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Bei Verspannungen und Erkältungen

Rotlichtlampe – sinnvoll oder schädlich?

Rückenschmerzen, steifer Nacken, Erkältung… viele erhoffen sich Linderung durch Rotlichtlampen. Ist ihr Einsatz immer sinnvoll?
Rückenschmerzen, steifer Nacken, Erkältung… viele erhoffen sich Linderung durch Rotlichtlampen. Ist ihr Einsatz immer sinnvoll?Foto: iStock/plprod

Die Rotlichttherapie mithilfe einer Infrarotlampe ist ein beliebtes Hausmittel bei Muskelverspannungen und Erkältungssymptomen. In der Physiotherapie wird sie häufig bei rheumatoiden Erkrankungen eingesetzt. Was ist bei einer Infrarot-Behandlung zu Hause zu beachten und wann ist Vorsicht geboten?

Kleine Rotlichtlampen bzw. Wärmelampen für die häusliche Infrarot-Therapie sind erschwinglich und in jedem gut sortierten Elektro-Fachhandel erhältlich. Mit ihnen können Körperareale schnell und unkompliziert bestrahlt werden. Durch die Wärme, die bei der Infrarot-Bestrahlung entsteht, erweitern sich Gefäße. Stoffwechselprozesse werden angekurbelt, Muskelverspannungen können gelockert werden. Doch auch wenn die Anwendung im ersten Moment unkompliziert aussieht, gilt es, einiges zu beachten. Schließlich handelt es sich bei Infrarotlicht um mehr als „normales“ Licht.

Was ist Infrarotlicht?

Das Licht einer Infrarotlampe besteht aus sichtbaren und unsichtbaren Strahlen. Die sichtbaren Strahlen nimmt das menschliche Auge rot war. Die unsichtbaren Strahlen sind sogenannte Infrarotstrahlen. Um deren Wirkung zu verstehen, hilft ein kleiner Exkurs in die Physik: Der Wellenlängenbereich von Infrarotstrahlung (IR), auch Wärmestrahlung genannt, reicht von 780 Nanometer bis 1 Millimeter. Für das menschliche Auge, das nur Wellenlängen zwischen 400 und 700 Nanometern wahrnehmen kann, ist IR-Strahlung damit nicht sichtbar.

Wie wirkt IR-Strahlung auf den Körper?

Infrarotstrahlung wird in drei verschiedene Strahlungsarten unterteilt: Neben der kurzwelligen IR-A-Strahlung (Wellenlängenbereich von 780 bis 1400 Nanometer) gibt es die IR-B-Strahlung (1400 bis 3000 Nanometer) und die langwellige IR-C-Strahlung (3000 Nanometer bis 1 Millimeter). 

Während die kurzwellige IR-B- und IR-C-Strahlung schon in der Epidermis, der obersten Hautschicht, absorbiert wird, schafft es nur die kurzwellige IR-A-Strahlung in die Unterhaut.

Während die direkte Wirkung des Rotlichts also vorwiegend die Körperoberfläche betrifft, können durch Wärmeleitung auch Muskeln oder Gelenke erreicht werden. Der Körper nimmt die Energie der Strahlung auf, Moleküle werden in Schwingung versetzt – es entsteht Wärme. Blutgefäße weiten sich, sodass die Durchblutung in dem bestrahlten Areal gefördert wird.

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Bei welchen Problemen kann Infrarotlicht helfen?

Infrarotlicht gilt als eine Form der Wärmetherapie und ist ein grundlegender Bestandteil der Physiotherapie. Carl Christopher Büttner vom Deutschen Verband für Physiotherapie nennt gegenüber FITBOOK als Einsatzgebiete vor allem Muskelspannungsstörungen sowie Rheumatoide Erkrankungen. „Meistens wird Rotlicht für die Bereiche Nacken, Schulter und Rücken eingesetzt – somit für die gesamte Wirbelsäule und die umliegenden Bereiche“, erklärt Büttner. Für den Ventralbereich, also Bauch, Brust, Arme und Beine, käme es hingegen eher selten zum Einsatz. 

Die Tiefenwirkung der Rotlichttherapie ist begrenzt: Bei weit innen liegenden Muskeln zeigt sie laut Büttner keine Wirkung. Unabhängig von Muskel- und Gelenkleiden wird Rotlicht aber auch gerne als Hausmittel bei Erkältungssymptomen oder Nasennebenhöhlen-Entzündungen angewendet. Ihm wird außerdem eine positive Wirkung auf den ganzen Körper nachgesagt: So soll es laut Netzwerk Deutscher Apotheker den Kreislauf ankurbeln und dazu führen, dass Säuren aus dem Körper gespült werden.

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Rotlichtlampe zu Hause einsetzen – Abstand und Dosierung

Wer sich selbst mit einer Infrarotlampe therapieren will, sollte unbedingt auf die Hinweise des Herstellers achten, um den richtigen Abstand zur Lampe einzuhalten. Dieser hängt nämlich nicht nur vom tolerierten Wärmeempfinden der Patient*innen ab, warnt Büttner, sondern auch von der Watt-Leistung des Gerätes. 

Im Allgemeinen wird zu einem Abstand von 30 bis 50 Zentimetern geraten, damit die Infrarot-Bestrahlung optimal wirken kann – und es nicht zu einer Überwärmung (Hyperthermie) oder Verbrennungen kommt. Wer sein Gesicht bestrahlen möchte, sollte außerdem darauf achten, dass die Augen vor der Strahlung geschützt werden. Das kann zum Beispiel durch eine Schutzbrille, wie sie auch in Solarien angewendet wird, erreicht werden. Einfach die Augen schließen, reicht hingegen nicht aus.

Bei der Dosierung der Wärmestrahlung gilt: Weniger ist mehr. Büttner empfiehlt pro Intervention eine Dauer von etwa 10 bis 20 Minuten. Diese können dafür ein bis dreimal täglich stattfinden. Bei einer Behandlung in einer physiotherapeutischen Praxis wird wärmendes Rotlicht meist als Vor- oder Nachbereitung in eine andere Behandlung mit eingebunden, stellt jedoch keine alleinstehende Therapie dar. Trotzdem gilt es als grundlegender und damit wirkungsvoller Bestandteil der Physiotherapie.

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Kann eine Infrarot-Therapie gefährlich werden?

Wird der eigene Körper einer zu intensiven Infrarotstrahlung aussetzt, kann es durch die hohe Wärmebelastung zu einer Störung des Wärmehaushalts kommen, warnt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Das kann aber nur passieren, wenn die Bestrahlungsdauer kritische Grenzen überschreitet. Wird das Auge nicht geschützt, können kurzwellige Infrarotstrahlungen zu Netzhautschäden führen. Patient*innen, die Sensibilitätsstörungen der Haut oder kein „korrektes“ Wärmeempfinden haben, sollten kein Rotlicht benutzen. Auch bei Hauterkrankungen sollte zuvor Rücksprache mit Ärzt*innen gehalten werden. Bei entzündeten Körperstellen oder Wunden sollte ebenso auf eine Infrarotbestrahlung verzichtet werden wie bei Fieber oder Blutgerinnseln. Auch Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion, Herz-Kreislaufbeschwerden oder einer Nebennierenschwäche wird von einer Rotlichttherapie abgeraten.