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Football, Fußball, Boxen ...

Die Gefahr von regelmäßigen Stößen gegen den Kopf beim Sport

Stöße gegen den Kopf sieht man beim Football häufiger
Stöße gegen den Kopf sieht man beim Football häufiger. Sie sollen im Zusammenhang mit verschiedenen, teilweise schweren Folgeerkrankungen stehen.Foto: Getty Images

Football-Fans freuen sich über den Saisonstart der nordamerikanischen Profiliga NFL. Der raue Sport hat aber auch eine Schattenseite: Beim Football kommt es häufig zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Spielern. Womöglich mit Folgen – Gehirnerschütterungen können mitunter schwere Langzeitschäden nach sich ziehen. Das betrifft auch andere Kontaktsportarten wie z. B. Fußball. Offenbar bedrohen bereits leichtere Stöße gegen den Kopf die Gehirngesundheit.

Wiederholte Stöße gegen den Kopf können die Hirngesundheit bedrohen – und auch psychische Erkrankungen auslösen. Je schwerer der Aufprall, desto wahrscheinlicher kann es zu Depressionen kommen. Diese Erkenntnisse gewannen US-amerikanische Forscher kürzlich in einer Studie mit u. a. Kontaktsportlern und Militärdienstleistenden, FITBOOK berichtete.

Football-Spieler oft psychisch krank

Es ist somit kein Zufall, dass viele ehemalige Football-Spieler unter psychischen Problemen leiden. Die sind teilweise so ausgeprägt, dass die Betroffenen sich das Leben nehmen, wie die Experten vom CTE-Center der Boston University auf ihrer Website erklären. Es seien neben Depressionen und Wutausbrüchen auch Fälle von Gedächtnisschwund bis hin zu Demenz dokumentiert.

Ein berühmtes und erschütterndes Beispiel dafür ist die Geschichte von Aaron Hernandez († 27). Der Football-Spieler (Position: Tight End) hatte im Laufe seiner sportlichen Karriere viele Stöße gegen den Kopf bekommen. Im April 2019 ging sein Suizid durch die Medien. Er hatte sich in der Gefängniszelle erhängt, in der er eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes verbüßen sollte.

Bei der Obduktion stellten die Ärzte schwere Schädigungen und Perforierungen seines Gehirns fest. Hernandez hatte an einer chronischen traumatischen Enzephalopathie (CTE) dritten Grades gelitten. Eine solche schwere Form kannte man bislang nur von wesentlich älteren Menschen.

Was ist CTE?

CTE ist eine schwere degenerative Hirnerkrankung. Sie tritt bei Menschen auf, die viele Gehirnerschütterungen oder Schläge auf den Kopf erlitten haben. Lange war sie deshalb vor allem als „Boxer-Enzephalopathie“ bekannt. Inzwischen weiß man, dass auch andere Kontaktsportarten wie vor allem American Football betroffen sind.

Im Detail heißt CTE: Teile des Frontallappens, der für Entscheidungen und Impulskontrolle wichtig ist, sind mit abgelagerten sogenannten Tau-Proteinen überzogen. Hirnventrikel (= mit Hirnwasser gefüllte Hohlräume) sind erweitert und der für das Gedächtnis wichtige Hippocampus ist geschrumpft. Der Corpus amygdaloideum, auch als Mandelkern bekannt, ist stark beeinträchtigt. Es ist der Teil des Hirns, der Gefühle wie Angst regelt.

CTE-Patienten oft impulsiv, aggressiv und emotional instabil

Laut Ann McKee, Leiterin des CTE-Centers McKee, beobachtet man bei Menschen mit CTE häufig Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle, Aggressionen und emotionale Labilität. Ihre Ausführungen dazu sind bei der „Washington Post“ nachzulesen.

Eines bereitet McKee demnach besonder Sorgen: „Wir sehen eine Beschleunigung der Krankheit bei jungen Sportlern. Ob das daher kommt, weil sie aggressiver spielen oder weil sie jünger anfangen, wissen wir nicht.“ Man gehe davon aus, dass die Gehirne von Heranwachsenden besonders sensibel auf Erschütterungen reagieren.

Schon leichte Stöße gefährlich – v. a. für Kinder

Eine Studie der McMaster University (Ontario) zeigt, dass nicht nur Gehirnerschütterungen, sondern schon leichtere Stöße gegen den Kopf die Gedächtnisleistung zeitweise messbar verschlechtern.

Forscherin Melissa McCradden hat dazu eine Untersuchung geleitet. Sie ließ Football-, Fußball- und Rugby-Spieler jeweils drei Erinnerungstests am Computer absolvieren. Es zeigte sich: Während der Saison konnten sich sämtliche Spieler schlechter erinnern als vor der Saison oder in der Erholungsphase danach. Die Ergebnisse stünden jeweils im Zusammenhang mit der aktuellen Fähigkeit des Gehirns, neue Neuronen zu bilden, folgert McCradden.

Köpfe von Mädchen und Frauen empfindlicher

Spielerinnen sollen nach Kopfbällen offenbar noch mehr neuronale Schäden davontragen als ihre männlichen Kollegen. Forscher des Albert Einstein College of Medicine (Bronx) untersuchten dazu mit einem bildgebenden Verfahren die Gehirne von je 49 Spielerinnen und Spielern.

Das Ergebnis: Mehr Kopfbälle verschlechterten bei beiden Geschlechtern die Leitfähigkeit von Nervenfortsätzen (Axonen). Bei den Männern betrafen die Schädigungen aber „nur“ drei Hirnregionen, bei den Frauen acht – und zumeist auch anhaltender. Die Gründe dafür sind noch unklar.

Wie gefährlich sind Kopfbälle im Kindesalter?

Verbände reagieren bereits – unterschiedlich konsequent allerdings. In den USA schreibt die US Soccer Federation seit 2015 vor, dass Kinder unter 10 Jahren überhaupt keine Kopfbälle machen dürfen. Zwischen 11 und 13 Jahren ist das im Spiel erlaubt, aber im Training verboten. Der Deutsche Fußballbund macht bisher keine Vorgaben. Er rät aber, erst mit 13 oder 14 Jahren mit dem Kopfballtraining anzufangen, wenn die Nacken- und Kopfmuskulatur kräftiger ist.