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Inspirierendes Video

Anthony Hopkins seit 45 Jahren trocken – wie er gegen die Alkoholsucht kämpft

Alkoholsucht: Anthony Hopkins
Der britische Schauspieler Anthony Hopkins (82) wirkte in unzähligen Filmen mit. In einem persönlichen Video feiert er nun seine 45-jährige Abstinenz.Foto: dpa picture alliance

Anthony Hopkins feiert seine 45-jährige Abstinenz von Alkohol. Doch was ist Alkoholsucht eigentlich? Und wie kann man sie behandeln?

Der 82-jährige Oscar-Gewinner Anthony Hopkins („Das Schweigen der Lämmer“) hat ein Video auf Twitter gepostet. Darin erklärt der britische Schauspieler, wie er vor 45 Jahren seine Alkoholsucht überwunden hat. „Heute vor 45 Jahren hatte ich einen Weckruf“, so Hopkins im Video. „Ich war auf dem Weg in die Katastrophe und habe mich zu Tode getrunken. Ich möchte nicht predigen, aber ich habe eine Nachricht erhalten. Ein kleiner Gedanke, der fragt: Willst du leben oder sterben? Und ich sagte, dass ich leben will. Und plötzlich kam die Erleichterung – und mein Leben ist seitdem unglaublich.“

Klar und offen erzählt Hopkins weiter, dass es natürlich schwierige Tage gab und auch Anflüge von Zweifel. Er konnte sich jedoch selbst motivieren. „Heute ist das Morgen, um das du dir gestern solche Sorgen gemacht hast“, so Hopkins. Am Ende des einminütigen Videos ermuntert er vor allem jüngere Menschen, nicht aufzugeben. „Bleib einfach dran. Kämpfe einfach weiter. Sei mutig, und mächtige Kräfte werden dir helfen.“ Das sei es, was Hopkins sein ganzes Leben lang im Kampf gegen die Alkoholsucht unterstützt habe.

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Inspirierende Worte, die Mut machen! Aber was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff „Alkoholsucht“? Und welche Auswege gibt es neben der wichtigen Selbstmotivation aus der Sucht?

Was ist eine Alkoholsucht?

Ist ein Mensch stark auf Alkohol angewiesen und kann nicht über einen längeren Zeitraum abstinent bleiben, spricht man von Alkoholsucht oder Alkoholabhängigkeit. Diese Krankheit betrifft Menschen in allen Lebensbereichen. Laut Bundesgesundheitsministerium sind in Deutschland rund 1,6 Millionen Menschen abhängig von Alkohol.

Eine Alkoholabhängigkeit kann extreme gesundheitliche Schäden verursachen und zu psychischen und sozialen Problemen führen. Besonders heikel: Durch den Alkoholismus werden Gehirn und Neurochemie verändert. Als Folge einer langjährigen Alkoholabhängigkeit sind Betroffene dann nicht mehr in der Lage, ihre Handlungen zu kontrollieren.

Wie zeigt sich eine Alkoholabhängigkeit?

Auf unterschiedliche Weise. Wie schwer die Erkrankung ausgeprägt ist, wie oft man trinkt und auch die Art des Alkohols variiert von Person zu Person. Einige Menschen trinken über den ganzen Tag verteilt. Andere haben Alkoholexzesse mit Phasen, in den sie eine Weile nüchtern bleiben.

Oftmals erkennt man eine Alkoholsucht nicht gleich. Grund: Alkoholkonsum ist weit verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert. Es vergeht kaum eine Feier ohne was zu trinken. Und auch im Alltag gehört für viele Menschen Alkohol einfach dazu. Wann der Alkoholkonsum zum echten Problem wird? Folgende Symptome (Quelle: Apotheken-Umschau) können auf eine Abhängigkeit hinweisen, nicht alle müssen jedoch zutreffen:

  • starkes Verlangen oder Zwang nach Alkohol
  • erhöhte Menge oder Häufigkeit von Alkoholkonsum
  • hohe Alkoholtoleranz, kein Kater
  • morgendliches Trinken
  • Entzugserscheinungen wie Schlafstörungen, Zittern oder Schwitzen

Bei Alkoholkranken ändert sich mit der Zeit auch das Verhalten. So haben viele Alkoholabhängige andere Alkoholabhängige als Freunde. Menschen, die nicht trinken, werden dagegen eher gemieden.

