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Bald auch Hoffnung für Millionen Menschen?

Forscher können Alkoholsucht bei Ratten jetzt „wegklicken“

Ratte schaut nach links
US-Forscher haben herausgefunden, dass sie mit einem einfachen Knopfdruck das Verlangen nach Alkohol in abhängig gemachten Ratten an- und ausschalten konnten
Foto: Getty Images

Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind abhängig nach Alkohol. Eine aktuelle Tierstudie aus den USA könnte Betroffenen jetzt Hoffnung geben. Der Clou: Nervenzellen, die ein Verlangen nach Alkohol auslösen, werden via Laserstrahl unschädlich gemacht. Mit einem einfachen Knopfdruck.

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Auch wenn Alkohol Abermillionen Menschen schmeckt: Bei falscher Dosierung macht es seinem Ruf als Nervengift alle Ehre und schnell süchtig. Allein in Deutschland trinken 10 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich bedenklichen Dosen, 1,8 Millionen sind abhängig. Bei der Bekämpfung von Alkoholsucht kann man also ohne Übertreibung von einem Thema gesamtgesellschaftlicher Relevanz sprechen. Aus diesem Grund sind wir bei dieser Wissenschafts-News gleich hellhörig geworden.

Forscher vom Scripps Research Institute – einer kalifornischen Forschungseinrichtung mit Schwerpunkt Biomedizin – haben herausgefunden, dass sie mit einem einfachen Knopfdruck das Verlangen nach Alkohol in abhängig gemachten Laborratten beliebig an- und ausschalten konnten. Dafür kamen spezielle Laser zum Einsatz, die bestimmte Nervenzellen deaktiviert haben – Nervenzellen, die Ratten (und vielleicht ja auch den Menschen) süchtig nach Alkohol machen. Kündigt sich hier ein medizinischer Durchbruch an? Bleiben wir bei den Fakten.

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Forscher derselben Uni hatten bereits 2016 auf der Jagd nach einer möglichen „Suchtzentrale“ im Gehirn von Ratten einen Verdächtigen gefunden: ein neuronales „Ensemble“, also Nervenzellen, im sogenannten Mandelkern – einem Hirnareal im Limbischen System, das bei Triebverhalten und Emotionsverarbeitung eine gewichtige Rolle spielen soll. Die Forscher sind überzeugt davon, dass von diesem Ensemble Signale ausgehen, die bei Ratten einen inneren „Trinkbefehl“ auslösen – Sucht eben. Jetzt haben sie diese Nervenstrukturen genauer unter die Lupe genommen.

Das haben die Forscher untersucht

Im Rahmen der neuen Studie haben sich die Forscher um ganz bestimmte Neuronen in diesem Ensemble gekümmert, sogenannte CRH-Neuronen. Warum? Weil die Forscher glauben, dass unter anderem diese Neuronen für das Verlangen nach Alkohol verantwortlich sind.

Die Forscher griffen für ihre Studie auf Optogenetik zurück. Bei dieser Technik, einem Mix aus Genetik und optischen Technologien, können Forscher dank Laserlicht mit extremer Präzision die Aktivität von Nervenzellen kontrollieren. Dafür wurden den Ratten spezielle optische Fasern implantiert, mit dem Ziel, die CRH-Neuronen mit Licht zu bescheinen – und sie so per Knopfdruck zu deaktivieren.

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Doch Ratten, die alkoholabhängig sind, geht das überhaupt? Ja! Dafür haben die Forscher erst einmal festgelegt, wie viel Alkohol die Ratten trinken dürfen, bevor sie abhängig werden. Danach haben sie über mehrere Monat die Dosis so lange erhöht, bis sie eine Abhängigkeit samt Entzugserscheinungen beobachten konnten. Die Forscher waren überzeugt: Das neuronale Ensemble im Gehirn der Ratten war nun aktiv und befahl den Ratten, immer größere Alkoholmengen zu trinken.

Und tatsächlich, als die Forscher dann den Knopf betätigten und das Laserlicht anschalteten, stellten sie Sensationelles fest: Die Ratten zeigten wieder ein Trinkverhalten wie VOR ihrer Abhängigkeit. Ihr intensives Verlangen war verschwunden, sogar Entzugserscheinungen (wie ein ungewöhnlicher Gang und Zittern) blieben aus. Ganz offensichtlich war die neuronale Suchtzentrale jetzt deaktiviert worden. Und konnte auch wieder aktiviert werden. Denn sobald der Laser abgeschaltet wurde, zeigten sich die Ratten wieder alkoholabhängig.

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„Die Entdeckung ist aufregend, denn sie bedeutet, dass wir ein weiteres Puzzleteil gefunden haben, das dabei helfen kann, Mechanismen im Gehirn zu erklären, die uns zu Alkohol greifen lassen“, erklärte Hauptautor Dr. Olivier George in der Fachpublikation Nature Communication, wo die Studie am 18.3.2019 erschien.

Die Ergebnisse offenbaren im Gehirn (von Ratten) bestimmte Verknüpfungen, die für spezielle destruktive Verhaltensweisen verantwortlich sind. In einem nächsten Schritt plant das Team um Dr. George, die Ergebnisse auf den Menschen zu übertragen. Jetzt gelte es, eine Methode zu finden, mit der man auch in unseren Gehirnen CRH-Neuronen ganz gezielt deaktivieren kann – wahrscheinlich mithilfe einer noch zu entwickelnden chemischen Verbindung. Außerdem erhoffen sich die Forscher Erkenntnisse, die dabei helfen könnten, die Abhängigkeit nach harten Drogen wie Heroin hinsichtlich der zugrundeliegenden Nervenprozesse besser zu verstehen.

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