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Internist ordnet Körpertemperaturen ein

Ab wann hat man Fieber – und wie misst man es am besten?

Wann ist es erhöhte Temperatur, wann Fieber – und wie ermittelt man es am besten? FITBOOK erklärt’s.
Wann ist es erhöhte Temperatur, wann Fieber – und wie ermittelt man es am besten? FITBOOK erklärt’s.Foto: Getty Images

Fieber zählt neben Husten zu den häufigeren Anzeichen auf eine Corona-Infektion. Aber ab welcher Körpertemperatur hat man es überhaupt? Und mit welchem Gerät und an welcher Körperstelle liefert die Messung das zuverlässigste Ergebnis? FITBOOK hat mit dem Internist Dr. Matthias Riedl gesprochen.

Will man sein Fieber messen, sollte man wissen, dass die Temperatur nicht überall am Körper gleich ist. Im Normalfall beträgt die Körperkerntemperatur um die 37 Grad Celsius. Je weiter vom Körperkern entfernt, desto kühler wird es. So können die Hände und Füße bei gerade einmal 28 Grad liegen, und fühlen sich bei manchen „Frostbeulen“ bekanntlich noch kälter an.

Was ist Normaltemperatur und ab wann hat man Fieber?

Zeigt das Thermometer eine Temperatur zwischen 36,5 und 37,4 Grad Celsius an, bedeutet das Normaltemperatur. Darüber beginnt erhöhte Temperatur. Ab ungefähr 38,1 Grad hat man es mit leichtem Fieber zu tun. Mittleres Fieber bezeichnet die kleine Spanne zwischen ungefähr 38,6 und 39 Grad, alles danach ist hohes Fieber – und kann ab spätestens 42 Grad lebensbedrohlich werden. „Typische Fiebersymptome kann man aber schon weitaus eher bekommen. Viele Menschen merken schon eine leichte Temperaturerhöhung bei 37,5 Grad Körpertemperatur körperlich“, erklärt Internist Dr. med. Matthias Riedl  im Gespräch mit FITBOOK. Die Körpertemperatur steige übrigens über den Tag verteilt um bis zu ein Grad an. Sei man körperlich aktiv, könne sich der Körper um bis zu zwei Grad erwärmen.

Umso wichtiger sind genaue Messwerte. Und die ermittelt man am besten so, wie man es schon als Kind ganz schrecklich fand…

Rektale Fiebermessung am genauesten

„Für aussagekräftige Ergebnisse kommt man um das rektale Fiebermessen nicht umhin“, schreibt der Springer Medizin Verlag und beruft sich dabei auf einen Messmethodenvergleich von Intensivmedizinern des Lougheed Center im kanadischen Calgary.

Die zweitbeste Methode zum Fiebermessen: unter der Zunge

Die üblichste Methode zum Messen von Fieber gilt Experten zufolge als die zweitzuverlässigste. Im Mund, also unter der Zunge, weiche die Messgenauigkeit für gewöhnlich um kaum 0,5 Grad ab. Beachten Sie aber, zehn Minuten vorher nichts mehr zu essen und zu trinken; heißes oder kaltes Essen bzw. Trinken kann das Ergebnis verfälschen.

Achsel-, Ohr- und Stirnmessung ungenau

Die Messwerte aus den Achseln seien oft ungenau – mit bis zu zwei Grad Abweichung – und somit fast vernachlässigbar. Das Gleiche gilt für Stirn- und Ohrthermometer.

Welche Arten von Thermometern gibt es?

Glasthermometer

Gibt es noch, werden aber nur noch selten gekauft. Glasthermometer sind empfindlich und haben relativ lange Messzeiten. Während Alternativen binnen weniger Sekunden ablesbar sind, dauert es bei Glasthermometern mehrere Minuten.

Frau misst Fieber
Früher waren Glasthermometer üblich. Ihr Nachteil ist die lange Messzeit.Foto: Getty Images

Digitale Thermometer

Ein solches haben vermutlich auch Sie zu Hause und wird im Gespräch mit FITBOOK auch von Dr. Riedl empfohlen. Es eignet sich für Messungen unter der Zunge, in den Achseln und im Anus.

