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Große Studie

Unter diesen Bedingungen leben Männer länger als Frauen 

Eine Familie aufgereiht nach verschiedenen Altersklassen
Frauen haben zwar eine höhere durchschnittliche Lebenserwartung, aber vor allem für Männer, die zwei bestimmte Bedingungen erfüllen, stehen die Chancen gar nicht schlecht, Frauen zu „überleben“Foto: picture alliance / photononstop | Fabrice Lerouge

Frauen leben im Schnitt länger als Männer, heißt es. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Süddänischen Universität in Odense stellten diesen lang gehegten Glauben infrage. Anhand von Daten aus rund 200 Jahren stellten sie fest, dass diese Annahme nur unter bestimmten Bedingungen wahr ist.

Mit Blick auf die Lebenserwartung hält sich die Annahme, dass Frauen länger Leben als Männer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts beträgt die Lebens­erwartung neu­geborener Jungen im Jahr 2021 78,5 und die der Mädchen 83,4 Jahre.1 Doch jetzt lässt eine neu veröffentlichte Studie die Männerwelt aufatmen. Sie haben nämlich doch gute Chancen Frauen zu „überleben“ – insbesondere, wenn sie verheiratet und gut gebildet sind.

Verzerrung von Durchschnittswerten

Geschlechtsspezifische Überlebensunterschiede werden meist durch einen Vergleich der Lebenserwartung von Frauen und Männern festgestellt.2 Experten betrachten dabei die durchschnittliche Lebenserwartung. Die Folge sind Interpretationen, die besagen, dass Männer nicht so lange leben wie Frauen. Aber: Durchschnittswerte sind ein viel zu grobes Maß. Sie werden häufig verzerrt. Und Abweichungen sowie Überschneidungen werden außer Betracht gelassen. Die Interpretation, Frauen würden länger leben, gleicht daher einer Vereinfachung. Nicht alle Frauen überleben alle Männer.

Der an der Studie beteiligte Populationsforscher Jesús-Adrian Álvarez erklärte gegenüber „science.ORF.at“: „Immer nur die durchschnittliche Lebenserwartung zu erforschen, ist nicht genug. Wer wie lange lebt, hängt von vielen Faktoren ab und muss daher auch dementsprechend genau analysiert werden.“

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Die Studie

Mit einem Team dänischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler widmete sich Álvarez einem internationalen Vergleich von 199 Populationen auf allen Kontinenten. Für ein genaueres, umfassenderes Bild, betrachtete das Team die Überlebensstatistik. Es verglich die Daten eines Zeitraums von ca. 200 Jahren, die aus nationalen und regionalen geschlechtsspezifische Sterbetafeln aus der Human Mortality Database und den World Population Prospects stammen. Und das Ergebnis zeigt: Männer haben gute Chancen, Frauen zu „überleben“. Die verallgemeinerte Aussage „Männer leben kürzer als Frauen“ ist nicht richtig.3

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Zwischen 25 Prozent und 50 Prozent der Männer leben länger

In allen untersuchten Ländern lebten 25 bis 50 Prozent der Männer länger als Frauen. Von vier Männern lebten demnach ein bis zwei länger als Frauen. In einigen Ländern wurden Männer zeitweise sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent älter als Frauen. Konkret war das in Island im Jahr 1891, in Jordanien von 1950 bis 1954; im Iran 1950 bis 1964, Irak 1960 bis 1969; vor 1985 in Bangladesch, Indien und auf den Malediven; und zwischen 1995 und 2010 in Bhutan, der Fall.

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Männliche Babys sterben häufiger als weibliche Babys

Die Studie zeigt zudem, dass in den meisten Ländern männliche Babys häufiger sterben als weibliche. Auch darauf beruhen der Unterschied der Lebenserwartung und die Verzerrung der Durchschnittswerte.

Relevanz von Bildung und Beziehungsstatus

Dass Abweichungen der Lebensdauer durch äußere Faktoren bedingt sein können, zeigen im Rahmen der Studie Überlebensstatistiken der USA. Die Wahrscheinlichkeit, dass Männer länger leben als Frauen, lag dort zwischen 2015 und 2019 bei 40 Prozent. Aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Laut der Studie sind vor allem Bildung und Beziehungsstatus wichtig. Männer mit einem niedrigeren Bildungsniveau und unverheiratete Männer haben besonders geringe Aussichten, eine Frau zu überleben. Verheiratete Männer und solche mit einem Universitätsabschluss tendierten hingegen dazu, länger zu leben als Frauen, die unverheiratet waren oder keinen Highschool-Abschluss hatten.

Warum das so ist, kann die Studie nicht beantworten. Aber Álvarez mutmaßt: „Verheiratete Männer sind wahrscheinlich weniger dazu bereit, Risiken einzugehen und achten zusammen mit ihren Partnerinnen oft besser auf ihre Gesundheit.“ Ähnlich könnte das beim Bildungsgrad sein – Personen mit Universitätsabschluss würden sich oft eher mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit auseinandersetzen.

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Fazit

Die Ergebnisse der Studie widerlegen die bisherige Annahme zur geschlechtsspezifischen Lebenserwartung damit zumindest teilweise. So kann man nicht immer davon ausgehen, dass Frauen länger leben. Vielmehr handelt es sich bei der Lebenserwartung um eine individuelle, komplexe Kombination aus biologischen, Umwelt- und Verhaltensfaktoren.

Zwar wird immer noch die Mehrheit der Frauen älter als Männer, „aber die Minderheit, die das nicht tut, ist nicht klein“, fasst das Forschungsteam zusammen. So hätte sich gezeigt, dass die Lebenserwartung von bestimmten Faktoren – Familienstand, Einkommen, Bildung, ethnischer Zugehörigkeit, Stadt-/Landwohnsitz usw. – beeinflusst wird.

Quellen

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