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Mit 41 auf der Intensivstation

Junger Corona-Infizierter warnt davor, das Virus zu unterschätzen

Corona-Infizierter Gianni Zampino
Gianni Zampino ist jung und sportlich – und trotzdem schwer an Covid-19 erkranktFoto: Screenshot: Rai/TG1

In Italien geht seit Tagen ein Video viral, das der Corona-Pandemie ein Gesicht gibt: Es ist die Geschichte von Gianni Zampino (41). Der hat seinen Vater an Covid-19 verloren und ist selbst schwer erkrankt, obwohl er jung und nach eigenen Angaben auch sportlich ist. In einem Video-Appell fordert er auf, die Corona-Gefahr ernst zu nehmen – und bitte zu Hause zu bleiben.

Wenn man hierzulande die Parks und Restaurants sieht (in den Bundesländern, wo sie noch geöffnet sind), kann man nicht glauben, dass sich auf der ganzen Welt gerade ein Virus verbreitet, dem international renommierte Experten zutrauen, Millionen von Menschen zu töten. Von Respekt vor Corona, Covid-19 und SARS-CoV-2 – geschweige denn Angst – ist fast nichts zu sehen, außer man sucht in Supermärkten nach Klopapier.

Viele Menschen beruhigen sich mit der Tatsache, dass den ersten Auswertungen zufolge 80 Prozent der Corona-Fälle mild – einige sogar ganz ohne Symptome – verlaufen. Immer wieder hört man auch, dass vor allem ältere Menschen und/oder Personen mit Vorerkrankungen besonders gefährdet sind, eine schwere bis lebensbedrohliche Form zu entwickeln. „Ich bin jung und gesund, mir wird schon nichts passieren“, lautet der Tenor.

Jung und sportlich – und trotzdem schwer erkrankt

Das dachte sich auch der Italiener Gianni Zampino. Er ist gerade einmal 41 Jahre alt und wenn man sich seinen Instagram-Account anschaut, sieht man einen schlanken und sportlichen Mann. Außerdem rauche er nicht und trinke auch keinen Alkohol, wie er gegenüber der italienischen Tageszeitung „La Stampa“ berichtet hat. Eine Person fernab von jeder Risikogruppe also.

Gianni Zampino:

„Ihr müsst verstehen, dass das kein Spiel ist. Ich verbringe die Nächte am Beatmungsgerät und kann nicht schlafen. Mein Leben ist völlig durcheinandergeraten. Ich möchte, dass niemand das Leid ertragen muss, das ich gerade ertrage. Das sieht aus wie ein Horrorfilm, leider ist es aber keiner.“

In einem Video-Interview mit der Nachrichtensendung „TG1“ (entspricht der „Tagesschau“) des öffentlich-rechtlichen Senders RAI 1 berichtet Zampino, dass er bis vor Kurzem selbst noch das Coronavirus nicht ernst genommen und sich dementsprechend auch nicht davor geschützt habe. Bis es erst seinen Vater getötet und dann ihn selbst auf die Intensivstation gebracht hat. Er betont, dass es sich beim „verdammten“ Coronavirus nicht um eine normale Grippe handelt, weil sie einem „die Lunge nimmt“. Sein Appell an alle Zuschauer: Hört auf, die Corona-Gefahr zu unterschätzen und bleibt vor allem zu Hause!

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Hier das komplette Video im Wortlaut

„Guten Morgen an euch alle, entschuldigt bitte die Maske, aber ich kann leider ohne ihre Hilfe bisher nicht sprechen und auch nicht atmen. Nachts hingegen muss ich einen Helm tragen, der es mir erlaubt zu atmen. Ich wollte dieses Video machen, weil zu viele Menschen dieses verdammte Coronavirus, das mir seit rund zehn Tagen mein Leben völlig auf den Kopf stellt, auf die leichte Schulter nehmen. Ich heiße Gianni Zampino und bin aus Turin und wie viele andere habe auch ich dieses verdammte Virus unterschätzt. Ich habe nichts dafür getan, um mich vor dem Virus zu schützen. Das aber ist in meinen Körper eingedrungen und hat das Wichtigste in meinem Leben getötet: meinen Vater. Alle sagen, dieses Virus ist wie eine normale Grippe, ich kann euch sagen, es ist nicht wie eine normale Grippe. Es tritt in dich ein, es ergreift Besitz von dir, es nimmt dir deine Lunge und deine Atemwege. Darum ist meine Botschaft: Nehmt euch wirklich in Acht, bleibt nicht nur einfach zu Hause, sondern genießt die Zeit mit eurer Familie, spielt Gesellschaftsspiele, schaut euch einen Film an, lest ein Buch, was doch etwas Wunderschönes ist. Nur wenn wir alle zusammen diese Regeln befolgen, werden wir wieder unser eigenes Leben in die Hand nehmen können. Denn ihr müsst verstehen, dass das kein Spiel ist. Ich verbringe die Nächte am Beatmungsgerät und kann nicht schlafen. Mein Leben ist völlig durcheinander geraten. Ich möchte, dass niemand das Leid ertragen muss, das ich gerade ertrage. Das sieht aus wie ein Horrorfilm, leider ist es aber keiner.“

Covid-19-Lungenentzündung ist schleichend

Wir sehen also den Bericht einer Person, die schwer an Covid-19 erkrankt ist. Covid-19 kann eine sogenannte atypische Lungenentzündung auslösen. Typisch für die atypische Lungenentzündung: Hohes Fieber (über 39 Grad) bleibt meist aus. Auch andere Symptome wie Husten oder Schüttelfrost sind milder ausgeprägt als bei einer typischen Lungenentzündung. Das macht die Covid-19-Lungenentzündung schleichend und damit besonders gefährlich.

Vor allem aber sehen wir den Bericht einer Person, die wir nicht unbedingt mit einem schweren Verlauf der Corona-Infektion in Verbindung bringen würden – oder wollen. FITBOOK wollte von „Rai“ wissen, ob man irgendwas über Vorerkrankungen bei Zampino wisse, die schwere Krankheitsverläufe bekanntlich begünstigen. „Rai“ teilte uns mit, dass Zampino ihnen gegenüber erzählt habe, vorher völlig gesund gewesen zu sein.

Wichtig: keine Panik

Dieser Bericht soll keine Panik auslösen. Schließlich verlaufen die meisten Fälle tatsächlich mild (und hoffentlich auch ohne Langzeitfolgen). FITBOOK möchte aber aufzeigen, dass selbst (relativ) junge, gesunde Menschen an einer gefährlichen Covid-19-Lungenentzündung erkranken können. Damit folgen wir auch dem Appell der Bundeskanzlerin, die in einer Fernsehansprache am 18.03. warnte: „Es ist ernst – nehmen Sie es auch ernst.“

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