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Hoffnung für Glatzenträger?

Neurodermitis-Medikament ließ Haare wieder sprießen

Mann mit Glatze
Dank eines Neurodermitis-Medikaments wuchsen einer ehemals kahlköpfigen Patientin wieder die Haare
Foto: Getty Images

Ein US-Ärzteteam wollte eine junge Patientin wegen ihrer schweren Neurodermitis behandeln. Auf einmal wuchsen dem krankheitsbedingt kahlköpfigen Mädchen wieder Haare. Eine Versicherungspanne belegte schließlich die Wirksamkeit des Mittels.

Können sich Millionen deutsche „Glatzenträger“ Hoffnung machen, bald wieder mit vollem Haar zu glänzen? So könnte man zumindest einen aktuellen Bericht vom Deutschen Ärzteblatt auslegen. Denn einer unter Haarausfall leidenden Patientin, die eigentlich wegen ihrer Neurodermitis behandelt werden sollte, sprossen plötzlich wieder Haare auf dem ehemals völlig kahlen Schädel.

Wie sah die eigentliche Behandlung aus?

Dermatologen am Massachusetts General Hospital, dem ältesten und größten Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der Harvard University, hatten ein 13-jähriges Mädchen mit Dupilumab behandelt. Bei Dupilumab handelt es sich um einen Wirkstoff mit entzündungshemmenden und immunsupprimierenden Eigenschaften, der bei der Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis (auch atopische Dermatitis genannt) eingesetzt wird.

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Das Mädchen litt neben Neurodermitis laut einer Pressemitteilung des Krankenhauses auch unter einer sehr schweren Form des kreisrunden Haarausfalls (Alopecia areata): Alopecia totalis. Bei dieser Erkrankung fällt die gesamte Kopfbe­haa­rung, inkl. Augen­brauen und Wimpern, aus.

So hat sich der Zustand des Mädchens verbessert

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Neun Monate nach Behandlungsbeginn war der Kopf zu 60 Prozent mit sogenanntem Terminalhaar bedeckt.

Kleine Haarkunde

Terminalhaar beschreibt das „erwachsene“, d.h. dicke und vollständig pigmentierte Haar. Es unterscheidet sich vom Lanugohaar der Säuglinge und vom kindlichen Vellushaar, dem nur sehr gering pigmentierten Flaumhaar. Während der Pubertät werden bei Frauen rund 45 Prozent und bei Männern rund 90 Prozent des Vellushaars in Terminalhaar umgewandelt.

Dieser Prozess ist umkehrbar: Wird Terminalhaar auf dem Kopf wieder in Vellushaar umgewandelt, entstehen Geheimratsecken und Glatze.

Quelle: Lehrbuch der Hautkrankheiten und venerischen Infektionen (Springer-Verlag)

Mit anderen Worten: Die Patientin hatte jetzt zwar schütteres, aber dafür voll ausgebildetes Haar.

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Dass diese Entwicklung mit dem Wirkstoff Dupilumab zu tun haben musste, wurde dadurch klar, dass die Haare wieder ausfielen, als die Behandlung aus versicherungstechnischen Gründen unterbrochen wurde. Kaum ging die Behandlung in die zweite Runde, wuchsen der Probandin auch wieder Haare.

Gute und schlechte Nachrichten für Glatzenträger!

Es handelt sich hierbei lediglich um einen Einzelfall, der dazu noch eine spezielle Form von Haarausfall betrifft. Patienten mit „normalem“ Haarausfall sollten angesichts dieser kleinen medizinischen Sensation nicht zu viel Hoffnung schöpfen. Denn laut Prof. Dr. med. Peter Elsner – Mitglied des Präsidiums der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena – dürfte die Wirkung von Dupilumab bei Alopecia areata mit einer spezifischen Immunstörung zusammenhängen. „Eine solche liegt bei anderen Formen des Haarausfalls nicht vor; daher ist dann auch nicht mit einer Wirkung zu rechnen“, erklärt Prof. Elsner weiter.

Für Patienten mit Alopecia areata bestehe laut dem Experten allerdings möglicherweise Anlass zur Hoffnung. Und das sind in Deutschland immerhin 1,5 Millionen Menschen. Die wird es freuen, dass aktuell schon Studien laufen.