Fieber messen mit einem digitalen Thermometer
Am gängigsten und praktisch: das gewöhnliche digitale ThermometerFoto: Getty Images

Infrarotthermometer

Ohr- und Stirnthermometer messen die Temperatur per Infrarotstrahlen. Das geht schnell und kann praktisch sein, wenn z.B. das Kind herumzappelt und kein Thermometer im Mund geschweige denn Po haben will. Die Methode ist in der Regel aber nicht sehr genau, Experten raten davon eher ab.

Ohrthermometer
Ohrthermometer empfehlen sich höchstens für Kinder, aber auch da nicht wirklichFoto: Getty Images

Wozu hat man überhaupt Fieber?

„Fieber dient der Infektabwehr beziehungsweise dazu, die Lebensbedingungen von Erregern zu verschlechtern“, erklärt Dr. Riedl. Ob und wann die Temperatur hochgeht, wird vom Hypothalamus gesteuert, einem Abschnitt des Zwischenhirns, der als „Kommandozentrale“ des Nervensystems fungiert.

Der genaue Hergang: Wenn Abwehrzellen im Körper Bakterien oder Viren feststellen, senden sie Botenstoffe aus. Diese agieren mit anderen Botenstoffen, bis einige dieser sogenannten Transmitter die Barriere zwischen Blutkreislauf und Gehirn überwinden und im Hypothalamus Alarm schlagen.

Was dann passiert? Die Heizung wird ordentlich aufgedreht, erklärt Prof. Hanns-Christian Gunga vom Institut für Physiologie an der Berliner Charité. Das soll den Zweck erfüllen, die Erreger quasi abzukochen.

Ärzte raten Fieber spätestens ab 42 Grad zu senken

Fieber ist also wichtig. Deshalb muss auch von Fall zu Fall entschieden werden, ob man in diese natürliche Abwehrreaktion des Körpers eingreift, als das Fieber zu senken versucht, oder nicht.

Wie Dr. Riedl weiß, können Jüngere auch hohe Temperaturen in der Regel relativ gut wegstecken. Aber: „Wenn die Beeinträchtigung zu stark wird oder es zu einer Kreislaufbelastung kommt, sollte man Maßnahmen ergreifen.“ Der Facharzt weist darauf hin, dass der Puls deutlich ansteigen kann, „das kann für ältere Menschen unter Umständen kritisch werden“.

Prof. Gunga sieht es auch so. Er würde eine unverbindliche Obergrenze bei 42 definieren. Ab etwa 42 Grad Körpertemperatur sterben nicht nur Bakterien, sondern auch Eiweiße – also lebenswichtige Bausteine der Zellen. Ebenso sei es problematisch, wenn das Fieber über mehrere Tage anhält. „Um den Körper so aufzuheizen, wird irrsinnig viel Energie aufgewendet“, sagt er. Irgendwann sind die Reserven aufgebraucht.

Medikamentös oder besser mit Hausmitteln?

Damit das Fieber sinkt, kann man es erstmal mit Wadenwickeln versuchen. „Die Extremitäten sind am unempfindlichsten gegenüber Kälte“, erklärt Prof. Gunga, deswegen seien kühle Wickel dort nicht unangenehm. Hilft das nicht, unterbrechen Substanzen wie ASS effektiv die Botenkette. Sie hemmen die Prostaglandine, die letzten in der Reihe der Transmitter. So bekommt der Hypothalamus kein Signal mehr zum Aufheizen. Worauf Sie speziell achten sollten, wenn Ihr Kind Fieber hat, können Sie hier nachlesen. 

Wegen Corona: Sind prophylaktische Fiebermessungen sinnvoll?

Es gibt viele Menschen, die aktuell täglich Temperatur messen, um sich so scheinbar auf eine mögliche Coronainfektion zu untersuchen. „Das ergibt aber keinen Sinn“, sagt uns dazu Facharzt Dr. Riedl. Verlässlichere Symptome seien ein Kratzen im Hals und starker Husten, und auch diese könnten genauso auf andere Erkrankungen hindeuten.

Auch interessant: Die typischen Symptome einer Corona-Infektion

Die Anschaffung eines Fieberthermometers hält er hingegen für vernünftig. „Viele haben nicht mal eins zu Hause“, weiß er aus seiner Praxis. Das sollte man für den Bedarfsfall ändern – auch unabhängig vom Coronavirus.

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