Ein weiteres Anzeichen: Wenn jemand den Alkohol vor anderen versteckt, um nicht aufzufallen und im Alltag zu funktionieren. Viele Alkoholkranke werden zudem lethargisch, depressiv oder bekommen andere psychische Probleme. Durch die Alkoholsucht kann es auch zu Straftaten kommen oder zum Verlust des Arbeitsplatzes.

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Welche Folgen hat eine Alkoholsucht für den Körper?

Alkohol ist ein Zellgift. Schon kleine Mengen können Organe und Zellen schädigen. Bei einer Alkoholsucht drohen zudem eine Vielzahl schwerer und chronischer Erkrankungen. Perfide: Teilweise treten diese erst Jahre später auf. Dazu zählen:

  • Lebererkrankungen
  • Bauchspeicheldrüsenentzündungen
  • Krebs, vor allem in Mundhöhle, Rachen und weiblicher Brust
  • Erkrankungen der Speiseröhre und des Magens
  • Herzerkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Potenzstörungen
  • Schäden am Nervensystem

Wird in der Schwangerschaft Alkohol getrunken, schadet das dem Embryo. Als Folge sind eine geistige Behinderung, Herzfehler und Kleinwüchsigkeit möglich, wie unter anderem „Healthline“ berichtet.

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Frühwarnzeichen rechtzeitig erkennen und handeln

Die Karriere als Alkoholiker beginnt oftmals schleichend. Tendenziell verschlimmert sich die Alkoholsucht jedoch mit der Zeit. Deshalb sind die Frühwarnzeichen wichtig, um rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Ignorieren ist garantiert der falsche Weg. Je eher man Hilfe sucht, desto leichter findet man den Ausstieg. Schwerer wird es, wenn soziale Folgeschäden wie Verlust des Arbeitsplatzes oder soziale Isolation entreten. Wer merkt, dass er ein ernstes Alkoholproblem hat, sollte sich ein Herz fassen und ohne Scham das Gespräch mit einem Arzt suchen.

Unterstützung bieten zudem eine Vielzahl an Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen. Hilfesuchende können sich auch online an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) oder die Deutsche Hauptstelle für Suchtkranke (DHS) wenden. Sehr hilfreich kann zudem ein Gespräch mit einer Vertrauensperson sein. Das hilft, die Dinge klarer zu sehen und inneren Druck loszuwerden. Womöglich hat der Gesprächspartner ähnliches erlebt und überwunden. Das schafft Mut und Motivation, die Sucht ernsthaft anzugehen.

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Wie läuft eine Entwöhnungstherapie ab?

Bei einer Entwöhnungstherapie unterscheidet man mehrere Phasen. In der Kontaktphase sucht der Betroffene das Gespräch zum Beispiel bei einem Arzt. Dabei wird versucht, das Problem zu benennen und den Betroffenen zu motivieren. In der Reduktionsphase wird daraufhin versucht, die Trinkmenge zu reduzieren oder ganz auf Alkohol zu verzichten.

Gelingt das nicht, ist in der Entzugsphase eine körperliche Entgiftung notwendig. Dabei kann es zu schweren Entzugssyndromen kommen, weshalb meist eine Entgiftung im Krankenhaus angebracht ist. Danach folgt die Entwöhnungsphase in einer Fachklinik, teilstationär oder ambulant, die über Wochen oder Monate gehen kann. Dabei lernt der Betroffene, soweit psychisch gefestigt zu sein, dass er möglichst abstinent bleibt.

Manche Menschen sind jedoch auch nach der Behandlung mit alten Problemen oder Ängsten überfordert. Deshalb bietet sich eine Nachsorgebehandlung in einer Suchtberatungsstelle, Selbsthilfegruppe oder bei einem Facharzt an. So finden Betroffene Unterstützung, um letztlich abstinent zu leben.

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