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Bristol-Skala

Der Stuhlgang lässt Rückschlüsse auf die Gesundheit zu

Stuhlgang Gesundheit
Weich und glatt oder hart und klumpig? Die sogenannte Bristol-Stuhlformen-Skala ist ein Hilfsmittel, um die Gesundheit des Darms zu überprüfenFoto: Getty Images

Mit der sogenannten Bristol-Stuhlformen-Skala kann man auf einen Blick erkennen, ob mit der Verdauung irgendetwas nicht stimmt. Informationen, die auch Ihrem Arzt bei der anschließenden Diagnose helfen. Warum der tägliche „Blick zurück“ in die Toilettenschüssel zur Routine werden sollte, lesen Sie hier.

Wie wichtig es ist, dass die meist tägliche Sitzung auf dem stillen Örtchen reibungslos abläuft, ist spätestens seit Giulia Enders‘ charmanten Bestseller „Darm mit Charme“ auch der breiteren Öffentlichkeit bekannt. Allerdings fällt es den wenigsten Menschen leicht, über ihren Stuhlgang zu sprechen, obwohl Form und Beschaffenheit erste Hinweise auf eventuelle Krankheiten und den Zustand der eigenen Gesundheit geben, die – frühzeitig erkannt – in der Regel gut behandelbar sind.

Bristol-Stuhlformen-Skala

Eine äußerst hilfreiche Skala für Aussagen über die Gesundheit anhand des Stuhlgangs entwickelten die beiden Forscher Kenneth Heaton und S. J. Lewis von der University of Bristol. Mithilfe ihrer Bristol-Stuhlformen-Skala (original „Bristol Stool Form Scale“) kann man die Dauer der Darmpassage beurteilen, was wiederum auf eine Reihe von Erkrankungen hindeuten kann. Die Skala wurde 1997 im „Scandinavian Journal of Gastroenterology“ veröffentlicht.1 Unterschieden werden dort sieben Stuhltypen.

Die 7 Stuhltypen nach Heaton und Lewis

Typ 1 – Einzelne, harte und schwer auszuscheidende Kügelchen

Diesen Stuhl loszuwerden, ist meist ein schmerzhaftes Unterfangen und deutet ganz klar auf Flüssigkeitsmangel und damit Verstopfung hin. Die erste Maßnahme: Trinken, trinken, trinken! Finger weg von Kaffee, Limo und Alkohol. Haben Sie öfter mit diesem Typ zu kämpfen und dazu noch weniger als dreimal die Woche Stuhlgang, kann das auf eine durch Fehlernährung gestörte Darmflora hinweisen. In diesem Fall sollten Sie auf jeden Fall eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

Typ 2 – Klumpige, kullerartige Würstchen

Auch dieser Typ ist ein klares Anzeichen für Verstopfung. Meist kann dieses Problem ebenfalls mit ordentlich Wasser und einer ballaststoffreichen Ernährung behoben werden. Schuld können allerdings – wie bei „Typ 1“ – auch Stress oder Medikamente sein. Manchmal hat es auch psychische Ursachen, wie beispielsweise auf Reisen, wo es sich bekanntlich weniger gut entspannen lässt als auf der heimischen Toilette. Auch die Position des Körpers beim Stuhlgang kann Probleme verursachen: Eine wissenschaftliche Untersuchung der Ohio State University2 hat gezeigt, dass ein kleinerer Winkel als 90 Grad zwischen Oberschenkel und Oberkörper die Anstrengung mindert bei der Entleerung. Man kann das bspw. erreichen, indem man die Füße auf einem Hocker abstellt.

Typ 3 – Wurstartig mit rissiger Oberfläche

Bei diesem Anblick gibt es keinen Grund zur Sorge. Alles scheint in Ordnung zu sein. Lediglich ein paar Ballaststoffe mehr, sprich Obst, Gemüse und Vollkornprodukten auf dem täglichen Speiseplan könnten nicht schaden.

Typ 4 – Wurstförmig mit glatter Oberfläche

So soll es ein. Wohlgeformt und geschmeidig gleitet der perfekte Stuhl ohne Mühe heraus. „Typ 4“ hinterlässt keine Spuren auf dem Toilettenpapier und ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass mit der Verdauung alles in Ordnung ist und der Darm sich wohlfühlt.

Typ 5 – Weiche Klümpchen mit glattem Rand

Auch kein Grund zur Sorge und die logische Konsequenz, wenn man gerne zu großen Portionen Gemüse greift. Auch übermäßiger Genuss zuckerfreier Kaugummis oder Bonbons mit dem Süßstoff Manitol kann zu „Typ 5“ führen.

Typ 6 – Einzelne weiche Bröckchen mit unregelmäßigem Rand

Zeichen dafür, dass der Körper viel Wasser und lebensnotwendige Nährstoffe verliert. Bei „Typ 6“ spricht man deshalb schon von Durchfall. Im besten Fall wurde die letzte Mahlzeit nicht besonders gut vertragen und musste dementsprechend auf schnellem Wege raus. Hält der Zustand länger an, könnte diese Stuhlform auch auf eine Lebensmittelunverträglichkeit wie bspw. Laktoseintoleranz hindeuten. Übrigens: Eine gute Alternative für Menschen mit Laktoseintoleranz ist probiotischer Brottrunk.

Typ 7 – Flüssig, ohne feste Bestandteile

Wässeriger Stuhlgang ist wahrlich eine unangenehme Sache und ist oft durch Viren, Bakterien oder gar Parasiten verursacht. Wichtig ist es, den Flüssigkeitsverlust sofort wieder auszugleichen. Hält starker Durchfall mehr als drei Tage an ist dies immer ein ernstzunehmendes Warnsignal, das auch auf Krankheiten wie Morbus Crohn, Schilddrüsen-Karzinom oder gar Krebs hindeuten könnte. Sicherheitshalber ärztlich abklären lassen.

Bristol-Stuhlformen-Skala
Die Bristol-Stuhlformen-Skala Foto: Wikimedia Commons/Kyle Thompson/CC-by-sa 3.0/de

Was verraten Farbe und Geruch des Stuhlgangs über die Gesundheit?

Das Ergebnis einer „gesunden Sitzung“ riecht zwar nicht gerade nach Blumenwiese, aber auf eine gewisse Art „würzig-aromatisch“. So, dass man zumindest als Verursacher nicht gleich Reißaus nehmen möchte. Beißender oder fauliger Gestank sowie chemischer Geruch können Indizien für chronische Entzündungen oder Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) sein. Auf keinen Fall ignorieren, genauso wenig wie Blutspuren im Kot oder auf dem Klopapier. Ist dies der Fall, sollen Sie keine Zeit verlieren und sofort einen Arzt aufsuchen. Auch dauerhaft schwarzer oder gräulicher Stuhlgang zeigt oft, dass mit der Gesundheit irgendetwas nicht stimmt. Ist er dagegen grün oder orange, ist das meist auf einen gesunden Appetit auf Blattgemüse, Karotten oder Kürbis zurückzuführen.

Quellen

  1. 1. Lewis SJ, Heaton KW. Stool form scale as a useful guide to intestinal transit time. Scandinavian Journal of Gastroenterology. (1997, aufgerufen am 13.7.2021)
  2. Ohio State University Wexner Medical Center. Ohio State Research Finds Toilet Stool May Solve Common Bowel Issues. (2019, aufgerufen am 13.7.2021)