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Hybrid-Immunität-Studie

Genesen und geimpft! Diese Kombination bietet längeren Schutz vor Reinfektion  

längerer schutz vor corona: Illustration des Coronavirus
Trotz der Studienergebnisse die Warnung: Eine Infektion mit Corona sollte dennoch vermieden werdenFoto: Getty Images

Genesen, geimpft oder genesen und geimpft – wie hoch ist in den jeweiligen Fällen das Risiko, sich erneut mit Corona anzustecken? Studien aus Israel und Großbritannien liefern Antworten.

Nach zwei Jahren Pandemie gibt es diverse Möglichkeiten, welchen Status eine Person bezüglich Impfung und Infektion haben kann. So gibt es zum einen Menschen, die sich nicht impfen lassen können oder wollen, aber eben auch viele, die geimpft sind. Von ihnen haben sich bisher manche mit Corona infiziert, andere nicht. Dann gibt es diejenigen, die eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben. In dieser Gruppe wiederum gibt es diejenigen, die sich nach ihrer Genesung impfen ließen. Neben Erstinfektionen rücken nun zunehmend Mehrfach-Infektionen bzw. Reinfektionen in den Fokus. Gibt es unter den oben genannten eine Kombination eine, die einen besseren und längeren Schutz vor Corona bietet als die anderen?

Hybrid-Immunität – genesen und geimpft

Zwei neue, zeitgleich veröffentliche Studien aus Israel und England haben sich dem Thema Hybrid-Immunität gewidmet. Von Hybrid-Immunität spricht man bei Menschen, die eine Corona-Erkrankung durchgemacht und so eine natürliche Immunität aufgebaut haben und sich zusätzlich noch impfen ließen. Die beiden Untersuchungen beschäftigten sich mit Personen, bei denen die Impfung nach einer Genesung erfolgte.

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Studie aus Israel

Ein Forscherteam aus Tel Aviv wertete Gesundheitsdaten aus, die aus dem Zeitraum vom 1. März bis zum 26. November 2021 stammen. Im Fokus der Analyse standen 149.032 Personen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Von diesen erhielten wiederum 83.356 – also 56 Prozent – nach ihrer Genesung eine Impfung, mit dem Vakzin von BioNTech/Pfizer. 65.676 Genesene (44 Prozent) ließen sich dagegen nicht impfen.1

Viermal höheres Risiko für Reinfektion bei ungeimpften Genesenen

Von allen untersuchten Personen steckten sich 356 Personen mit Hybrid-Immunität ein weiteres Mal mit Corona an. Demgegenüber stehen 2168 ungeimpfte Menschen, die sich erneut infizierten. Wer sich also nach seiner Genesung nicht impfen ließ, hatte laut der Analyse ein mehr als viermal so großes Risiko für eine Corona-Reinfektion.

Interessant: Es machte keinen nennenswerten Unterschied, ob nach der Genesung eine oder zwei Impfungen erfolgten. Eine Erkenntnis, die Ergebnisse früherer Studien untermauern, denen zufolge Genesene nur eine Dosis brauchen, um ausreichend gegen Corona gewappnet zu sein.2

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Studie aus Großbritannien

Die zweite Studie stammt von einem Team der Universitäten Oxford, Cambridge und Bristol. Die Forscher analysierten Daten von 35.768 Mitarbeitern aus dem Gesundheitswesen, die regelmäßig PCR-Tests gemacht hatten. 9488 (27 Prozent) waren nach einer Corona-Infektion wieder genesen. 97 Prozent aller Probanden waren geimpft, 78 Prozent mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Zwischen dem Zeitraum vom 1. Dezember 2020 bis zum 21. September 2021 gab es 2747 Reinfektionen.3

Hybrid-Immunität bietet längeren Schutz vor Corona

Auch hier zeigte sich ein Vorteil der Kombination genesen und geimpft – dieses Mal im Vergleich zu Personen, die doppelt geimpft waren, ohne sich je mit Corona infiziert zu haben. Dieser wurde aber erst auf längere Sicht deutlich. Kurz nach der Impfung zeigte sich bei beiden Gruppen eine ähnlich große Schutzwirkung. Etwa zweieinhalb Monate nach der Impfung fiel der Schutz bei den doppelt Geimpften ab – von zunächst 85 Prozent auf 51 Prozent. Länger vor Corona geschützt waren die genesenen Probanden mit Impfung. Bei ihnen hielt die Schutzwirkung bis zu einem Jahr das Niveau von 90 Prozent

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Fazit

Die Ergebnisse der beiden Studien bekräftigen einmal mehr die Wichtigkeit von Impfungen im Kampf gegen das Coronavirus. Auch wer durch eine Infektion bereits eine Immunität aufgebaut hat, sollte sich impfen lassen, um in der Folge noch besser und länger vor Corona geschützt zu sein. Erwähnt werden sollen aber auch die Einschränkungen der Untersuchungen. Diese ist einmal durch den betrachteten Zeitraum gegeben, sodass die Omikron-Variante nicht berücksichtigt werden konnte. Zum anderen ging es überwiegend um die Schutzwirkung von BioNTech/Pfizer, sodass sich die Frage nach der Übertragbarkeit auf andere Impfstoffe stellt.

Zuletzt wollen wir trotz der positiven Erkenntnisse bezüglich Hybrid-Immunität vor der gezielten Ansteckung mit Corona warnen. Denn immer noch – selbst mit der Omikron-Variante – gibt es schwere Verläufe und sogar Todesfälle. Außerdem verdichten sich die Anzeichen auf weitreichende Folgen einer Infektion – von Long Covid, über Herzerkrankungen und Schlaganfälle, bis hin zu einem generell erhöhten Sterberisiko.

Quellen