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Kanadische Studie

Forscher finden einfache Methode, um Parkinson-Symptome deutlich zu lindern

Computer-Illustration eines Parkinson-Patienten
Bei Parkinson, einer Erkrankung des Gehirns bzw. des zentralen Nervensystems, treten u. a. Symptome wie Zittern, Sprachstörungen oder steife Gelenke auf. Sie sollen durch eine einfache Bewegungstherapie abgeschwächt werden können.Foto: Getty Images

Parkinson-Patienten können offenbar durch Tanzen ihre Lebensqualität deutlich steigern. Etwa 1,5 Stunden pro Woche reichen aus, um fortschreitende Symptome wie Zittern, Sprachstörungen oder Traurigkeit signifikant abzuschwächen. Zu diesem ermutigendem Ergebnis kam jetzt eine kleine, kanadische Studie.

Parkinson ist eine neurologische, unheilbare Krankheit, die Nervenzellen im Gehirn degeneriert. Der Verlauf geht mit motorischen Störungen, Problemen beim Sprechen und mit dem Gleichgewicht, steifen Gelenken, Depressionen und daher oft mit sozialer Isolation einher. Doch es gibt offenbar eine einfache Möglichkeit, das Voranschreiten der Symptome zu verbessern und sogar zeitweise zu stoppen: Tanzen. Forschende der York Universität Toronto kommen aufgrund ihrer Studie mit kleiner Teilnehmerzahl zu dem Schluss, dass Parkinson-Patienten bereits im frühen Stadium, mindestens einmal pro Woche an einem speziellen Tanz-Training teilnehmen sollten.

Studie lief über drei Jahre

Tanzen wird als Therapie bei an Parkinson Erkrankten schon länger eingesetzt. Jetzt ist eine weitere Studie der Frage nachgegangen, wie sinnvoll es ist, bereits im frühen Stadium damit zu beginnen. Dafür rekrutierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 16 Personen mit leichten bis mittelschweren Symptomen. Elf von ihnen waren Männer, fünf Frauen. Ihr Durchschnittsalter betrug 67 Jahre. Alle Personen nahmen zwischen 2014 und 2017 einmal pro Woche für 1,5 Stunden an einem speziellen Tanzkurs der kanadischen National Ballet School (NBS) teil. Dabei handelte es sich nicht um klassischen Paartanz, sondern um speziell entwickelte Choreografien. Diese studierten die Patient*innen für eine von Live-Musik begleitete Aufführung ein. Die Forschenden führten währenddessen Videoaufzeichnungen, Befragungen und statistische Analysen durch. Die Ergebnisse zur Studie wurden aktuell im Fachblatt „Brain Sciences“ veröffentlicht.1

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Tanzen beeinflusst mehrere Parkinson-Symptome positiv

Nach Erfassung aller Daten verglich das Team die Ergebnisse mit 16 Parkinson-Patienten ohne Tanzkurs. Die Unterschiede erwiesen sich als signifikant: Die Sprache verbesserte sich, die Steifheit in den Muskeln und Gelenken nahm ab, das Zittern ging zurück. Vor allem aber erwies sich die psychische Verfassung als wesentlich stabiler. Die Parkinson-Tanzgruppe berichtete davon, sich seltener traurig und der Krankheit hilflos ausgeliefert zu fühlen. „Die Erfahrung, mit Tanzlehrern aufzutreten und in einer Studioumgebung zu sein, scheint einen heilsamen Effekt zu haben“, erklärt Studienautor Joseph DeSouza in der Universitätsmitteilung.2 Er ist davon überzeugt, dass vor allem das Gefühl, nicht mehr am Leben teilnehmen zu können, dafür sorgt, dass sich die Symptome verschlimmern. Tanzen dagegen habe die „Macht“, diese Abwärtsspirale zu stoppen. „Unsere Studie zeigt, dass Training mit Tanz und Musik diesen Effekt verlangsamen kann, was den Alltag und damit die Lebensqualität verbessert.“

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Warum Tanzen einen stärkeren Effekt hat als „nur“ Bewegung

„Tanz ist so komplex, es ist eine multisensorische Umgebung“, ergänzt Mitautorin Karolina Bearss. „Es integriert und stimuliert Ihre auditiven, taktilen, visuellen und kinästhetischen Sinne und fügt einen interaktiven sozialen Aspekt hinzu. Normale Bewegung bietet diese Vorteile nicht. Es geht also um so viel mehr als nur tanzen.“ Sprich: Ein einfacher Spaziergang kann schön sein. Sich aber zur Musik im Takt zu bewegen, spricht viele Prozesse gleichzeitig an und aktiviert demnach ganz andere bedeutende Bereiche des Gehirns.

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Kann Bewegung zu Musik das Gehirn langfristig positiv verändern?

Dass sich Tanzen positiv auf die neuronalen Verbindungen im Gehirn Parkinson-Erkrankter auswirkt, gilt als gesichert. Es bedarf allerdings weiterer Forschung, auf welche Weise dies geschieht und wie es sich therapeutisch nutzen lässt. So soll nun untersucht werden, was im Gehirn unmittelbar vor und nach einer Tanzstunde passiert. „Hoffentlich geben diese Daten Aufschluss über zusätzliche Therapien und Behandlungsmöglichkeiten. Ich halte es für möglich, dass Tanzen und Musik wichtige Veränderungen im Gehirn in Gang setzt, aber es ist mehr Forschung erforderlich.“

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Quellen

  1. Joseph F. X. DeSouza, Karolina A. Bearss (2021). Parkinson’s Disease Motor Symptom Progression Slowed with Multisensory Dance Learning over 3-Years: A Preliminary Longitudinal Investigation .
  2. Pressemitteilung der York University 2021). Dancing with music can halt most debilitating symptoms of Parkinson’s disease,

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