Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Gesundheitspartner
von FITBOOK

Demenz-Studie aus China

Regelmäßiger, kurzer Mittagsschlaf kann Gedächtnis im Alter stärken

Frau schläft auf Sofa
Regelmäßiger Mittagsschlaf scheint das Gedächtnis positiv zu beeinflussen

Wer sich regelmäßig ein Nickerchen am Mittag gönnt, entspannt dabei nicht nur, sondern schützt wohl auch sein Gedächtnis, wie eine neue Demenz-Studie aus China nahelegt. Denn der tägliche, kurze Mittagsschlaf scheint die kognitiven Fähigkeiten bei über 65-Jährigen zu verbessern.

In Spanien ist der traditionelle Mittagsschlaf, die sogenannte „Siesta“, fester Bestandteil des Alltags. Ein Ritual, dass man sich durchaus abschauen darf. Denn das kurze Nickerchen am Nachmittag schützt nicht nur nachweislich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, es scheint auch einen positiven Einfluss auf das Gedächtnis zu haben. Das legen zumindest neue Beobachtungen aus China nahe, die im Wissenschaftsmagazin „General Psychiatry“ veröffentlicht wurden.

Wie wirkt sich das Nickerchen am Nachmittag auf das alternde Gehirn aus?

Für die Studie untersuchte das chinesische Forscherteam Menschen im Alter von über 60 Jahren aus sieben chinesischen Städten, darunter Shanghai, Peking und Hangzhou. Sie beschäftigte die Frage, wie sich die Ruhepause am Nachmittag auf die Gedächtnisleistung und das alternde Gehirn auswirkt. Denn mit zunehmendem Alter ändern sich die Schlafgewohnheiten der Menschen. Sie schlafen nachts kürzer, dafür wird der Mittagsschlaf populärer. Außerdem wird das Risiko für eine Erkrankung an Demenz höher, je älter man wird. Bisher veröffentlichte Forschungen widersprechen sich allerdings darin, ob der Mittagsschlaf bei älteren Menschen den kognitiven Verfall und die Demenz aufhält oder ein Symptom der Demenz sind.

Um dieser Frage weiter nachzugehen, untersuchten die chinesischen Forscher*innen 2214 scheinbar gesunde, alte Menschen. 1534 von ihnen hielten einen regelmäßigen Mittagsschlaf, 680 taten dies nicht. Die durchschnittliche Dauer des nächtlichen Schlafs betrug in beiden Gruppen etwa 6,5 Stunden. Das Nickerchen erfolgten nach dem Mittagessen und dauerte mindestens fünf Minuten bis maximal zwei Stunden. Studienteilnehmer*innen, die die Mittagsruhe regelmäßig einhielten, gaben an, dies einmal pro Woche, mehrmals die Woche oder täglich zu tun. Alle Probanden unterzogen sich im Studienzeitraum einer Reihe von Gesundheitschecks und kognitiven Untersuchungen in Form eines Demenz-Screenings.

Auch interessant: Die perfekte Schlafdauer für jedes Alter

Regelmäßiger Mittagsschlaf schien das Gedächtnis zu verbessern

Das Demenz-Screening umfasste 30 Tests, die verschiedene Aspekte kognitiver Fähigkeiten maßen. Darunter etwa den Orientierungssinn, die Aufmerksamkeitsspanne, das Problemlösungsvermögen und die Sprachgewandtheit der Probanden.

Die Ergebnisse zeigten: Menschen, die regelmäßig ein Nickerchen am Mittag hielten, verfügten über eine signifikant höhere kognitive Leistungsfähigkeit als diejenigen, die auf den Mittagsschlaf verzichteten. Auch beim Orientierungssinn, der Sprachgewandtheit und der Gedächtnisleistung konnte das Forschungsteam signifikante Unterschiede zwischen denjenigen erkennen, die Mittagsschlaf hielten und denjenigen, die dies nicht taten.

Ein weiterer interessanter Aspekt: Auch die Länge der Nickerchen schien Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten zu haben. Denn wer regelmäßig lange Mittagsschlaf hielt, litt unter verschlechterten kognitiven Fähigkeiten. Häufige, kurze Power-Naps (viermal wöchentlich) wurden von den Forschenden hingegen mit einem 84 Prozent verringertem Risiko für die Entwicklung von Alzheimer assoziiert.

Auch interessant: Überraschendes mögliches Frühsymptom von Demenz entdeckt

Wie repräsentativ ist die Studie?

Da es sich nur um eine Beobachtungsstudie handelt, konnten die genauen Ursachen und Zusammenhänge zwischen dem kurzen Mittagsschlaf und einem verbesserten Gedächtnis nicht festgestellt werden. Außerdem kamen alle Angaben von den Studienteilnehmer*innen selbst. Auch wurde weder die exakte Länge des Mittagsschlafs noch dessen genauer Zeitpunkt untersucht. Das macht die Studie wenig aussagekräftig. Trotzdem zeigen die Beobachtungen zu kurzem beziehungsweise längerem Schlaf und dessen Folgen Parallelen zu früheren Forschungen. So legt eine Studie aus dem vergangenen Jahr beispielsweise nahe, dass Mittagsschlaf von über einer Stunde das Sterberisiko erhöht. Kurze Power Naps erhöhen hingegen die Konzentration und werden auch von Schlafforschern als gesund angesehen.

Themen