen.

Neue Fälle von Coronavirus durch Lebensmittel?

Frau Prof. Constanze Wendt ist Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Hygiene und Umweltmedizin. Wir wandten uns an sie, da sich natürlich auch bei uns die Frage aufdrängt, ob man sich über den Kauf und Verzehr von Lebensmittel mit dem Coronavirus anstecken kann. Schließlich war einige Wochen lang auch in Deutschland der Restaurantbetrieb nur eingeschränkt erlaubt – zubereitetes Essen konnte jedoch weiterhin abgeholt werden bzw. man durfte es sich liefern lassen.

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Und laut der Expertin war und ist das auch kein Problem. Denn: „Eine Übertragung über Lebensmittel ist nicht bekannt. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass über die von Ihnen beschriebenen Mechanismen ausreichend hohe Virusmengen in den Schleimhäuten der Atemwege eines Mitmenschen ankommen könnten.“

Coronavirus überträgt sich hauptsächlich über die Atemwege

Die Hygiene-Professorin erinnert uns daran, dass eine Ansteckung mit Covid-19 in erster Linie per Tröpfchenübertragung von Mensch zu Mensch erfolgt. „Es werden beim Sprechen oder Husten kleinste Tröpfchen mit Viruspartikeln an die Luft abgegeben, die bei einem anderen Menschen beim Einatmen auf die Schleimhaut der Atemwege gelangen“, so der übliche Hergang. Ist die Anzahl der Viruspartikel hoch genug, wird die Infektion ausgelöst.

Infektion über Oberflächen „praktisch ausgeschlossen“

Bedeutet wohl: Der Xinfadi-Großmarkt kann durchaus eine Rolle dabei gespielt haben, dass die Infektionszahlen in China erneut angestiegen sind. Jedoch werden Händler und Kunden sich oder andere über den Kontakt untereinander angesteckt haben – und eher nicht durch den Kontakt mit dem (wenn auch viruskontaminierten) Schneidebrett.

Zwar räumt auch Prof. Wendt ein, dass Viruspartikel aus der Luft logischerweise auf Oberflächen gelangen und dort nachgewiesen werden können. Dennoch: „Es ist praktisch ausgeschlossen, dass diese von Lebensmitteln oder Einkaufstaschen in ausreichenden Mengen auf die Schleimhäute der Atemwege gelangen“, versichert sie.

Auch laut RKI sind Schmierinfektionen unwahrscheinlich

Diese Einschätzung teilen die Experten vom Robert-Koch-Institut (RKI), wo man ebenfalls davon ausgeht, dass der Hauptübertragungsweg von Coronaviren sogenannte „Tröpfcheninfektionen“ ausmachen, die bei direktem Kontakt mit einer infizierten Person entstehen. Schmierinfektionen sollen eine höchstens untergeordnete Rolle spielen.

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Folglich ist es auch unnötig, bspw. Einkäufe in Desinfektionsmittel zu tauchen oder heiß abzuwaschen, bevor sie in den Küchen- bzw. Kühlschrank kommen. Prof. Wendt empfiehlt hingegen, sich die Hände zu waschen, „beispielsweise nachdem man seine Einkäufe weggeräumt hat“.

 

 

Fazit

Die Überzeugung der Hygiene-Professorin deckt sich mit Aussagen durch die Verbraucherzentrale: „Nach derzeitigem Wissensstand sei eine Übertragung des Virus über Lebensmittel oder importierte Produkte unwahrscheinlich.“ FITBOOK hat darüber im Zusammenhang mit den wahrscheinlichsten Infektionswegen des Coronavirus berichtet.

Entsprechend glaubhaft ist damit auch die jüngste Stellungnahme durch die chinesischen Behörden. Es habe sich bei der Mehrzahl der neuen Fälle um chinesische Bürger gehandelt, die mit ihrer Coronavirus-Infektion aus dem Ausland zurückgekehrt waren. Abstand halten scheint also weiterhin wichtig zu bleiben.

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