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Beim Herzspezialisten nachgefragt

Was sind die Gründe für Herzinfarkte bei jungen Sportlern?

Plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen, Herzrasen und Schmerzen in der Brust, die unter Belastung stärker werden, sind deutliche Zeichen für Herzprobleme
Plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen, Herzrasen und Schmerzen in der Brust, die unter Belastung stärker werden, sind deutliche Zeichen für HerzproblemeFoto: FITBOOK

Erst wurde ihm beim Mannschaftstraining übel. Kurz darauf war Torwartlegende Iker Casillas auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Diagnose: Herzinfarkt – mit nur 37 Jahren. Der Spanier ist das aktuellste und prominenteste Beispiel für Profisportler, die überraschend an Herzproblemen leiden. Immer wieder berichten die Medien von professionellen Athleten, die auf der Höhe ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit am plötzlichen Herztod sterben. Aber wie kann es sein, dass gerade durchtrainierte Elite-Sportler, die sich gesund ernähren, meist nicht rauchen oder Alkohol trinken, Herzprobleme bekommen? Diese Frage haben wir dem Herzspezialisten Prof. Dr. Axel Schmermund vom Agaplesion Bethanien Krankenhaus in Frankfurt am Main gestellt.

Was führt zu plötzlichen Herzproblemen bei jungen Athleten?

„Den einen Auslöser gibt es meist nicht“, erklärt der Kardiologe Prof. Dr. Schmermund vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung im Interview mit FITBOOK. „Häufig ist bei jungen Sportlern aber eine angeborene Herzerkrankung der Grund für Rhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod.“ Diese Anomalien würden oft nicht früh genug erkannt – obwohl gerade Leistungssportler bekanntlich sehr engmaschig medizinisch betreut werden. „Da liegt der Fokus aber eher auf der Orthopädie. Viele Herzerkrankungen können zudem nur durch sehr aufwendige Untersuchungen festgestellt werden. Ein einfaches Belastungs-EKG reicht da nicht aus.“

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Besonders tückisch: Bei einigen dieser genetischen Vorbelastungen ist sportliches Training sogar schädlich. „Wenn eine angeborene Schwäche der rechten Herzkammer vorliegt, kann diese durch das Training überlastet und geschädigt werden.“

Plötzlicher Herztod: Welche Risikofaktoren gibt es?

Wenig überraschend: Auch bei jungen Menschen sind abgesehen von möglichen genetischen Belastungen Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuss und fettiges Essen eine im wahrsten Sinne des Wortes tödliche Kombination. „Wenn dann noch der Cholesterinwert sehr hoch ist, können auch junge Menschen in den 20ern einen Herzinfarkt bekommen“, erklärt der Herzspezialist weiter. Ein hoher Cholesterinwert werde oft vererbt und verstopfe nach und nach die Arterien. „Diese Plaquebildung wird durch einen ungesunden Lebensstil natürlich verstärkt.“

Es gibt aber laut dem Experten weitere Risikofaktoren, die auch junge Sportler kennen sollten:

Erkältungen und Fieber: Sport bei einer leichten Erkältung ist meist ungefährlich. In der Regel gilt der Leitsatz: Symptome, die über den Hals hinausgehen (Husten, Gliederschmerzen, Schwäche), sollten dazu führen, dass eine Pause eingelegt wird. Besonders wichtig ist dies bei Fieber. Hier kann es unter Anstrengung zu einer gefährlichen Herzmuskelentzündung kommen, die das Herz nachhaltig schädigt. Wenn Sie sich also krank und erschöpft fühlen, sollten Sie das Training besser ausfallen lassen und sich erholen.

Herzrhythmusstörungen: Herzstolpern oder das kurzzeitige Aussetzen des Herzschlags kennen viele Menschen. Meist sind diese Rhythmusstörungen vollkommen harmlos. Ist das Herz aber vorgeschädigt, können die Herzrhythmusstörungen (HRS) eine Herzschwäche verschlimmern. Welche Ursache die HRS haben, sollte in jedem Fall ein Arzt abklären.

Ein gestörter Mineralhaushalt: Wenn der Kaliumgehalt im Blut zu niedrig ist (unter 3,5 mmol[1]), kann es zum Herzstillstand kommen. Genauso gefährlich ist aber ein zu hoher Kaliumgehalt. Hier kann ein einfacher Bluttest beim Arzt Sicherheit geben.

Diabetes: Der plötzliche Herztod bei Diabetikern wird auch als Dead-in-bed­-Syndrom bezeichnet. Bei Diabetikern ist das Risiko für den plötzlichen Herztod um das Doppelte erhöht. Grund ist wohl eine Unterzuckerung (Hypoglykämie), die lebensbedrohliche Herzrhyth­musstörungen auslöst.

Energy-Drinks und Drogen: Dass Drogenmissbrauch das Herz schädigt, sollte bekannt sein. Aber auch der übermäßige Konsum von Energy-Drinks kann das Herz schädigen und vor allem in Kombination mit Alkohol zum plötzlichen Herztod führen. Wie immer gilt: Die Dosis macht das Gift.

Sportler überschätzen die eigene Leistungsfähigkeit

„Wenn Sie über 50 Jahre alt sind, Vorerkrankungen haben oder sich nicht wohl fühlen und das erste Mal seit Jahren wieder trainieren möchten, sollten Sie sich definitiv vorher untersuchen lassen“, empfiehlt der Herzspezialist. „Leider muten sich zu viele Menschen ohne großartige Vorbereitung einen Marathonlauf zu. Dieser falsche Ehrgeiz ist aber sehr gefährlich.“ So sollten sich untrainierte Sportler mindestens zwei bis drei Jahre intensiv auf einen Marathonlauf vorbereiten.

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Herzerkrankungen: Auf welche Symptome sollten Sportler achten?

„Plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen, Herzrasen und Schmerzen in der Brust, die unter Belastung stärker werden, sind deutliche Zeichen für Herzprobleme.“ Doch auch Schwindel oder Atemnot zählen zu den wichtigsten Symptomen. „Insbesondere bei einer Ohnmacht sollten Sie zum Arzt gehen und sich intensiv untersuchen lassen“, rät der Kardiologe.

Wie können Sportler Herzerkrankungen vorbeugen?

Ob Triathlet oder Bodybuilder: Wenn von einer herzgesunden Ernährung die Rede ist, sind meist Nahrungsergänzungsmittel wie Omega-3-Fettsäuren gemeint. „Leider ist das ein Mythos. Große Studien haben längst gezeigt, dass Fischölkapseln keinerlei positive Wirkungen auf die Arterien haben (eine andere Sichtweise zu dem Thema Fischölkapseln und Herzgesundheit können Sie hier nachlesen).“ Besser sei eine ausgewogene Ernährung und die Fähigkeit, auf den eigenen Körper zu hören. „Wer regelmäßig Sport treibt, lernt, die Signale des Körpers zu lesen“, so der Herzspezialist. „Wer diese Signale nicht ignoriert, sondern ernst nimmt und mit gesundem Menschenverstand trainiert, tut schon eine Menge für die eigene Herzgesundheit. Das gilt für Profis, aber natürlich auch für Amateursportler.“