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Angeblich droht Unfruchtbarkeit

Kann das Coronavirus „Hodencovid“ auslösen?

Kann Corona Hodencovid auslösen?
Das Coronavirus soll „Hodencovid“ und in der Folge womöglich Unfruchtbarkeit auslösen können. Was ist dran?
Foto: Getty Images

Seit Monaten werden verschiedene mögliche Langzeitschäden einer Covid-19-Erkrankung diskutiert. Eine neuere ist die Angst vor „Hodencovid“ und der womöglich damit verbundenen Folge von Unfruchtbarkeit. Tatsächlich weisen einige Fälle darauf hin, dass eine Infektion mit Sars-CoV-2 die männlichen Geschlechtsorgane in Mitleidenschaft zieht. Eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob es Hodencovid gibt, bleibt aber wohl vorerst abzuwarten.

Covid-19 ist keine sexuell übertragbare Krankheit. Das berichteten FITBOOK und zahlreiche andere Medien zumindest noch vor einigen Wochen. Untersuchungen zufolge sollte das Coronavirus gar nicht erst in die Geschlechtsorgane gelangen – hieß es damals. Womöglich ist dieser Stand nicht mehr aktuell. Unter dem Hashtag Hodencovid äußern Internet-Nutzer die Sorge, dass der Erreger Sars-CoV-2 die Testikel befallen und die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen kann.

Gibt es Hodencovid?

Genaueres zu dem Thema ist aktuell bei „Pharmazeutische Zeitung (PZ)“ nachzulesen. Die Autoren beziehen sich u. a. auf Informationen der Harvard Medical School of Boston aus dem „American Journal of Emergency Medicine“, denen zufolge sich bei einem Covid-19-Patienten die Erkrankung mit Schmerzen im Unterbauch und Genitalbereich bemerkbar gemacht haben soll. „Einen ähnlichen Fall beschreiben Wissenschaftler der Universität Modena und Reggio Emilia“, heißt es da weiter.

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Das kann, muss aber nicht heißen, dass das Virus wirklich bis in die Hoden vordringt. „PZ“ führt auch Untersuchungen der Uniklinik Düsseldorf heran. Die verantwortlichen Forscher hatten Spermaproben von akut kranken und bereits genesenen Covid-19-Patienten auf das Coronavirus untersucht – und wollen nicht fündig geworden sein. Gleichwohl hatten sie aber bei Probanden, die eine Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht hatten, eine schlechtere Spermienqualität festgestellt als bei Männern, die nicht oder nur sehr milde an Covid-19 erkrankt waren.

Kleine Studien mit (noch) wenig Aussagekraft

Die Untersuchungserkenntnisse aus Düsseldorf ähneln solchen aus China, die bereits im April im gleichen Wissenschaftsjournal („Fertility and Sterility“) erschienen waren. Damals hatten Forscher aus u. a. Wuhan in Spermaproben von Covid-19-Genesenen ebenfalls keine Spuren des Coronavirus ermittelt. „Langzeitfolgen von SARS-CoV-2 auf die männliche Zeugungsfähigkeit sind nicht bekannt“, erklärten sie damals abschließend.

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Noch eine Gemeinsamkeit der beiden Untersuchungen ist ihre geringe Teilnehmeranzahl. Sie geben also allenfalls einen Hinweis darauf, wie sich eine Corona-Infektion langfristig auf die Fertilität von Männern auswirkt. Bei Kinderwunsch sei deshalb Männern, die Corona durchgemacht haben, ein Check-up beim Urologen bzw. Reproduktionsmediziner angeraten. Zumal nach Infektionen mit früheren Coronaviren Hodenentzündungen dokumentiert sein sollen.

Ob es Hodencovid gibt oder nicht – diese Frage können Wissenschaftler bisher also nur mit „vielleicht“ beantworten.

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