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Hallux valgus, Spreizfuß und Co.

Wann eine Fußfehlstellung behandelt werden muss

Hallux valgus
Er ist vor allem bei Frauen verbreitet: der Hallux valgus, also ein Schiefstand des großen Zehs. Ob und wie er behandelt werden muss, erfahren Sie unten.Foto: Getty Images

Spreizfuß, Knick-Senk-Fuß oder Hallux valgus betreffen extrem viele Menschen, kaum noch jemand ist ganz frei von einer Fußfehlstellung. Diese kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein, Beschwerden bereiten und schlimmstenfalls richtig schmerzhaft werden. FITBOOK weiß vom Orthopäden, wann und wie man problematische Füße behandeln sollte.

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In einer perfekten Welt würden wir auch unsere Füße optimal benutzen. Konkret hieße es das: Beim Auftreten (und Abrollen) kommen die drei wichtigsten Belastungspunkte des Fußes zum Einsatz: der Ballen unter dem großen Zeh, der Ballen unter dem kleinen Zeh sowie unsere Ferse. Der „perfekte“ Fuß hätte zudem ausgeprägte Wölbungen, einen Spann und natürlich formschöne Zehen, die gerade auf dem Untergrund aufliegen. Doch die Realität sieht anders aus, da ein solches „Idealmodell“ sehr selten geworden ist. Viel häufiger stattdessen: Fußfehlstellungen. Die sind mal angeboren, mal erworben, fallen mal leichter und mal schwerer aus und lösen bei Betroffenen häufig folgende Frage auf:

Müssen Fehlstellungen behandelt werden?

Wie Dr. med. Mathias Schettle, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie bei Marianowicz Medizin, im FITBOOK-Interview erklärt, gibt es viele Menschen, die vorhandene Fußfehlstellungen gar nicht bemerken. Komme es dann zu Beschwerden, handle es sich dabei meist um überlastete Bänder und überreizte Sehnen.

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Die meisten Fehlstellungen werden zunächst konservativ mit Einlagen behandelt. Sie werden in der orthopädischen Praxis auf die Form und spezielle Fehlstellung des Fußes angepasst. Laut Dr. Schettle sei das auch die wichtigste Therapieform, da sie das Gewölbe unterstützt und dem Fuß dabei hilft, besser abzufedern. Außerdem lassen sich so Beschwerden lindern, in gewissen Fällen könne sogar das Gangbild korrigiert werden, erklärt uns der Facharzt weiter. Damit sie etwas bringen, sollten sie am besten regelmäßig getragen werden. „Täglich ist das wohl kaum möglich“, gesteht der Arzt, „sie passen schließlich nicht in jedes Schuhmodell.“ Dennoch sei es wichtig, die Einlagen jedes Jahr zu erneuern, da sie sich mit der Zeit abnutzen und ihre therapeutischen Eigenschaften verlieren.

Patient bekommt Einlagen
Der Orthopäde kann anhand Ihres Fußabdrucks speziell auf Ihre Fehlstellung ausgerichtete Einlagen anfertigen lassenFoto: Getty Images

Woher kommen Fußfehlstellungen überhaupt?

„Zunächst muss man zwischen angeborenen und erworbenen Fußfehlstellungen unterscheiden.“ Zu den angeborenen gehören beispielsweise der Klump- und der Sichelfuß, die heutzutage in Europa nur noch sehr selten vorkommen. Bei Säuglingen beginnt man sehr kurz nach der Geburt mit der sogenannten Regressionsbehandlung. Im Klartext heißt das: Sie bekommen einen Gips verpasst, der alle paar Tage gewechselt wird und die Füße wieder in die vorgesehene Richtung lenken soll. Nach einigen Monaten wird dann für gewöhnlich operiert.

Viel typischer für unsere Gesellschaft sind aber die erworbenen Fehlstellungen. Auch die Art der Schuhe könne schuld sein. Vor allem Frauen, die sich in hochhackige Schuhe quetschen, können so die Entstehung eines sogenannten Hallux valgus begünstigen, also der Fehlstellung des großen Zehs. Mehr dazu im nächsten Abschnitt!

