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Studie findet Erklärung

Fettreiche Ernährung führt zu starkem Übergewicht – aber der Grund ist nicht das Fett allein

Ein Grund für Übergewicht: Burger, Pommes und Ketchup
Eine Studie hat untersucht, auf welche Weise genau eine fettreiche Ernährung für Übergewicht sorgtFoto: Getty Images

Ist das viele Fett einer extrem fettreichen Ernährung verantwortlich für Übergewicht? So lautet jedenfalls die gängige Auffassung. Aber ganz so einfach ist das wohl nicht. Laut einer neuen Studie, ist es nicht das fette Essen allein, das für Fettleibigkeit sorgt.

Die meisten kennen das: Nach einem großen Schnitzel mit Pommes ist man erstmal satt. Und zwar für sehr lange. Oft fällt das Frühstück und Mittagessen dementsprechend mager aus, weil der Körper noch genug mit den vielen Kalorien vom Vortag zu tun hat. Bei vielen krankhaft übergewichtigen Menschen scheint dieser Mechanismus nicht mehr zu funktionieren. Betroffene können bereits kurz nach einer großen fettreichen Mahlzeit eine weitere Mega-Portion verdrücken. Genau in dieser Störung der „Hunger-Satt-Kontrolle“ meint ein polnisch-britisches Forscher-Team den eigentlichen Grund und damit auch eine Heilungschance für Übergewicht entdeckt zu haben.

Was ist der wahre Grund für starkes Übergewicht?

Die Zahl der krankhaft Übergewichtigen steigt weltweit rasant an. Dabei geht es nicht um ein paar Kilos zu viel auf den Hüften, sondern um ein Maß, das Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen, Schlaganfall und sogar Krebs begünstigt. Normalerweise halten bestimmte Hormone und Botenstoffe, die nach oder während einer Mahlzeit über das Gehirn ausgeschüttet werden, gesunde Menschen davon ab, sich zu überessen. Die Vermutung liegt nahe, dass bei den meisten stark fettleibigen Personen dieser Kontroll-Mechanismus nicht mehr funktioniert. Stimmt das – und wenn ja, lässt sich besagte „innere Uhr wieder“ herstellen? Genau dieser Frage gingen jetzt Forscher der Jagiellonen-Universität (Polen) und Universität Bristol (England) mittels einer Ratten-Studie nach.

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Wie uns das Gehirn vor Überessen schützt

Lange wurde angenommen, dass sich unsere „Haupt-Körperuhr“ im Hypothalamus befindet. Mittlerweile scheint jedoch die Gewissheit darüber zu bestehen, dass die Kontrolle von Hunger und Sättigung in mehreren Teilen des Gehirns stattfindet. Unter anderem in einem evolutionär sehr alten Hirnstamm, der als dorsaler Vagus bezeichnet wird. Dieser ist es auch, der laut „satt“ schreit, wenn genügend gegessen wurde. Bleibt er also bei Fettleibigen stumm, weil sie fettleibig sind? Oder sorgt das viele Fett aus der Nahrung dafür, dass er irgendwann verstummt? Dies war lange nicht klar.

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Ratten-Studie soll Antworten liefern

Für Fragen dieser Art kommen in der Regel Ratten zum Einsatz, da ihr Hirnstamm große Ähnlichkeit mit dem menschlichen aufweist. So teilten die Forscher die Nager in zwei Gruppen ein: Die einen erhielten eine Diät mit 10 Prozent Fett, die anderen mit 70 Prozent. Um die Auswirkungen einer ungesunden Ernährung auf den Menschen nachzuvollziehen, begann das Team den Versuch mit etwa vier Wochen alten Tieren (entspricht der Pubertätszeit) und setzte den jeweiligen Ernährungsplan vier Wochen lang fort. Tatsächlich schaltete fettreiche Ernährung die Sättigungsmechanismen mit der Zeit nahezu aus, und zwar, bevor die Ratten an Gewicht zunahmen, heißt es in der im „The Journal of Physiology“ veröffentlichen Studie.1 Auch die Reaktionen der Neuronen auf die „Appetithormone“ veränderten sich. Die Folge: weiter futtern, obwohl eigentlich nichts mehr reinpasst und dadurch schließlich starkes Übergewicht.

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Ist eine „innere Uhr-Umstellung“ der Schlüssel im Kampf gegen Übergewicht?

Nicht das massenhafte Fett allein ist der Grund für Übergewicht, sondern womöglich die Art, wie eine extrem fettreiche Ernährung auf Dauer das Gehirn manipuliert. „Ich bin wirklich begeistert von dieser Forschung, weil sie Möglichkeiten eröffnet, das wachsende Gesundheitsproblem der Fettleibigkeit anzugehen. Wir wissen immer noch nicht, was die Zeitsignale sind, die in der Lage sind, die Hirnstammuhr zurückzusetzen oder zu synchronisieren. Hoffentlich bietet die Wiederherstellung des Tagesrhythmus in diesem Sättigungszentrum vor oder nach dem Einsetzen der Fettleibigkeit neue therapeutische Möglichkeiten“, hofft Studienleiter Dr. Lukasz Chrobok in einer Medienmitteilung.2

Eine Einschränkung gibt es allerdings doch: Ratten sind nachtaktiv. Das bedeutet, ihr Hirnstamm arbeitet zu anderen Zeiten. Dennoch sind Chrobok und sein Team davon überzeugt, dass sie durch ihre Forschung einen neuen Weg zur Bekämpfung von Fettleibigkeit ebnen konnten.

Quellen

  1. Chrobok L, Klich JD, Sanetra AM, et.al. Rhythmic neuronal activities of the rat nucleus of the solitary tract are impaired by high-fat diet – implications for daily control of satiety. The Journal of Physiology. (2021)
  2. The Physiological Society. High fat diets break the body clock in rats, and this might be the underlying cause of obesity. (2021)

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