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Perfektionismus laut Studie Risikofaktor für Alkoholsucht

Studie

Ein bestimmtes Persönlichkeitsmerkmal erhöht offenbar Gefahr für Alkoholsucht 

Perfektionismus Alkoholsucht: Ein Glas Whiskey neben Gläsern und einem Aschenbecher
Eine Studie liefert Hinweise darauf, wie Persönlichkeit und die Neigung zur Sucht zusammenhängen könntenFoto: Getty Images

Eigentlich gilt Perfektionismus als Tugend. Erfolg und ein gut organisiertes Leben sind oft das Ergebnis dieser Eigenschaft. Doch nun belegte eine Studie einen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Art von Perfektionismus und Alkoholsucht.

Perfektionisten werden nicht nur bewundert, sondern sind auch gefürchtet. Denn sie stellen an sich selbst und ihr Umfeld hohe Ansprüche. Zugleich assoziiert man mit Perfektionismus Erfolg – sowohl im Beruf als auch im Privaten. Doch das Leben von Perfektionisten ist auch mit viel Druck verbunden, den sie meist selbst erzeugen. Einfach mal nichts machen oder Makel übersehen, fällt ihnen schwer. Nun zeigt eine Studie, dass Perfektionisten ein höheres Risiko für Alkoholsucht haben.

Die drei Facetten von Perfektionismus

Perfektionistische Personen definieren sich durch übertriebene Leistungsstandards, was zu einer ständigen Suche nach Fehlerfreiheit und einer hohen Neigung zur Selbstkritik führt. Belgische Forscher wollten wissen, welche Rolle diese Eigenschaft bei Alkoholkranken spielt.1 Dazu untersuchten sie 65 Patienten, die wegen Alkoholsucht behandelt wurden. Als Vergleichsgruppe wurden 65 gesunde Probanden herangezogen, die bei der Geschlechterverteilung und dem Alter der anderen Gruppe angepasst wurden. Dazu mussten alle Kandidaten einen Fragebogen ausfüllen, der drei verschiedene Facetten von Perfektionismus evaluierte.2 Man spricht vom sogenannten Drei-Facetten-Modell, das die Psychologen Paul L. Hewitt und Gordon L. Flett aufgestellt haben:

  • selbstorientierter Perfektionismus beinhaltet übersteigerte Perfektionismuserwartungen an sich selbst, frei nach dem Motto: „Alles, was ich mache, muss perfekt sein“.
  • sozial vorgeschriebener Perfektionismus beinhaltet die Wahrnehmung, dass andere Menschen hohe Anforderungen an einen stellen: „Ich muss alles perfekt machen, weil die anderen es von mir so erwarten“.
  • fremdorientierter Perfektionismus: „Ich erwarte viel von Menschen, die mir wichtig sind“.

Darüber hinaus wurden die Probanden daraufhin untersucht, ob sie depressive Symptome zeigen und unter Angstzuständen leiden. Anhand statistischer Analysemethoden haben die Forscher geschaut, ob es Verbindungen zwischen diesen Faktoren gab.

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Starke Verbindung zwischen Alkoholsucht und Perfektionismus

Nach Auswertung aller Daten zeigte sich, dass jene Studienteilnehmer, die an Alkoholsucht litten, vermehrt über Angstzustände und Depressionssymptome berichteten. Außerdem hat man bei ihnen öfter selbstorientierten und vorgeschriebenen Perfektionismus beobachtet. In der Studie setzten viele Alkoholkranke unrealistische Maßstäbe an sich selbst. Sie waren aber auch besonders empfänglich für die Erwartungen anderer Menschen. Dies traf selbst dann zu, wenn sie keine Anzeichen von Depressionen und Angstzuständen zeigten.

Interessanterweise fand man keinen Zusammenhang zwischen der Alkoholsucht und dem fremdorientierten Perfektionismus, also hohen Erwartungen an die Mitmenschen. Die Forscher konstatieren, dass die Ergebnisse im Einklang dazu stehen, womit Alkoholkranke üblicherweise zu kämpfen haben:

  • einem reduzierten Selbstwertgefühl,
  • der Tendenz, sich selbst Vorwürfe zu machen
  • und einer Abweichung zwischen dem idealen Ich und dem tatsächlichen Ich

Laut den Studienergebnissen gibt es auch Hinweise darauf, dass selbstorientierter Perfektionismus bei Alkoholkranken öfter bei Männern und Menschen mit einem hohen Bildungsgrad vorkommt. Die Erkenntnisse unterstützten schon frühere Beweise, dass Perfektionismus mit einem täglichen Alkoholkonsum verbunden ist.

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Mögliche Erklärungen

Doch warum haben Perfektionisten ein höheres Risiko für Alkoholsucht? „Perfektionismus hat zwei entscheidende Dimensionen – perfektionistische Bestrebungen, zu denen das Streben nach eigenen hohen persönlichen Standards gehören kann und perfektionistische Sorgen, zu denen selbstkritisches Verhalten als Ergebnis der Nichterfüllung der eigenen hohen Standards gehört“, erklärt Dr. Lawrence Weinstein von den amerikanischen Suchtzentren gegenüber dem Gesundheitsportal Healthline.

„Perfektionisten, die sich intensiv selbst kritisieren, trinken öfter, um mit ihren negativen Emotionen und dem niedrigen Selbstwertgefühl besser klarzukommen“, so Dr. Lawrence. Denn sie sind gefangen in einer Dauerschleife, wo sie die persönlichen Erwartungen an sich selbst nicht erfüllen können. Zudem versuchen sie das oft nach außen hin zu verbergen, damit sie perfekt erscheinen. Deswegen wird Alkohol als eine Art Beruhigungs- und Entspannungsmittel verwendet, um diesen dauerhaften Druck besser zu ertragen.

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Laut Dr. Lawrence können auch weitere Eigenschaften das Risiko für Alkoholsucht erhöhen: Neurotizismus, der in Form von hoher Impulsivität, Angst und emotionaler Instabilität auftritt. Aber auch eine geringe Gewissenhaftigkeit, die sich in Form von Enthemmung und Kontrollverlust zeigen kann.

Quellen

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