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Verkürzte Behandlungsdauer und mehr

Asthma-Spray könnte laut Studie bei der Behandlung von Covid-19 helfen

Asthma-Spray Corona
Laut einer aktuellen Studie könnte Asthma-Spray bei der Behandlung von Covid-19 neue Hoffnung machenFoto: Getty Images

Schon seit Ausbruch der Pandemie suchen Forscher nach wirkungsvollen Mitteln, um schwere Covid-19-Verläufe zu verhindern. Neuer Hoffnungsträger ist ein Asthma-Spray. Britische Forschende kommen diesbezüglich in einer Studie zu positiven Ergebnissen. Aber es gibt auch berechtigte Kritik.

Asthma-Spray mit dem Wirkstoff Budesonid könnte bei der Behandlung von Covid-19 helfen. Experten beurteilen die Ergebnisse einer aktuellen Studie zur Einnahme eines Asthma-Sprays als vielversprechend. „Der beschriebene Effekt ist beachtlich und bedeutsam“, kommentiert der Direktor der Klinik für Infektiologie und Pneumologie der Berliner Charité, Norbert Suttorp, die Studienergebnisse. Wenn sich die Beobachtungen bewahrheiteten, habe das eine enorme Wirkung – und Budesonid sei überall auf der Welt verfügbar.

Covid-Patienten im Krankenhaus haben nur selten chronische Atemwegserkrankungen

Die Studie unter Leitung der Universität Oxford wurde im Fachmagazin „The Lancet“
veröffentlicht. Ihr liegt eine Beobachtung unter anderem aus China, Italien und den USA zugrunde. Covid-Patient*innen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, hatten demnach nur selten chronische Atemwegserkrankungen. „Unsere Hypothese war, dass die weit verbreitete Nutzung von inhalierten Glukokortikoiden unter diesen Patienten dafür verantwortlich war“, schreiben die britischen Forschenden in ihrem Papier. Budesonid ist ein Glukokortikoid, das zur Klasse der Steroidhormone gehört.

Um die Hypothese zu überprüfen, rekrutierten sie 146 Proband*innen mit milden Covid-19-Symptomen. Sie wurden nach Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine inhalierte zweimal täglich 800 Mikrogramm Budesonid, die andere bekam die „übliche“ Behandlung. Nach 28 Tagen werte man die Forschungsreihe aus. Dabei zeigte sich, dass das Risiko für eine Einweisung ins Krankenhaus und eine weitergehende medizinische Behandlung durch das Budesonid um 90 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe gesunken sei. Zudem soll das Arzneimittel die Dauer der Behandlung und die Anzahl der Tage mit Fieber verkürzt haben. Die Patient*innen mit Budesonid-Spray hätten zudem nach zwei Wochen seltener anhaltende Symptome gehabt.

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Experten halten Asthma-Spray bei Covid-19-Therapie für vielversprechend

„Das sind überaus interessante Ergebnisse und vom biologischen Ansatz plausibel“, sagt der Leiter des Zentrums für klinische Studien des Universitätsklinikums Jena, Frank M. Brunkhorst. Der SPD-Gesundheitsexperte Prof. Dr. Karl Lauterbach nennt die Studie gar einen möglichen „Game Changer“. „Die Ergebnisse machen klinisch Sinn, weil die antientzündliche Wirkung in der Lunge den Verfall der Lungenfunktion verhindern kann“, schreibt der Mediziner auf Twitter. Es gebe zudem kaum Nebenwirkungen. Laut der Studie hätten sieben Prozent über Nebenwirkungen geklagt.

Auch der Infektiologe Clemens Wendtner sieht eine große Chance im Einsatz des Mittels: „Mit dieser simplen, nebenwirkungsarmen und auch noch kosteneffektiven Behandlung könnte nicht nur vielen ambulanten Patienten mit milder Covid-Erkrankung in der Frühphase medizinisch geholfen werden.“ Auch der Druck auf die Krankenhäuser könnte reduziert werden, was ein wichtiges Argument in Zeiten von knappen Betten angesichts der laufenden dritten Corona-Welle sei, so der Chefarzt der München Klinik Schwabing.

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Studie von AstraZeneca gesponsert – von ihnen stammt das Asthma-Spray

Die Experten sowie die Studienautoren selbst weisen darauf hin, dass die Ergebnisse der Untersuchung mit relativ wenigen Patient*innen in einer breiter angelegten Studie zu bestätigen sind. Man brauche „dringend“ eine große Phase-III-Studie mit etwa 1.000 Patient*innen, so Brunkhorst. Klaus Friedrich Rabe, Leiter der LungenClinic in Großhansdorf, bemängelt im Gespräch mit dem ZDF, dass es keine Vergleichsgruppe mit Placebo gegeben habe. Das Problem hierbei ist, dass sich die Proband*innen bewusst waren, dass sie ein womöglich wirksames Medikament bekamen. Diese Erkenntnis könnte ihr Verhalten beeinflusst haben.

Zudem merkt Rabe an, dass es „erwähnenswert“ sei, dass die Studie von AstraZeneca gesponsert wurde. Das Unternehmen produziert nicht nur einen Corona-Impfstoff, sondern stellte auch den Budesonid-Inhalator, der in der Studie verwendet wurde, her. Der Leiter der LungenClinic schätzt, dass die aktuelle Studie vor der Corona-Krise wohl nicht in einem renommierten Fachjournal wie „The Lancet“ veröffentlich worden wäre. „Man sieht in der aktuellen Situation einfach, dass das Bedürfnis nach positiven Nachrichten so hoch ist, dass solche Studien es einfacher in Top-Journals schaffen.“

mit Material von dpa