Gesundheitspartner
von FITBOOK

Rhodiola rosea als Kapseln

Ist Rosenwurz ein Wundermittel zur Leistungssteigerung?

Mann nimmt Nahrungsergänzungsmittel
Verbessert die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit – heißt es jedenfalls. FITBOOK hat den Wirkstoff von Rhodiola rosea (Rosenwurz) unter die Lupe genommen.
Foto: Getty Images

Was viele hier höchstens vom Hörensagen kennen, soll in russischen, baltischen und skandinavischen Ländern schon seit hunderten von Jahren Verwendung finden: als pflanzliches Arzneimittel. Rosenwurz werden positive Wirkungen auf das Gemüt und die Stresssensibilität nachgesagt, angeblich soll es auch leistungssteigernd sein. Deshalb wird es verstärkt auch in Sportlerkreisen diskutiert. FITBOOK hat das angebliche Wundermittel unter die Lupe genommen – und ist auch auf Warnhinweise gestoßen.

Rosenwurz wächst in Gebieten mit Bergschluchten und schattigen Felsspalten. In Skandinavien und Russland wird die Pflanze, die zur Gattung der Dickblattgewächse gehört, seit vielen Jahren in der Küche verwendet. Die leicht bitter schmeckenden Blätter können roh und gekocht verzehrt werden, ihre Stängel lassen sich ähnlich zubereiten wie Bohnen oder Spargel. Hierzulande ist Rosenwurz eher in Kapselform als Nahrungsergänzungsmittel bekannt. Und diesem werden wahre Wunderwirkungen nachgesagt.

Keine FITBOOK-Themen mehr verpassen – abonnieren Sie hier unseren Newsletter!

Rosenwurz

Die Rhodiola Rosea wächst besonders gut in feuchten Klippenabsätzen. Der deutsche Name „Rosenwurz“ wird dem Duft gerecht, der beim Aufschneiden der Wurzel verströmt.
Foto: dpa Picture Alliance

Rhodiola rosea als Nahrungsergänzungsmittel

In der Naturheilkunde wird Rosenwurz gegen Depressionen und bei starkem Stress eingesetzt. Einige Sportler interpretieren in sein Wirkspektrum auch einen Einfluss auf die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit. Da die Schmerzgrenze heraufgesetzt werde, erhoffen sie sich, härter und länger trainieren zu können. In Foren werden Studien diskutiert, die dem „natürlichen Doping“ noch nach vier Wochen einen Effekt attestieren. Damit soll sich Rosenwurz von anderen leistungsfördernden Substanzen, bei dem es schnell zu einer Gewöhnung komme, unterscheiden.

FITBOOK sprach mit Frau Dr. Astrid Albrecht. Sie arbeitet für Dr. Willmar Schwabe, einen Hersteller pflanzlicher Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel, der auch ein Rosenwurz-Präparat führt. Dieses ist (noch) nicht für den deutschen Markt zugelassen, wird aber bereits im Ausland vertrieben.

, so die Fachfrau. Soll heißen: Ist die Stresssensibilität hoch, funktioniere Rosenwurz noch besser.

Rosenwurz-Kapseln

Rosenwurz-Kapseln werden bei Sportlern immer beliebter. Zu recht?
Foto: herbano.com

, lautet die Produktbeschreibung im Online-Shop von Herbano, einem Schweizer Hersteller für Mikronährstoffpräparate.

Das würde Frau Dr. Albrecht jedoch nicht unterschreiben. Im Rahmen der klinischen Forschung für ihr Präparat hat die Firma, bei der sie arbeitet, sich mit der Datenlage zu Rhodiola im Bezug auf die sportliche Leistungsfähigkeit auseinandergesetzt. Sie bezieht sich im Gespräch mit FITBOOK auf fünf Studien aus dem Zeitraum zwischen 2009 und 2014 mit unterschiedlichen methodischen Herangehensweisen, die höchstens „einen sehr geringen Effekt“ rückschließen ließen. Sie sieht das geeignete Anwendungsgebiet daher im Stressmanagement.

Auch interessant: Schon scheinbar harmloser Alltagsstress kann schädlich sein

Gestresste Frau

Die Hauptabnehmer des Präparats sind laut Dr. Albrecht Frauen ab Mitte 30 mit der Doppelbelastung von Beruf und kleinen Kindern. Um beim Sport bessere Leistungen zu erzielen, eigne sich der Rosenwurz-Extrakt nicht.
Foto: Getty Images

Professor Nicolai Worm, Diplom-Ökotrophologe aus München, würde die Heilpflanze mit Vorsicht genießen. Oder besser noch: gar nicht. „Die amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde FDA schätzt Rosenwurz als ‚möglicherweise giftig‘ ein, weil seine Sicherheit und Unbedenklichkeit nicht in Studien überprüft wurde.“ Pflanzliche Lebensmittel seien nicht automatisch gesund und ohne Risiko, warnt der Ernährungswissenschaftler weiter. „Fliegen- oder Knollenblätterpilze etwa haben bestimmt auch ein paar interessante Effekte. Neben der Tatsache, dass sie den Menschen ab einer gewissen Dosis ins Grab bringen.“

Auch interessant: Vitaminpillen produzieren nur „teuren Urin“

Eine toxische Wirkung ist nicht ausgeschlossen

„Aus den verfügbaren Humanstudien, in denen Tagesdosen von 100 – 1.800 mg Rhodiola rosea (meist als Wurzelextrakt) untersucht wurden, lässt sich kein Gefährdungspotential ableiten“, heißt es laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Fazit

Ein Wundermittel ist Rhodiola rosea sehr wahrscheinlich nicht. Nicht einmal, ob es sich dauerhaft zur täglichen Einnahme eignet, konnte bislang belegt werden. Mindestens, bis alle offenen Fragen geklärt sind, bleibt man auf der sicheren Seite, wenn man Stresssymptonen mit autogenenem Training begegnet. Und, wie es ein User auf „Forum Muscle Corps“ auf den Punkt bringt: „Die Behauptung, dass Rhodiola rosea zu mehr Kraft oder gar mehr Muskeln führen würde, stammt ausschließlich von den Supplementherstellern“. Eine Einnahme aus sportlichem Ehrgeiz ist definitiv nicht empfohlen.

Folgen Sie FITBOOK auf Youtube!