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Britische Studie

Sport hemmt das Verlangen nach Alkohol

Sport Alkohol: eine Gruppe junger Leute stößt mit alkoholischen Drinks an
Wer weniger Alkohol trinken möchte, der sollte sich mehr bewegenFoto: Getty Images

Rauschtrinken ist unter jungen Erwachsenen weit verbreitet. Eine britische Studie hat jetzt gemessen, dass Sport das Verlangen nach Alkohol bremst. Der Grund: Bewegung stimuliert das Belohnungssystem im Gehirn.

Besonders unter Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen gilt Rauschtrinken und die damit verbundene Alkoholvergiftung weiterhin als akzeptierte Freizeitbeschäftigung. In Deutschland ist diese Art des selbstzerstörerischen Verhaltens zwar rückläufig, dennoch trinken laut einer aktuellen Untersuchung 43,9 Prozent der jungen Männer und 24,5 Prozent der jungen Frauen (18 bis 25 Jahre) regelmäßig bis zum Umfallen.1 Noch drastischer sieht es in Großbritannien aus. Hier ergab eine – wenn auch weniger aktuelle – Studie, dass 45 bis 69 Prozent der britischen Studierenden an wöchentlichen Rauschtrinken teilnehmen.2 Der Weg zu einer schweren Alkoholsucht ist von dort aus nicht weit. Wie kann man dem entgegenwirken? Die Lösung ist laut britischen Forschenden der Loughborough University so einfach wie wirksam: mit Sport.

Untersuchung mit 60 jungen Rauschtrinkern

Für die Untersuchung rekrutierten die Forscher 60 junge Frauen und Männer zwischen 18 und 25, die zuvor anhand eines von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelten Fragebogens als extrem suchtgefährdete, starke Alkoholkonsumenten eingestuft worden waren. Daraus resultierend drehten sich die Gespräche mit ihnen auch zunächst ganz bewusst rund um das Thema Alkohol und ihre Lieblingsdrinks. Darüber hinaus bekamen sie ein Video über Bars und Cocktails vorgesetzt, um ihr Verlangen noch weiter zu steigern – was übrigens erwartungsgemäß gut gelang, heißt es in der im Fachmagazin „Addictive Behavior“ veröffentlichen Studie.3 Anschließend machten die Teilnehmer für fünf Minuten Sport mit Übungen wie Kniebeugen, Mountain Climber, Fersenkicks, Liegestütze, Hampelmänner und Sit-ups.

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Nach nur fünf Minuten Sport nahm das Verlangen nach Alkohol drastisch ab

Nach dem Sport sahen die Teilnehmer der Gruppe erneut ein Video zum Thema Alkohol und gaben an, wie gerne sie jetzt einen Drink hätten und wie es um ihre Stimmung stand. Der Studiengruppe standen zwei Kontrollgruppen gegenüber. Eine durfte in der Zwischenzeit statt den Sportübungen ein Bild malen, die andere unternahm nichts weiter. „Die Analyse zeigte, dass die Trainingsgruppe im Vergleich zu den beiden Kontrollgruppen ein signifikant geringeres Verlangen nach Alkohol, eine positivere Stimmung und weniger Angst hatten“, schreiben die beiden Studienleiterinnen Eef Hogervorst und Aleksandra Gawor im Wissenschaftsmagazin “The Conversation“: „Dies zeigt, dass bereits fünf Minuten Sport das Verlangen nach Alkohol drastisch bremst.“4

Zwar berichtete die Mal-Gruppe davon, sich weniger ängstlich und gestresst zu fühlen, die Lust auf einen starken Drink blieb dennoch ungebrochen.

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Warum reduziert Sport das Verlangen nach Alkohol?

Das Verlangen nach Suchtmitteln werde durch bestimmte Reize wie Party-Bilder und Co. ausgelöst, schreiben die beiden Wissenschaftlerinnen. Eine stabile Stimmung kann diesem Empfinden entgegenwirken. „Es häufen sich die Beweise, dass Sport euphorische Gefühle hervorrufen kann. Dies hängt mit höheren Spiegeln von Glücksstoffen im Gehirn (sogenannte Neurotransmitter) wie Dopamin, Serotonin und Endorphinen zusammen. Diese Stoffe bescheren uns ein gutes Gefühl in der gleichen Art, wie es auch Alkohol scheinbar tut.“

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Warum Rauschtrinken in jungen Jahren besonders gefährlich ist

Große Mengen Alkohol lösen extreme Vergiftungen aus. Je früher damit angefangen wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass Binge-Drinking im späteren Leben – neben den psychischen Problemen einer Sucht – zu Krebs, Herzkrankheiten, Demenz oder Diabetes führt. Junge Menschen, die viel trinken, verlieren zudem ihr Interesse am Lernen, einen Beruf zu ergreifen, sich ein eigenes, erfülltes Leben aufzubauen und damit Verantwortung für sich zu übernehmen.

Quellen

  1. Orth B. Merkel C. (2021).Veränderungen des Rauschtrinkens bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland in Abhängigkeit von Bildungsniveau und Migrationshintergrund. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz
  2. Elliott MA, Ainsworth K. (2011) Predicting university undergraduates‘ binge-drinking behavior: a comparative test of the one- and two-component theories of planned behavior. Addictive Behavior. (aufgerufen am 1. November 2021)
  3. Gawor A, Hogervorst E, Wilcockson T. (2021). Does an acute bout of moderate exercise reduce alcohol craving in university students? Addictive Behavior.
  4. Hogervorst E., Gawor A. (2021). Exercise can reduce students’ desire to drink alcohol – new research. Conversations

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