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Unfruchtbarkeit droht ebenso

US-Urologe warnt: »Covid-19 kann Erektionsstörungen verursachen, Impfstoffe jedoch nicht

Ein Mann mit nacktem Oberkörper im Bett
Erektionsstörungen sind der Albtraum vieler Männer. Sich aus Angst davor nicht gegen Corona-impfen zu lassen, ist jedoch der falsche Reflex.Foto: Getty Images

Der US-Urologe Professor Ranjith Ramasamy hat immer wieder mit Männern zu tun, die nach einer COVID-19-Infektion mit massiven Erektionsstörungen und Unfruchtbarkeit zu kämpfen haben. Er selbst leitet mehrere laufende Studien zu diesem Thema. Sein Credo: Männer, lasst euch impfen!

„Nein, Corona-Impfstoffe – darunter auch die mRNA-Impfstoffe von Pfizer und Moderna – verursachen weder Unfruchtbarkeit noch Erektionsstörungen!“ – Prof. Ranjith Ramasamy, Außerordentlicher Professor für Urologie an der University of Miami, ist erschrocken darüber, wie sehr durch gezielte Missinformation in den sozialen Medien Menschen verunsichert werden. Denn im Falle einer Covid-19-Infektion drohe nämlich genau das, was insbesondere einige Männer glauben, durch Nicht-Impfen zu vermeiden: Erektionsstörungen und Unfruchtbarkeit. Daher wendet sich der Wissenschaftler mit einem Schreiben an die Öffentlichkeit, in dem er erklärt, wie stark das Virus die Hoden befällt, und dass auf lange Sicht nur eine Impfung schützen kann.

Covid-19, Impfstoffe und männliche Potenz – die Forschung ist noch ganz am Anfang

Da das Virus noch recht neu und Forschung eine langwierige Sache ist, dauert es natürlich noch, bis die Studienlage eindeutig ist, räumt der Mediziner in seinem auf dem Wissenschaftsportal „The Conversation“ veröffentlichten Pamphlet ein.1 Doch haben er und sein Team bereits potenziell weitreichende Auswirkungen für Männer jeden Alters entdeckt – auch für Männer im jüngeren und mittleren Alter mit Kinderwunsch.

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Covid-19 befällt die Hoden – was passiert genau?

Ramasamy berichtet von mehreren besorgniserregenden Fällen. So ergab die Autopsie, bei sechs verstorbenen Covid-19-Patienten, dass das Virus teilweise bis ins Hodengewebe gewandert ist. Bei der Hälfte wurden verminderte Spermienzahlen festgestellt. Bei einem Überlebenden entdeckte der Mediziner auch drei Monate nach der Genesung Viren im Hoden. Zwei weitere Männer hatten eine schwere erektile Dysfunktion entwickelt, wahrscheinlich weil die Infektion zu einer verminderten Blutversorgung des Penis führte. „Bemerkenswerterweise hatte einer der Männer nur leichte Symptome. Der andere war ins Krankenhaus eingeliefert worden. Dies deutet darauf hin, dass selbst diejenigen mit einem relativ leichten Covid-19-Verlauf, Erektionsstörungen entwickeln können.“

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Dass Viren die Hoden befallen können, ist lange bekannt

Auch wenn der Urologe nur einige selbst erlebte Fälle benennt, weiß die Wissenschaft schon lange, dass andere Coronaviren oder auch Zika- und Mumps-Viren die Hoden befallen. So entdeckte man bei der SARS-Welle von 2006 (ebenfalls ein Coronavirus) bei einem Großteil der verstorbenen, männlichen Patienten zerstörtes Hodengewebe sowie wenige bis fast keine Spermien.2 „Sollten Sie nach einer Corona-Infektion Hodenschmerzen haben, kann das ein Zeichen sein, dass das Virus eingedrungen ist. Gehen Sie sofort zum Arzt, um mögliche schlimme Folgen noch aufhalten zu können“, rät der Urologe.

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Covid-19-Impfung kann vor Erektionsstörungen schützen

Für Ramasamy ist und bleibt der beste Schutz eine Impfung – besonders wenn die Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist. Er selbst leitete eine Studie mit 45 Männern.3 Bei keinem von ihnen wurde nach der zweiten Impfung eine abnehmende Spermienzahl festgestellt. Im Gegenteil: Bei Einigen nahm die Anzahl sogar zu – was aber auch an der Enthaltsamkeit während des Untersuchungszeitraums liegen könnte. „Dies ist also ein weiterer Grund, sich impfen zu lassen – um die männliche Fruchtbarkeit und sexuelle Funktion zu erhalten.“ Er räumt ein: „Zugegeben, die Forschung ist nur ein erster Schritt, wie sich COVID-19 auf die sexuelle Gesundheit von Männern auswirken könnte; die Proben waren klein. Weitere Studien sind in Planung.“

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Nicht die Impfung macht unfruchtbar, sondern unter Umständen Corona

Für den Urologen ist die Sache eindeutig: „Ein Grund für das Zögern beim Impfen ist die Auffassung vieler, dass COVID-19-Impfungen die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnten. Unsere Recherchen zeigen das Gegenteil. Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Impfstoff das Fortpflanzungssystem eines Mannes schädigt. Aber den Impfstoff zu ignorieren und sich mit COVID-19 zu infizieren, könnte dagegen zu Erektionsstörungen und schlechter Spermienqualität führen.“

Quellen

  1. The Conversation. COVID-19 could cause male infertility and sexual dysfunction – but vaccines do not. (2021)
  2. Ramasamy R., Gonzalez D. C., Nassau E. D. et al. (2021). Sperm Parameters Before and After COVID-19 mRNA Vaccination. Jama.
  3. Xu J, Qi L, Chi X. et al. (2006). A Complication of Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS). Biology of Reproduction.