Fußfehlstellung: Abbildung von Quergewölbe und Längsgewölbe
Der menschliche Fuß besteht aus zwei sogenannten Gewölben: dem Quer- und dem Längsgewölbe, die bei Fußfehlstellungen über Schmerz und Nichtschmerz mitentscheidenFoto: Getty Images (bearbeitet)

Das sind die häufigsten modernen Fußfehlstellungen:

Hallus valgus

Allerdings werden auch in flachen, aber zu kurzen oder engen Schuhen die Zehen stark eingedrückt, oftmals mit denselben Folgen. Besteht ein Hallux valgus, verlaufen die Sehnen nicht mehr zentral über das Gelenk, sondern seitlich. Die Muskeln im Mittelfuß ziehen den großen Zeh nach innen und in eine schiefe Position. Das ändert die gesamte Biomechanik des Fußes und führt zu einer Schleimbeutelentzündung, die auf Dauer verknöchert. Das Resultat: eine dicke Beule am großen Zeh.

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Victoria Beckham
Weil sie nach einem Eingriff wochenlang auf flache Schuhe ausweichen müsste, hat sich Victoria Beckham angeblich ihren Hallus valgus nicht wegoperieren lassen. In Stilettos lässt sich das kosmetische Problem kaum kaschieren. Zudem soll es sehr schmerzhaft sein!Foto: Getty Images

Behandlung
Um den Mittelfußknochen anzuheben und den Druck zu reduzieren, helfen im Anfangsstadium orthopädische Schuheinlagen. Doch auch wenn sie spürbar entlasten, können sie die Entwicklung nicht ganz aufhalten. Wenn der Hallux valgus Schmerzen verursacht, hilft nur noch eine Operation, um die Fußstellung wieder zu begradigen. Der Eingriff dauert etwa eine Stunde.

Spreizfuß

Ebenso eine erworbene Fußfehlstellung ist der Spreizfuß, der durch hochhackige und/oder zu enge Schuhe begünstigt wird. Wie Dr. Schettle erklärt, ist beim Spreizfuß das Quergewölbe des Fußes gewissermaßen durchgetreten, der vordere Teil des Fußes liegt also auf dem Boden auf. Somit liegt auch die Belastung in der Mitte des Vorfußes – und nicht unter dem Ballen des großen und kleinen Zehs, wie es richtig wäre. Das kann wehtun! Denn der Mittelfußknochen ist für solch eine Belastung nicht ausgelegt.

Behandlung
Wenn im Mittelfuß Schmerzen auftreten, kann es Sinn machen, sein Schuhwerk zu überdenken und im nächsten Schritt Einlagen anpassen zu lassen, die den vorderen Fuß weich betten und auch in der Mitte eine Art Polster haben. Sie führen zur Erhebung im Mittelfuß, sodass die Belastung sich wieder besser verteilt.

Plattfuß

Wie der Name verrät, liegt beim Plattfuß der gesamte Fuß auf dem Boden auf, anstatt die üblichen drei Belastungspunkte zu nutzen. Dieses Phänomen ist oft bei Kleinkindern zu beobachten, da sich das Fußgewölbe durchschnittlich erst im sechsten Lebensjahr ausbildet. Wie anfangs erklärt, lässt sich diese Entwicklung fördern, indem die Füße genutzt werden. Am besten barfuß!

Behandlung
Bleibt der Plattfuß bis ins Erwachsenenalter, behandelt man ihn ebenfalls mit Einlagen: einerseits, um die Beschwerden lindern, andererseits, um unmittelbar Einfluss auf die Haltung auszuüben. Während man bei anderen Fußfehlstellungen die Fehlentwicklung in vielen Fällen noch aufhalten könne, sei das laut Dr. Schettle bei einem Plattfuß in der Regel nicht mehr möglich.

Knick-Senk-Fuß

Dem Knick-Senk-Fuß fehlt ein ausgeprägtes Längsgewölbe UND er knickt auch am Knöchel nach innen ein. Diese Fehlstellung muss häufig behandelt werden, da sie die Statik des Beins stört und so eine Überlastung des Kniegelenks nach sich ziehen kann.

Behandlung
Erster Behandlungsschritt sind hier Einlagen, die mit kleinen Polstern den Innenrand von den Zehen bis zur Ferse leicht anheben. Auch Physiotherapie kann laut Dr. Schettle sinnvoll sein, um die Muskulatur zu stärken und eine korrekte Haltung zu erlernen. Wenn beide Maßnahmen keine Linderung erzielen, ist ein operativer Eingriff die letzte Lösung.

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Physiotherapie
Entstehen aufgrund der Fußfehlstellung Haltungsprobleme, empfehlen sich regelmäßige Termine bei der PhysiotherapieFoto: Getty Images