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Immer ernst nehmen!

Mögliche Ursachen von chronischem Sodbrennen und langfristige Gefahren

Reflux/Sodbrennen: Illustration
Bei der Reflux-Krankheit kommt die Magensäure hoch. Geschieht dies regelmäßig, sollte man sich ärztlich untersuchen und behandeln lassen.Foto: iStock/lars-neumann

Bei der Refluxkrankheit fließt unverhältnismäßig viel Magensäure zurück in die Speiseröhre. Für die Betroffenen äußert sich das Syndrom mit typischen Sodbrennen-Beschwerden im Bereich des Mageneingangs bis hin zu Halsschmerzen und Heiserkeit. Allein deshalb sollten bei Reflux dringend Maßnahmen ergriffen werden – zumal die Krankheit schwerwiegende Folgen haben kann.

Rauchen, schwere Mahlzeiten und bestimmte säurehaltige Lebensmittel – Wein, Kaffee, Zitrusfrüchte – können saures Aufstoßen auch ohne entsprechende gesundheitliche Vorbelastung begünstigen. Wenn es jedoch immer wieder dazu kommt und man bereits dauerhafte Beschwerden aufgrund von Sodbrennen bei sich wahrnimmt, könnte es die Refluxkrankheit sein. Etwa 20 Prozent der Deutschen leiden darunter.

Grundsätzlich erfüllt Magensäure einen wichtigen Zweck: Sie sorgt für den richtigen pH-Wert im Verdauungsapparat und dort auch für das Abtöten schädlicher Stoffe. Wenn diese Säure aber aus dem Magen zurück in die Speiseröhre läuft, spricht man von Sodbrennen, und das ist bekanntlich unangenehm. Die Refluxkrankheit ist quasi eine chronische Form dieser Beschwerden.

Die Symptome von Reflux

Häufiges saures Aufstoßen reizt die Schleimhäute im Bereich des Mageneingangs, weshalb Refluxpatienten oft einen Druck hinterm Brustbein oder Halsschmerzen wahrnehmen, auch als Sodbrennen bezeichnet. Die Säure kann mit der Zeit auch die Stimmbänder angreifen und zu Heiserkeit führen. Es passiert nicht selten, dass Patienten es zunächst auf eine vermeintliche Erkältung zurückführen, wenn sie keine Stimme haben, doch dann vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt zum Gastroenterologen geschickt werden, also zu einem Fachmann für den Verdauungsapparat.

Die möglichen Ursachen für Reflux

Die Symptome stehen im Zusammenhang mit einer Muskelschwäche oder -funktionsstörung der „Klappe“ am Mageneingang oder mit einer Mobilitätseinschränkung der Speiseröhre. Ein bekannter Risikofaktor hierfür ist Übergewicht, welches zu einem erhöhten Druck im Bauchraum führen kann. Dies ist auch der Grund, weshalb Schwangere sehr häufig an Reflux und damit an Sodbrennen leiden, in der Regel jedoch nur bis zur Entbindung. Es gibt noch weitere Gründe geben, warum zu viel Magensäure produziert wird:

  • falsche Ernährungsgewohnheiten
  • genetische Veranlagung
  • ständige Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis)
  • festsitzende Blähungen

Lebensmittel, die Reflux auslösen können

Bei manchen Menschen lösen bestimmte Lebensmittel Reflux bzw. Sodbrennen aus. Jeder kann selbst darauf achten, was das bei ihm ist. Mögliche Verursacher sind:

  • Kohlensäurehaltige Getränke
  • Alkohol
  • fettige Speisen
  • frittiertes Essen
  • scharfe Lebensmittel

Wenn ein Lebensmittel im Verdacht steht, Reflux auszulösen, sollte man es gezielt für ein paar Tage weglassen, aber die restliche Ernährung beibehalten. Auf diese Weise kann man herausfinden, ob es wirklich dieser Bestandteil der Ernährung ist, der das Problem verursacht.

Was tun bei Reflux?

Ernährung anpassen

Bei Menschen, bei denen das gelegentliche Reflux bereits chronisch geworden ist, zielt die Behandlung zunächst auf eine Anpassung der Ernährungsgewohnheiten an. Von Säurehaltigem sollte man absehen, ebenso unbedingt Alkohol und Zigaretten meiden. Außerdem sollte man auf schweres Essen am Abend verzichten und idealerweise generell auf kleinere Portionen setzen, anstatt den Magen mit großen Mahlzeiten zu belasten.

Nicht zu spät essen

Es ist gut, wenn zwischen der letzten Nahrungsaufnahme und dem Zubettgehen etwas Zeit (und gerne auch noch ein wenig Bewegung) liegt. Im Bett den Kopf am besten hochlagern, damit der Mageninhalt eher herunter- als zurückfließt.

Medikamentös behandeln

Einen schwereren Befund sollten Sie in Absprache mit Ihrem Arzt medikamentös behandeln. Sogenannte Protonenpumpenhemmer (umgangssprachlich Säureblocker genannt) reduzieren die Säure und verhindern ihre Freisetzung. Produkte, die diesen Zweck erfüllen sollen, sind beispielsweise Pantoprazol und Nexium, die je nach Dosierung rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Es ist allerdings nicht ganz unumstritten, dass jene Medikamente „leichtfertig“ verordnet werden, da sie jüngeren Untersuchungen zufolge u. a. Allergien auslösen können sollen.

Operation

In sehr schwerwiegenden Fällen empfehlen Ärzte eine Operation am Mageneingang, um dem Problem Herr zu werden.

Was tun bei akutem Reflux?

Bei akutem Sodbrennen können manche Hausmittel die Beschwerden lindern. Zum Beispiel:

  • 1 TL Natron in einem Glas Wasser aufgelöst trinken
  • langsames Kauen von Nüssen, z. B. Mandeln
  • trockenes Brot
  • Heilerde
  • Haferflocken
  • Kamillentee
  • Fenchel-Anis-Kümmel-Tee

Reflux kann unbehandelt Krebs begünstigen

Die Behandlung eines ausgeprägten Reflux-Syndroms ist unumgänglich. Wenn immer wieder Magensäure auf die Speiseröhrenschleimhaut trifft, führt das zu Entzündungen. Das Gewebe würde auf die Dauer mit einem Zellumbau reagieren, der die Schleimhaut weniger empfindlich gegenüber der aggressiven Säure macht, dadurch aber ein erhöhtes Risiko auf eine Tumorentwicklung mitbringt.

Diese Veränderung, quasi eine Weiterentwicklung der Refluxkrankheit, heißt Barrett-Ösophagus (oder Barrett-Syndrom). Ärzte sprechen dabei von einer Präkanzerose, also einer Vorstufe von Krebs. Und diese muss dringend und engmaschig kontrolliert werden. Im Frühstadium lassen sich krankhafte Veränderungen (Dysplasien) relativ leicht operativ entfernen. Unbemerkt können sie sich allerdings im Laufe eines Jahres zu einem Speiseröhrenkrebs entwickeln.

FITBOOK wurde fachlich beraten von PD Dr. med. S. Güldütuna, Facharzt für Gastroenterologie aus Frankfurt am Main.