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Ist Wein gesünder als Bier oder Schnaps?

Bier und Wein werden positive Effekte auf die Gesundheit nachgesagt, anders als etwa Schnaps. Sollte man derartige Annahmen in der Kneipe berücksichtigen?

Von wichtigen B-Vitaminen bis Spurenelementen, darunter Eisen, Magnesium und Zink – Bier werden erstaunlich viele wertvolle Nährstoffe nachgesagt. So soll das Hefe- und Malzgetränk den Blutdruck und sogar das Risiko auf Diabetes Typ 2 senken. Ähnlich hochgelobt ist Wein, insbesondere roter. Die Franzosen würden einen Teufel tun, zum Mittagessen kein Gläschen zu trinken – und zum Abendessen sowieso. Rotwein soll die Herzgesundheit fördern, beim Abnehmen helfen und gut für die Hirnfunktion sein, zusammengefasst: die Lebenserwartung erhöhen. Über Schnaps oder Likör gibt es solche positiven Annahmen nicht. Oder…muss man vielleicht einfach danach suchen? Wir wandten uns an den Diplom-Ernährungswissenschaftler Uwe Knop.

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Die in der Wissenschaft als „Französisches Paradox“ bekannte Annahme, die hohe Lebenserwartung von Franzosen hätte etwas mit ihrem Weinkonsum zu tun, wird inzwischen kritisch betrachtet
Foto: Getty Images

Aber was ist mit den vielen Studien, die belegen wollen, dass beispielsweise Rotweintrinker seltener einen Herzinfarkt erleiden? „Dabei handelt es sich – wie so oft in der Ernährungswissenschaft – um Korrelationen.“ Der Haken an der Forschung zu Ess- und Trinkgewohnheiten sei, dass sich nicht mit Sicherheit feststellen lässt, welches konkrete Lebensmittel zu einer bestimmten Reaktion im Körper geführt hat. So erklären Experten auch die längere Lebenserwartung französischer Weintrinker nicht mehr (nur) mit dem Konsum des besagten Genussmittels. Frühere Studien hatten ihre mediterrane Kost – bestehend aus viel Fisch, Olivenöl, Früchten und Gemüse – nicht in die Untersuchung miteinberechnet. „Man weiß, dass Menschen von höherem sozioökonomischen Status häufiger in Situationen kommen, in denen Alkohol konsumiert wird“, führt der Experte fort. „Und man weiß außerdem, dass Menschen aus niedrigeren Schichten mehr Krankheiten und eine kürzere Lebenserwartung haben. Der Rotwein ist daher wahrscheinlich nur ein Hinweis auf bessere Bildung und ein höheres Einkommen.“

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Ist Hochprozentiges schädlicher?

Der Alkoholgehalt entscheidet – zumindest theoretisch – über die gesundheitliche Bedenklichkeit von Getränken mit. Wie viel man trinken kann, ohne dass es gesundheitsschädlich wird, errechnet sich schließlich am reinen Alkohol. Mediziner raten Frauen, täglich nicht mehr als 12 Gramm zu sich zu nehmen. Das entspricht etwa 0,3 Liter Bier oder einem 0,1-Liter-Glas Wein; bei Männern ist in etwa das Doppelte erlaubt. Die jeweiligen Höchstwerte sind mit Spirituosen natürlich schneller erreicht als mit Bier oder Wein. Im Klartext heißt das: Spirituosen sind nicht automatisch schädlicher, hier ist ein maßvoller Umgang aber umso wichtiger.

Wodka, Tequila und Co. haben einen höheren Alkoholgehalt. Sind sie deshalb noch ungesünder?
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Und was ist mit den hochgelobten Inhaltsstoffen?

Die vielen Mineralien und Spurenelemente, die in Bier stecken und positiven Einfluss auf Stoffwechsel, Blutbildung und Zellerneuerung haben sollen, seien tatsächlich „nicht ganz uninteressant.“ Laut Prof. Nicolai Worm, Fachbuchautor und Diplom-Ökotrophologe aus München, tragen sie zur Versorgung mit Mikronährstoffen bei. Anders als seinen Kollegen Knop konnte ihn die Studienlage davon überzeugen, dass moderater Alkoholkonsum zu einem geminderten Risiko für verschiedene Stoffwechsel- und Herzkranzgefäß-Erkrankungen führen soll – jedoch nur begleitend zu einem insgesamt vernünftigen Lebensstil und im Rahmen einer sinnvollen, idealerweise mediterranen Ernährung. „Es sei denn natürlich, es gibt individuelle medizinische Gründe, sich dem Alkohol zu enthalten.“

Fazit

Wenn man es damit nicht übertreibt und sich auch ansonsten vernünftig ernährt, kann Wein aufgrund seiner Inhaltsstoffe tatsächlich einen Tick gesünder sein als seine alkoholische Konkurrenz. Man bedenke jedoch: Die Dosis macht das Gift! Sonst sind die positiven Effekte hinfällig und die negativen zahlreich. Mit anderen Worten ist, sofern es die gesundheitliche Verfassung erlaubt, ein gelegentliches Gläschen durchaus erlaubt. In den Tagen darauf sollte dann besser gar nichts getrunken werden. Damit die Leber sich erholen kann und daraus keine ungesunde Gewohnheit wird.

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Ein gelegentliches Glas Bier ist natürlich erlaubt. Das macht Sie im Zweifelsfall aber nicht gesünder
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